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| 02:37 Uhr

Deutschunterricht einmal anders - Literatur ungezwungen erleben

Udo Tiffert zu Besuch am Elsterschloss-Gymnasium.
Udo Tiffert zu Besuch am Elsterschloss-Gymnasium. FOTO: Zeidler
Elsterwerda. Eine etwas andere Deutschstunde erlebten gestern die Schüler vom Elsterschloss-Gymnasium in Elsterwerda. "Heute geht es einmal nicht um Interpretationen, Analysen oder Erörterungen und wir schreiben auch keine Klausur", eröffnet Deutschlehrer Gerald Zerbian die Stunde. mcz Foto: Zeidler Foto: Zeidler

"Heute wollen wir Literatur einmal ungezwungen und frei auf uns wirken lassen".

Dafür verwandelte der reisende Schriftsteller Udo Tiffert das Klassenzimmer in eine Lesebühne. Den Anfang bildete ein Auszug aus seinem Buch "Zaun zum Aufstützen. Die Lausitz-Geschichten". "Der Wolf ist nach Deutschland zurückgekehrt. Sie mögen sagen: er war doch nie fort. Aber ich rede vom Tierreich. Wolfsmensch ist etwas anderes als Wolfstier", liest Udo Tiffert und lobt im nächsten Atemzug den Mangel an Political Correctness bei den Wölfen. Schließlich dezimieren sie endlich das Rotwild, während der Jäger mit seinem Flachmann auf dem Hochstand schläft. "Die Wölfe fressen Kranke und Behinderte zuerst. Das klingt hart, ist es auch, andererseits bringt man im Tierreich niemanden um, weil er auf einem Ölfeld grast oder wohnt", so Udo Tiffert.

Seine Geschichten verbindet ein leiser Humor, oftmals blickt er dabei auf sein Leben zurück. "Mit dem Alter vergisst man", weiß Udo Tiffert. "Vorher will ich noch so viel wie möglich festhalten, bevor es ganz weg ist."

So schildert er lustige und traurige Dinge aus seiner Zeit in der Schule, erklärt, warum das Mammut lachte, wie er trotz Erziehung und Bildung zur Kultur fand, und schaut sich einmal Sportlergehälter genauer an. "Handballer verdienen weniger. Klar. Sie nehmen den Ball ja auch in die Hand", pointiert Udo Tiffert.

In all seinen Texten nimmt der Oberlausitzer kein Blatt vor den Mund und schlägt eine Brücke zu aktuellen Problemen. "Deutschland ist ein reiches Land", so Tiffert. "Aber wir haben derzeit noch einige Probleme mit der Verteilung des Reichtums".

Gerade diese Gesellschaftskritik hat Bjarne besonders gut gefallen. "Seine Worte sind leicht zu verstehen und er spricht Probleme an, die mich selbst interessieren", sagt Zehntklässler. Katharina ist ebenfalls von der Lesung begeistert. "Ich fand seine Geschichten sehr anregend. Es war eine neue Erfahrung", so die Zwölftklässlerin. Udo Tiffert hat bei ihr das Interesse an Lesebühnen geweckt. Auch Lehrer Gerald Zerbian hat die Lesung inspiriert und zum Nachdenken angeregt. "Diese Stunde hat verdeutlich, dass Literatur mit Gesellschaft, Leben und Biografie spielt."