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Die letzten Mönche von Dobrilugk waren auch nur Menschen

Felix Engel (links) und Johannes Glander während ihres Vortrages in der Klosterkirche.
Felix Engel (links) und Johannes Glander während ihres Vortrages in der Klosterkirche. FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Doberlug-Kirchhain. Vorträge und Ausstellung im Schloss zeigen schleichenden Niedergang des Zisterzienserklosters anhand spannender Schicksale Dobrilugker Geistiger. Jürgen Weser / jgw1

Klostermusik ganz ohne Musik und Gesang gab es am Dienstagabend in der Klosterkirche Dobrilugk. Immerhin wurde in der Veranstaltungsreihe "Klostermusiken und Veranstaltungen" vor dem Hochaltur vor 70 Zuhörern im Duett gesprochen. Felix Engel und Johannes Glander von der Universität Potsdam referierten im Wechsel über "Die Auflösung des Klosters Dobrilugk und Reformationsfeierlichkeiten der Moderne". Sie flankierten so die Sonderausstellung "Die letzten Mönche von Dobrilugk", die im Schloss Doberlug zu sehen ist.

300 Jahre Aufbau und Blütezeit des Dobrilugker Klosters endeten nach Besetzung des Klosters durch Truppen von Kurfürst Johann Friedrich 1541 mit der Säkularisierung im Zuge der Reformation. Allerdings, so machten die Referenten deutlich, war der Niedergang des Klosters ein schleichender Prozess mit vielen Ursachen. Die von Felix Engel und Johannes Glander dazu publizierten wissenschaftlichen Beiträge geben darüber im Detail Auskunft. Schon 1527 führten Auseinandersetzungen mit Gregor Krüger aus Lugau zu Schäden für das Kloster, Wahrenbrück klagte, der papistische Mönch des Klosters solle "seine teuflischen Lehren" unterlassen und wählte einen evangelisch gewordenen Mönch zum Pfarrer. 1531 habe das Kloster seine Steuerfreiheit verloren. Höhepunkt der Krise war, dass Abt Heinrich Monch von Merzkirchen in einer von langer Hand vorbereiteten Aktion das Kloster verließ. Die "Flucht" vom sinkenden Schiff kann kaum geheim abgelaufen sein und muss Mitwisser gehabt haben, legen die Referenten dar. Immerhin nahm der "vorretische diebe" neben vielen religiösen Insignien und Dokumenten auch 150 kg Zinn, Pferde und 40 Kubikmeter (!) Getreide als großen Tross mit. Er und andere Mönche hatten wohl die Zeichen der Zeit erkannt. "Der katholische Klerus begab sich oft gern in die Arme der neuen ‚wahren christlichen' Religion." Außerdem lockte das Weib, das man nun heiraten konnte. Mönche waren auch nur Menschen, die rechtzeitig ihre Ansichten "wendeten" und nach individueller Sicherheit strebten, schmunzeln die Zuhörer mit Blick auf die Geschichte im 20. Jahrhundert. Auch der Rechtsbruch von Abt Heinrich Monch endet im Ergebnis inszenierter Komplotte zwischen Klerus und Adel folgenlos. Man einigt sich auf einen Vergleich. Der Abt gibt Güter zurück und erhält eine lebenslange Rente und mutmaßlich ein Haus in Torgau. Auch hier lässt die Gegenwart grüßen, heißt eine Botschaft des Vortrages. Mehr über das Schicksal weiterer Dobrilugker Mönche zeigt die Ausstellung im Schloss.

An Beispielen machten Engel und Glander deutlich, dass Reformations-Jubelfeiern immer auch politischen Interessen im Sinne des jeweiligen Zeitgeistes dienten. "Eine feste Burg" galt es 1817 zu feiern, 1917 wurden Luther als "deutscher Mann" und die Reformation für Durchhaltewillen vereinnahmt und 1939 als "Kraftstrom für Volk und Vaterland".

Kantoreivorsteher Steffen Engelmann erinnerte daran, wie viele authentische Geschichten die alten Kirchenmauern erlebt haben. Ein musikalisches Schauspiel aus der Geschichte des Klosters Doberlug zeigt die Kantorei gemeinsam mit dem Musizierkreis "Laudate" am 31. August um 19 Uhr in der Klosterkirche. "Nikolaus Thieme - der letzte Mönch von Dobrilugk" heißt es unter Leitung von Kreiskantor Horst Jaeger und Helfried Brauer. Dann wird auch wieder gesungen.