ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:04 Uhr

Nach millimetergenauer Restauration
Die erste Trauung unter einem atemberaubenden Kunstwerk

Christin, geb. Stanicki (27) und Rico Forbrig (31) aus Gröden waren am Freitag das erste Paar, das sich unter dem atemberaubenden Himmel der in den vergangenen Wochen restaurierten Einzelkunstwerke in der Dorfkirche von Gröden das Ja-Wort gegeben hat.
Christin, geb. Stanicki (27) und Rico Forbrig (31) aus Gröden waren am Freitag das erste Paar, das sich unter dem atemberaubenden Himmel der in den vergangenen Wochen restaurierten Einzelkunstwerke in der Dorfkirche von Gröden das Ja-Wort gegeben hat. FOTO: Veit Rösler
Gröden. Bis kurz vor dem Ja-Wort stand über dem Altar der Grödener Kirche noch eine Rüstung. Von Veit Rösler

Ein Brautpaar, deren Trauzeugen und die Hochzeitsgesellschaft gehörten am Freitagnachmittag zu den ersten Menschen, die seit langem ein verborgenes Kunstwerk wieder zu Gesicht bekamen. Christin, geb. Stanicki (27) und Rico Forbrig (31) aus Gröden waren am Freitag das erste Paar, das sich unter dem atemberaubenden Himmel der in den vergangenen Wochen restaurierten Einzelkunstwerke in der Dorfkirche von Gröden das Ja-Wort gegeben hat. In der gleichen Zeremonie ist auch Sohn Oscar (1) gleich noch das erste Kind, das seit über 160 Jahren unter den nun wieder freigelegten kostbaren Malereien seine Taufe erhielt.

Christin und Rico Forbrig haben sich vor zehn Jahren im Freundeskreis kennengelernt. Da Christin selbst getauft und konfirmiert worden ist, war für sie klar, dass sie eines Tages kirchlich heiraten wird. Bis zur Trauung hatten auch die beiden nun frisch Vermählten die restaurierten Malereien noch nicht gesehen. „Ich hätte nie gedacht, was sich hier in der Grödener Kirche unter der alten Farbschicht verbirgt“, sagte der ordinierte Prädikant René Herrmann, der die Trauungs- und Taufzeremonie durchführte.

Die heutige Sankt-Martins-Kirche wurde laut des Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates Dr. Sebastian Rick erstmals im Jahr 1378 schriftlich erwähnt und seither mehrfach umgebaut. Die barocke Malerei, die mutmaßlich Maler Christian Schilling zugeschrieben wird, ist von den Restauratoren auf um 1701 bis 1704 datiert worden. Der vermutlich um das Jahr 1850 aufgetragenen Übertünchung ist es zu verdanken, dass die Malereien bis heute unter der üppigen Farbschicht erhalten geblieben sind. Allerdings muss in solchen durchaus nicht seltenen Fällen die jüngere Farbschicht mit absoluter Präzision vorsichtig abgekratzt werden.

Bei der seit einigen Wochen durchgeführten Sanierung sollten eigentlich nur ein paar Sondierungsschnitte ausgeführt und der Innenraum danach weiß gestrichen werden. Die zutage getretenen Mosaiksteinchen ließen jedoch weitaus mehr erwarten, so dass man sich für die Ausdehnung der Schatzsuche unter der alten Farbschicht entschied. Millimeter für Millimeter legten die Restauratoren Evelin Waldmann und Ralf Schirrwagen die alten Kostbarkeiten frei. So kamen nach und nach der Himmel und seine Gestirne zum Vorschein, die Sonne und auch der Nachthimmel mit Mond und Sternen. Auch auf dem Triumphbogen zwischen Chor und Schiff entwickelten sich die freigelegten Mosaiksteinchen zu Schriftkartuschen mit Bibelsprüchen und einem Wolkenband mit Schriftfeld.

Aus den zunächst veranschlagten 30 000 Euro wurden am Ende insgesamt 75 000 Euro Sanierungskosten. Damit ist aber noch kein Ende der Restaurierungsarbeiten in Sicht. Für die Hochzeitsgäste nicht sichtbar, verbirgt sich hinter dem Altar eine weitere Sondierungsuntersuchung und die lässt schon jetzt weitere Schätze erahnen. „Wir wollen versuchen, auch diese noch unerschlossenen Stellen eines Tages zu restaurieren und die Mittel dafür aufzubringen. Vermutlich stecken Malereien auch noch unter der Holzdecke des Altarraumes“, blickt der ordinierte Prädikant René Herrmann in die Zukunft.