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Die "Dorfzentrale" muss umziehen

Beim Umräumen und beim Abbau und Aufbau der Regale für den Dorfladen in Kraupa helfen die Mitglieder des Bürgervereins kräftig mit.
Beim Umräumen und beim Abbau und Aufbau der Regale für den Dorfladen in Kraupa helfen die Mitglieder des Bürgervereins kräftig mit. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Kraupa. Die Hülle des Dorfgemeinschaftshauses in der Mitte des Elsterwerdaer Ortsteils Kraupa leuchtet in einem schönen Orange. Doch hinter der Kulisse sieht es aus wie auf einer Baustelle. Mirko Sattler / sam1

Und eine weitere kommt derzeit dazu. Die Verkaufstelle des Ortes muss nämlich zeitweise umziehen.

Die Räumlichkeiten des Dorfladens von Petra Timmel sollen saniert werden. "Die rund 60 Quadratmeter große Verkaufsstelle wird noch im September neue Elektroleitungen, neuen Putz sowie eine neue Heizung bekommen", so Thomas Gehre vom Bürgerverein. Er und weitere acht Helfer des 45-köpfigen Bürgervereines haben am vergangenen Samstag der Dorfladenbesitzerin geholfen, die Waren aus der Verkaufsstelle in die nur wenige Meter entfernt gelegene Ausweichverkaufsstelle zu bringen. "Nach dem Rückzug des Ladens soll dann im Dorfgemeinschaftshaus einmal eine Seniorenbegegnungsstätte entstehen", weiß der Schatzmeister des Bürgervereins. Doch erst einmal hieß es, Konserven, Kekstüten, Wein und andere Artikel auszuräumen, die Regale abzubauen und im neuen Raum, der etwas kleiner ist, wieder aufbauen.

"Ich habe von jedem etwas. Die Leute im Dorf brauchen es ja. Hoffentlich passen alle Artikel hier in den neuen Raum rein", meint Verkaufsstellenleiterin Petra Timmel. Die 59-Jährige ist froh, dass sich das Ausweichquartier im selben Gebäude befindet. "Sonst wäre der Aufwand noch viel größer", sagt sie.

Dass die Bürger des Ortes der Ladeninhaberin helfen, war klar. Schließlich profitieren sie auch von der Verkaufstelle. "Hier ist der Dorfmittelpunkt. Im Laden erfährst du immer etwas Neues aus dem Dorf. Hier ist sozusagen die Ortspresse zu Hause", lacht Frank Peschel, während er ein Metallregal nach dem anderen auseinandernimmt. Der 55-Jährige erinnert sich, dass sich an selbiger Stelle schon immer ein "Tante Emma Laden" sich befunden hat. "Erst hatte die HO den Laden gehabt, später der Konsum. Seit 60 Jahren ist hier eine Verkaufsstelle drin", erzählt das Vereinsmitglied und Trainer der Kindermannschaft des Tischtennisvereines. Seine Tischtenniskinder holen sich vor dem Training immer noch einen kleinen Snack bei Petra Timmel.

Auch für Mirko Engelmann, der ebenfalls tatkräftig mit anpackt, ist der Laden ganz wichtig. "Wenn man etwas braucht, muss man nicht gleich in die Stadt fahren. Gerade für unsere älteren Bürger ist das gut. Ich persönlich gehe regelmäßig hier einkaufen. Einerseits hängen hier Werbeplakate von Veranstaltungen im Ort, andererseits erfährt man immer etwas Neues. Hier lebt der Klatsch und Tratsch", verrät der 37-Jährige.

Kaum stehen die Regale im neuen Raum, macht sich Petra Timmel daran, die in Kisten und Körbe eingepackten Waren wieder einzuräumen. Schließlich soll Montagfrüh um 7 Uhr der "Tante Emma Laden" wieder für die Kraupaer Bürger zur Verfügung stehen. Das Geschäft wird von Jung und Alt angenommen. Doch keiner möchte daran denken, was passiert, wenn Ladenbesitzerin Petra Timmel einmal in Rente geht.

"Bisher habe ich noch keinen Nachfolger. Es ist auch schwer, jemanden zu finden. Wenn, dann würde ich in zwei bis drei Jahren aufhören und an meinen Nachfolger übergeben. Wenn nicht, dann stirbt wohl ein Stückchen Dorfgeschichte", sagte die 59-jährige etwas traurig.

Noch in diesem Jahr soll der erste Bauabschnitt mit dem Umbau der Verkaufsstelle abgeschlossen sein. "Im oberen Geschoss sollen unter anderem Vereinsräume, ein Lesesaal, für den heute schon über 1000 Bücher bereitstehen, eine Kinderküche sowie ein Gymnastikraum entstehen", zeigt sich Thomas Gehre zuversichtlich.