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| 15:17 Uhr

LR vor Ort in Rückerr
„Ich haushalte, als wäre es mein eigenes Geld“

Lothar Belger (M.) ist der neue Bürgermeister von Rückersdorf. Peter Herrmann, Gemeindevertreter und Ortsvorsteher von Oppelhain, überreicht dem „Neuen“ einen Besen und Amtsdirektor Andreas Dommaschk (r.) gratuliert.
Lothar Belger (M.) ist der neue Bürgermeister von Rückersdorf. Peter Herrmann, Gemeindevertreter und Ortsvorsteher von Oppelhain, überreicht dem „Neuen“ einen Besen und Amtsdirektor Andreas Dommaschk (r.) gratuliert. FOTO: Heike Lehmann
Die Gemeinde Rückersdorf hat seit anderthalb Jahren einen neuen Bürgermeister. Lothar Belger bringt viel Erfahrung vom Amt Elsterland mit. Von Heike Lehmann

Wie waren Ihre ersten anderthalb Jahre als ehrenamtlicher Bürgermeister?

Lothar Belger: Wenn man ein solches Amt übernimmt, ist das ja freiwillig. Man macht es gern. Ich will mich also nicht beklagen. Aber vom zeitlichen Aufwand her habe ich es mir anders vorgestellt.

Wie sind Sie eingestiegen?

Lothar Belger: Ich habe mir zunächst ein Bild davon gemacht, welche Probleme die Gemeinde inklusive Ortsteile hat. Der größte Brocken ist unser nicht ausgeglichener Haushalt. Sehr viel Zeit habe ich investiert im Zusammenhang mit dem Bau der drei Brücken – alle 14 Tage war Bauberatung mit der Bahn und der Strabag.

Können Sie die Zeit bemessen, die das Amt „kostet“?

Lothar Belger: In diesem Jahr habe ich bis jetzt  140 Termine absolviert – von der Dienstberatung, Gemeindevertretersitzung, Vor-Ort-Terminen bis hin zu repräsentativen Anlässen. Als Rentner habe ich die Zeit. Wer noch arbeitet, kann dieses Amt nicht packen.

Wie ist die Einwohnerentwicklung in Rückersdorf?

Lothar Belger: Wir haben seit der Wende zwar etwa 600 Einwohner weniger. Aber im Moment eine stabile Entwicklung. 2007 hatten wir 1368 gemeldete Einwohner, jetzt sind es aktuell 1363. Und es sind etliche junge Frauen schwanger. Die Zahl wird also stabil bleiben.

Und es gibt ja alles im Dorf, was Familien brauchen.

Lothar Belger: Genau, unsere Infrastruktur passt. Allgemeinmediziner,  Zahnarzt, Bäcker, Frisör – alles da, außer eine Verkaufseinrichtung. Aber dieses Manko haben die „fliegenden Händler“ schnell ausgeglichen. Und ich weiß, dass die Einwohner Fahrgemeinschaften zu den Einkaufsmärkten in Doberlug-Kirchhain bilden.

Wie sieht die Vereinsstruktur aus?

Lothar Belger: Derzeit haben wir 16 eingetragene Vereine. Dreimal Feuerwehr – in jedem Ortsteil, Kleingartenverein, Billardverein, Familiensportverein, Schützenverein, Heimatverein, DRK, den Förderkreis evangelische Kirche Friedersdorf, den Frauenverein, die Landfrauen Oppelhain, zwei Reitvereine und drei Jugendklubs, die allerdings sind keine eingetragenen Vereine.

Wie funktioniert Ihr „Bildungskomplex“?

Lothar Belger: Wir haben die Grundschule Rückersdorf mit dem Angebot als offene Ganztagsschule und nebenan die Kita mit Hortbetreuung. Diese örtliche Nähe ist von Vorteil. In der Kita werden derzeit 16 Kinder im Krippenbereich bis drei Jahre, 22 Kita-Kinder und 45 Hortkinder betreut. Auch die Arbeitsgemeinschaften der Schule profitieren, weil im Kita-Gebäude das Mehrgenerationenhaus untergebracht ist.

Wie ist es finanziell um die Gemeinde bestellt?

Lothar Belger: Das Defizit war bei meinem Amtsantritt sehr groß. Jetzt sind wir auf einem guten Weg. Wir haben uns auf die Pflichtaufgaben konzentriert. Das heißt: Ich haushalte, als wenn es mein eigenes Geld wäre. Und da geht die Gemeindevertretung mit.

Wofür war Geld da?

Lothar Belger: 2016 haben wir unsere Arbeitsmittel im Bauhof modernisiert, in Oppelhain begonnen, den Friedhofszaun zu erneuern und Pflasterarbeiten an der Sporthalle und der Feuerwehr Rückersdorf begonnen. 2017 ist der 4. Bauabschnitt am Gehweg in Friedersdorf fertig geworden. Der Fußgänger­überweg an der Kita in Rückersdorf wurde erneuert und barrierefrei, vor der Friedhofshalle in Friedersdorf wurde gepflastert. Nach einer Ausschreibung haben wir unseren immerhin schon 20 Jahre alten Multicar gegen ein neues Gemeindefahrzeug getauscht.

Was steht 2018 an?

Lothar Belger: Begonnen wird der Gehweg vom Ober- zum Unterdorf in Rückersdorf. Der Abriss der alten Kita soll beginnen und die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt werden. die Wurzelaufbrüche zwischen Rückersdorf und Fischwasser müssen angepackt werden, und die zwei Bushaltestellen sind nach den neuesten Richtlinien behindertengerecht umzubauen.

Nach Rückersdorf ist in den letzten Jahren auch viel Fördergeld geflossen?

Lothar Belger: Wir hatten mit dem Kita-Umbau und der Turnhallensanierung zwei Millionenprojekte, die zum größten Teil mit Fördermitteln realisiert wurden. Auch für den Kita-Abriss und die Umstellung der Straßenbeleuchtung gibt es Zuschüsse. Da ist das Amt sehr rege und kümmert sich.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Lothar Belger: Die Instandsetzung der Ortsdurchfahrt Rückersdorf Richtung Oppelhain sowie der Ortsdurchfahrten Friedersdorf und Oppelhain – alles Landesstraßen, die als Umleitungsstrecke gelitten haben. Eine Antwort von der Landesregierung war dazu bisher äußerst unbefriedigend. Und schön wäre, wenn die Kommunen finanziell besser ausgestattet würden und nicht immer dem Bürger in die Tasche greifen müssten.

Mit Lothar Belger
sprach Heike Lehmann.

Lothar Belger (64) ist Bürgermeister der Gemeinde Rü-
ckersdorf. Bis 2016 hat er im Amt Elsterland gearbeitet.
Lothar Belger (64) ist Bürgermeister der Gemeinde Rü- ckersdorf. Bis 2016 hat er im Amt Elsterland gearbeitet. FOTO: Heike Lehmann