Der Bürgerkrieg in Syrien hat Jamal viel genommen. Bei einem Bombenangriff hat er sein Augenlicht verloren, sein Zuhause liegt in Schutt und Asche. Allein kann er fast nichts mehr bewerkstelligen. Seine Mutter ist immer an seiner Seite. Dennoch ist Jamal voller Hoffnung, seit er im Mai in Deutschland angekommen ist. "Hier haben meine Familie und ich eine Chance", sagt der 29-Jährige. "Nur in Deutschland kann ich noch arbeiten."

Diese Möglichkeit sah Jamal in keinem anderen Land. Seine Flucht aus Syrien führte ihn zunächst über die Türkei nach Bulgarien. Dort wurde er Opfer einer Schlepperbande und musste bis zum Asyl im Gefängnis warten. Zum Überleben erhielt die Familie danach einen Euro pro Tag. "Es war zu hart. Wir konnten dort nicht bleiben", erzählt er. Als Blinder hatte Jamal keine Aussicht, in dem Land je eine Arbeit zu finden. "Ich habe versucht, die Sprache zu lernen, aber wir wurden nicht unterstützt." Also zog die Familie in der Hoffnung auf Besserung weiter. Ihr Weg führte sie über Griechenland und Frankreich schließlich nach Deutschland.

Seit ihrer Ankunft lernt die ganze Familie fleißig die deutsche Sprache. Jamal besucht seit November täglich einen Sprachkurs. Doch es fällt ihm nicht einfach. "Die Grammatik und die Anordnung der Wörter im Satz sind schwer", erzählt er in einem Mix aus deutsch und englisch. "Aber ich lerne gerne und mag den Klang der Sprache."

Besonders begeistert ist er von den Wörtern "Straße" und "reparieren", denn das rollende "r" ist neu für den Syrier. Nach seinen Stunden in der Volkshochschule wiederholt er die Übungen noch einmal zu Hause. Seinen Kindern falle es leichter, die Sprache zu lernen. "Manchmal bin ich richtig geschockt, was für Wörter mein Sohn schon kennt", gesteht Jamal. "Dann frage ich ihn direkt, was er da genau gesagt hat."

Der Sprachkurs ist Jamal wichtig, denn er will sich integrieren. "Nur wenn ich die Leute sehr gut verstehe und auch antworten kann, finde ich eine Arbeit", weiß der 29-Jährige. In seiner Heimat hat er als Musiker sein Geld verdient. Hier würde er gerne diesen Beruf wieder aufnehmen, oder als Computerspezialist arbeiten. "Ich habe ein gutes technisches Verständnis, aber ich denke, als Musiker bin ich besser", so Jamal. Auf seiner Gitarre spielt er besonders gern arabische Balladen und klassische Musik aus der ganzen Welt. Sein Lieblingsmusiker ist John Williams.

"Jamal ist noch ein wenig zu optimistisch", sagt Günter Zimmermann. Er und seine Frau Sabine haben sich der Flüchtlingsfamilie angenommen. "Es wird nicht leicht, für ihn Arbeit zu finden", so Günther Zimmermann, "aber er ist ein Ausnahmeblinder mit einem großen Willen, und wenn es einer schafft, dann er." Damit Jamal mit seiner Familie in Deutschland bleiben kann, hat der Elsterwerdaer eine Petition mit Unterschriften, darunter auch von Bürgermeister Dieter Herrchen, erarbeitet. "Allerdings fühlt sich keine Behörde zuständig für meinen Antrag", erzählt er. Im Ernstfall will er sich daher persönlich an die Härtefallkommission wenden.

Da die Frau von Jamal vor wenigen Tagen ihr drittes Kind Abdullah entbunden hat, hat die Familie eine Aufenthaltsberechtigung bis Juli. "Bis dahin haben wir erst einmal Sicherheit", sagt Sabine Zimmermann. Danach müssen sie wieder alle sechs Wochen bangen. "Ich werde alles versuchen und kämpfen, damit meine Familie in Deutschland bleiben kann", sagt Jamal.

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Wo und wie werden Flüchtlinge untergebracht?Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in der Erstaufnahmeeinrichtung werden die Flüchtlinge nach einem festgelegten Schlüssel einer bestimmten Stadt oder einem Landkreis zugewiesen. Für die Unterbringung von Flüchtlingen im Landkreis Elbe-Elster stehen einerseits die Übergangswohnheime mit etwa 146 Plätzen in Hohenleipisch und mit 57 Plätzen in Herzberg zur Verfügung. Andererseits sind auch Flüchtlinge, vor allem Familien mit ihren Kindern, in Wohnungen untergebracht. Im Wohnungsverbund Finsterwalde/Schacksdorf beträgt die Kapazität 118 Plätze und im Wohnungsverbund Elsterwerda können 35 Personen untergebracht werden.