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| 18:39 Uhr

Die gar nicht so verflixte Klassik

Felix Reuter führt charmant durch etwa 300 Jahre Musikgeschichte.
Felix Reuter führt charmant durch etwa 300 Jahre Musikgeschichte. FOTO: Matthias Eimer
Bad Liebenwerda. Es war kürzlich zu erleben in Finsterwalde. Felix Reuter sitzt am Flügel und spielt Klassik.Nur einen Bruchteil später klingt alles ganz anders. Zuerst jazzig, später rockig. Dann wandelt er wieder sein Spiel und es ist wieder Klassik. Unglaublich. Die Zuhörer sind völlig überrascht. Wenig später gibt es donnernden Applaus. Frank Claus

Und schon am nächsten Tag bestellen gleich 30 Leute Karten für das Konzert mit dem 43-jährigen Felix Reuter am 9. Februar im Bürgerhaus in Bad Liebenwerda. Im Rahmen einer Kulturreihe der Sparkasse Elbe-Elster gastiert der Thüringer, der sich auf seiner Internetseite als Pianist, Musikkomödiant, Improvisationskünstler und Entertainer bezeichnet, in der Kurstadt. Und er sagt: "In Finsterwalde hatte ich doch nur einen ganz kurzen Auftritt. Schön, dass der trotzdem gleich zu solchen Effekten geführt hat."

Doch was steckt dahinter, wenn eine große überregionale Tageszeitung den Künstler mit den Worten adelt: "So haben Sie Klassik noch nie gehört!"?

Für Felix Reuter ist es die Art, wie er Menschen in die Welt der ernsten Muse führt. "Jeder kennt das doch. Noch ein Takt und noch zwei und noch ein Schluss dazu. Beethoven halt. Ich übertreibe das gnadenlos, löse Schmunzeln aus und wecke so Interesse für Klassik", sagt er.

Auch, weil er charmant durch etwa 300 Jahre Musikgeschichte führt. Wieder kommt Beethoven ins Spiel, und seine "Elise". Felix Reuter weiß es ganz genau: "Wenn ich die ersten Töne anspiele, kennt sie jeder. Ob jeder weiß, dass Beethoven der Urheber ist oder sie Richard Clayderman zugeordnet werden, sei dahingestellt."

Auf furiose Art wird er auch in Bad Liebenwerda die Verwandtschaft zwischen Bach und Jazz spielerisch erklären. "Wenn ich bei polyfonen eigenständigen Melodien nur die Betonung ändere, dann ist es Jazz", sagt er und beschreibt, wie er auch Klassik vermittelt.

So ordnet er Mozart schon mal Rock 'n' Roll zu und zeigt auf, wie Beethoven, Mozart und Rachmaninow vermutlich "Alle meine Entchen" gespielt hätten. Seine Zuhörer seien baff erstaunt, wenn er wie in einem Wunschkonzert nach Vorschlägen seiner Zuhörer Klassik neu erfindet.

Für den einstigen Musikschüler, späteren Weimarer Studenten, Musikpädagogen und Konzertpianisten haben seine Programme nur ein Ziel: Aufzuzeigen, dass Klassik keineswegs verstaubt ist. "Es gibt Evergreens, die jeder mitpfeifen kann und die jeder plötzlich in völlig anderen Werken wiederentdecken kann." Er möchte auch Unterhalter sein, berichtet von Episoden der Musikgeschichte, den Vorlieben und Macken der Stars längst vergangener Zeiten.

Ob er Botschafter für die Klassik ist? "Ich würde das selber nie von mir behaupten. Wenn die Zuhörer das so empfinden und weitertragen, ist es schön", sagt er und untertreibt.

Auf die Frage, welche Reaktionen er auf seine Konzerte erfahre, erzählt er von Menschen, die ihm berichtet hätten, dass sie nach seinem Konzert wieder ins Theater gegangen seien. "Mehrere haben mir sogar geschrieben, dass sie wieder begonnen hätten, Klavier zu spielen."

"Die verflixte Klassik", 9. Februar, 19.30 Uhr Bürgerhaus Bad Liebenwerda, musikalisches Kabarett, 25 Euro.

www.spk-elbe-elster.de

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