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Handwerk
Die drei Weisen warten schon auf den Stern

Die drei Weisen werden Töpfermeisterin Anett Lück in Hohenleipisch neue Erkenntnisse bringen.
Die drei Weisen werden Töpfermeisterin Anett Lück in Hohenleipisch neue Erkenntnisse bringen. FOTO: vrs1 / Veit Rösler
Hohenleipisch. In der Töpferstube von Töpfermeisterin Anett Lück (52) in Hohenleipisch hat der Endspurt auf das Weihnachtsfest längst begonnen.

In der Töpferei Lück sind in diesem Jahr die „Heiligen Drei Könige“ oder die „Weisen aus dem Morgenland“ aus dem Matthäus-Evangelium entstanden. Nur der Stern von Bethlehem fehlt noch.

Die 72 Zentimeter hohen Figuren mit einem Gewicht von etwa 20 Kilogramm sind eigentlich Versuchsmuster, um verschiedene Produktionsmechanismen und  Tonsorten auszutesten. Insgesamt zehn verschiedene Tone, die über einen Großhandel von Vorkommen aus der ganzen Welt bezogen werden, stehen hier zur Bearbeitung an. Heimischer Ton und Lehm wird nur noch sehr selten verwendet. Diese Vorkommen haben Hohenleipisch einst zu einer Hochburg mit insgesamt 22 Töpfereien und 16 Ziegeleien gemacht. In dem Gebäude der heutigen Töpferei Lück wird seit 130 Jahren getöpfert. Die Herstellung derart großer Figuren ist immer eine Herausforderung. Beim Brennvorgang schrumpft der Ton um etwa 15 Prozent, was in den unterschiedlichen Wandstärken und Anbauteilen zu unberechenbarer Rissbildung führen kann. Bei Auftragsarbeiten in dieser Größenordnung werden daher generell mehr Figuren hergestellt. Nach einer mehrwöchigen Trocknung und einem Vorbrand bei 950 Grad erfolgt das Glasieren und der Glasurbrand bei 1300 Grad. Wenn sie nicht herunterfallen oder anderweitig mechanisch zerstört werden, kann so eine gebrannte Tonfigur durchaus mehrere tausend Jahre überstehen. Mindestens fünf Wochen dauert der gesamte Produktionsprozess solcher Unikate. „So etwas kann man nur als Herbst- und Winterarbeit herstellen. Weil ich dabei meist in Weihnachtsstimmung bin, entstehen immer mal wieder biblische Figuren“, meint Anett Lück. In mehreren Etappen steckt etwa eine Woche Handarbeit in jeder Figur.

Nach dem Hochziehen eines innen hohlen Rohlings werden die gestalterischen Elemente anmodelliert. Die komplizierten und filigranen Arbeiten sorgen durch ihre unterschiedliche Materialstärke und Konsistenz immer wieder für Probleme. In solchen Versuchen muss daher die Machbarkeit von Material, Wandstärke und Zeitabläufen ausgetestet werden. Bis zu 150 Zentimeter große Gartenfiguren sind mit den so gewonnenen Erfahrungswerten möglich.

Und so sorgen Caspar, Melchior und Balthasar auch für Weisheit bei ihrer Schöpferin.

(vrs)