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| 19:04 Uhr

Elsterwerda
Die fleißige Biene alleine ist machtlos

Dr. Melanie von Orlow hier im Gespräch mit Peter Grafe (links) sowie Heike und Nico George.
Dr. Melanie von Orlow hier im Gespräch mit Peter Grafe (links) sowie Heike und Nico George. FOTO: Mirko Sattler
Elsterwerda. Imker im Elbe-Elster-Land wissen sich mit vielen Problemen zu arrangieren. Die größte Baustelle ist nicht die Milbe. Von Mirko Sattler

Bienen sind in der Natur  unverzichtbar.  Neben anderen Insekten sind sie für die Bestäubung unter anderem für die Obstbäume zuständig. In einem Vortrag von Dr. Melanie von Orlow bekamen Imker aus der Region am Sonntagvormittag in Elsterwerda Wissenswertes zum Thema „Natürlich imkern in Großraumbeuten“ zu erfahren. „Frau Orlow erzählt den eingeladenen Imkern, was man in der Imkerei noch optimieren kann. Vor allem  erklärt sie die Imkerei mit nur einem Brutraum“, weiß Heike George. Zusammen mit ihrem  Sohn Nico betreibt sie einen Imkerhandel in der Elsterstadt und führt hobbymäßig 60 Bienenvölker.

Doch wie sieht es mit den Bienen in unserer Region aus? Haben einige Imker aus dem Elbe-Elster-Land keine oder sehr wenige Probleme? Gibt es Imker, die mit Krankheiten zu kämpfen haben? Erwin Jensch vom Imkerverein aus Sonnewalde kann sich da etwas zurücklehnen. „Bei uns im Verein sieht es derzeit gut aus. Gut 20 Prozent  der Bienen gehen ja immer verloren. Das liegt nicht immer an einer Krankheit“, weiß der erfahrene Imker, der seit 1957 imkert. Hat er einst mit zwei Völkern angefangen, so hat er jetzt 15 Völker plus vier zur Reserve. Dadurch ist es ihm möglich, auch anderen Imkern zu helfen. „Einem Nachwuchsimker sind zwei Völker verloren gegangen. Durch meine Reserve konnte ich ihm helfen. Krankheiten werden  vor allem dann übertragen, wenn Völker aus unkontrolliertem Bestand erworben werden oder sich Bienen verirren“, meint der 78-Jährige, der gute Erfahrungen mit dem Landwirtschaftsbetrieb in seiner  Nachbarschaft  gemacht hat. Imker in der Region um Sonnewalde werden frühzeitig vom Agrarbetrieb über anstehende Spritzmaßnahmen unterrichtet.

Probleme mit der Varroamilbe haben dagegen Imker um Bad Liebenwerda. Diese 1,1 Millimeter lange und 1,6 Millimeter breite Milbe aus der Familie Varroidae, die als Parasit an Honigbienen lebt, entwickelt und vermehrt sich im Bienenstock und schädigt so die Bienenbrut. „Durch diese Milbe entstehen verkrüppelte Bienen, die flugunfähig  und damit nicht lebensfähig sind. Diese Problem haben alle Imker. Behandeln kann man sie unter anderem mit Ameisensäure, doch zu 100 Prozent abtöten kann man die Milbe damit nicht“, verrät Horst König. Der 66-Jährige ist Vorsitzender des Imkervereins Bad Liebenwerda und Umgebung und  hat schon von klein auf mit Bienen zu tun. „Heute habe ich acht Bienenvölker.  Erinnern kann ich mich noch, dass meine Eltern und Großeltern  damals 15 bis 20 Bienenvölker hatten. Wurde zu DDR-Zeiten unser Honig von einer zentralen Stelle aufgekauft und gut bezahlt, so fiel das mit der Wende weg. Heute muss der Honig selbst vermarktet werden“, so der Imker.

Der gelernte Imker Peter Grafe aus Prösen erklärt ein weiteres Problem: „Mehr Sorgen als die Milbe, die durch Medikamente eingedämmt werden kann,  bereitet mir die Natur. So zum Beispiel der Baumschnitt in der Merzdorfer Straße in Elsterwerda. Beim Fällen sieht man viele, doch beim Nachpflanzen keinen. Jeder Schnitt, der höher als 4,50 Meter gemacht wird, ist Frevel an der Natur. Wenn immer der unterste Ast entfernt wird, stehen bald nur noch  Bohnenstangen an den Straßenrändern. Dadurch ist der biologische Kreislauf gestört und die Existenzgrundlage zum Beispiel für Bienen oder Vögel ist genommen.“ Auch das aktuelle Wetter sei nicht optimal für Bienen. War es vor etwas mehr als einer Woche schon frühlingshaft warm und die Bienen sind ausgeflogen, so finden sie nun durch den Schnee und Kälte keine Nahrung.

  Im Prösener Verein sind zwölf Imker mit insgesamt 200 Völkern organisiert. Hat ein Bienenvolk in den Wintermonaten  zwischen acht und 10 000 Bienen, so erhöht sich deren Anzahl auf 100 000 Bienen in den Sommermonaten. Besonders beliebt bei Honigkäufern in Elbe-Elster sind übrigens der Raps-, Linden-, Sonnenblumen- und Rubinienhonig.