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Die Kurstadt empfängt Extremsportler

Beim Start zur gemeinsamen Radtour von Bad Liebenwerda nach Mühlberg.
Beim Start zur gemeinsamen Radtour von Bad Liebenwerda nach Mühlberg. FOTO: Frank Claus
Bad Liebenwerda. In nur 17 Stunden mit dem Rad aus dem Märkischen Kreis in Nordrhein-Westfalen nach Bad Liebenwerda im Elbe-Elster-Land! Das hat ein Quartett geschafft, das am Freitag in Herscheid gestartet ist und am Samstag gegen 10 Uhr in der brandenburgischen Kurstadt ankam. Für die vier Männer, beruflich als Orthopäde, Automobilkaufmann, Systemelektriker und Fitnesstrainer beschäftigt, war das die erste größere Vorbereitung auf dem Weg zum "Race Across America", bei dem sie im Juni 2019 an den Start gehen wollen. Frank Claus

In der Radfahrszene gilt es als das härteste Radrennen der Welt. In einem vorgeschriebenen Zeitlimit müssen die Einzelstarter und Teams die 4800 Kilometer von der West- zur Ostküste quer durch die Vereinigten Staaten bezwingen. Die Radrennfahrer passieren vier Zeitzonen und zwölf Bundesstaaten. Sie erleben 45 Grad Hitze in der Wüste und Temperaturen um den Gefrierpunkt in den Rocky Mountains. Das Team aus dem Märkischen Kreis (Partnerkreis von Elbe-Elster) will dabei sein und bereitet sich jetzt unter anderem mit dem 550-Kilometer langen "Ritt", den sie auf Hin- und Rückfahrt zu Pfingsten gleich zwei Mal absolvieren, vor.

Für Elbe-Elster-Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) war die Ankunft der Radsportler Grund genug, zu einer Radfahrt für einen guten Zweck einzuladen. Im Vorfeld hatte er bereits Sponsoren um Unterstützung gebeten, um eine schöne Summe zusammenzubekommen. 50 Radler sind mit ihm von Bad Liebenwerda über Wahrenbrück, Saxdorf, Martinskirchen bis nach Mühlberg und zurück auf Tour gegangen. Es wurde eine Tour durch eine wunderschöne Landschaft, wie das "RAAM-Team" aus Herscheid mehrfach lobte. Und eine mit vielen Höhepunkten. In Bad Liebenwerda erzählten Bürgermeister Thomas Richter und Stadtführerin Hannelore Engelmann von den Besuchen Martin Luthers und der Entwicklung der Kurstadt, in Wahrenbrück berichtete Bürgermeister Andreas Claus stolz, dass die Stadt Geburtsstadt der namhaften Komponisten-Gebrüder Graun ist, und die Vorsitzende des Heimatvereins, Kornelia Pötsch, machte auf das bevorstehende Fest "1000 Jahre Brücken" über die Schwarze und Kleine Elster aufmerksam. Saxdorfs Pfarrgarten steht gegenwärtig in voller Rosenpracht. Pfarrer Karl-Heinz Zahn führte durch das grünende und blühende Kleinod. Dass Schloss Martinskirchen mit dem Marmorsaal darauf wartet, aus dem Dornröschenschlaf erweckt zu werden, erzählte Simone Mägel vom Förderverein und bat mit einem Schmunzeln im Gesicht darum, Kaufangebote abzugeben.

Ein kurzer, aber heftiger Regenschauer erwischte die Fahrer dann auf dem Weg von Martinskirchen an der Elbe bei Stehla entlang nach Mühlberg. In der Elbestadt nahmen sich vor allem die Sportler aus dem Märkischen Kreis einiges an Zeit, um sich in die für die Reformation so bedeutsame Schlacht von Mühlberg einführen zu lassen. Bürgermeisterin Hannelore Brendel ließ es sich nicht nehmen, im knallgelben Trikot mit der Aufschrift Route 66 - angelehnt an die eigene Landstraße mit diesen Ziffern - die Radfahrer bis an die Stadtgrenze zu begleiten.

Ohne Unterbrechung ging es dann zurück nach Bad Liebenwerda, wo Landrat Christian Heinrich-Jaschinski zuerst den Organisatoren der Fahrt, Susanne Dobs und Andreas Pöschl, für die gute Vorbereitung dankte und schließlich an den Onkologen Dr. Stephan Kreher einen Scheck in Höhe von 750 Euro für den Verein HausLeben übergab. Dieser kümmert sich um Patienten mit Krebserkrankungen und deren Angehörige.

Am Pfingstsonntag sind die Sportler aus dem Märkischen Kreis kurz vor 9 Uhr bei Dauerregen wieder in Bad Liebenwerda Richtung Heimat gestartet. Bereits gegen 11 Uhr gab es in einer Kurve "die Straße ist wie Schmierseite", so Teammitglied Julian Becker, einen Sturz. Doch der Fahrer konnte mit Schürfwunden später weiterfahren. Schließlich hörte es im Westen auch auf zu regnen. Genau 1.10 Uhr ist das Team komplett wieder in Herscheid angekommen und postete danach in den sozialen Medien: "Vielen Dank für die herzliche Aufnahme in Elbe-Elster. Wir sind ja fast wie Promis behandelt worden. Danke!"