ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:49 Uhr

Deutsch als Ticket für die Zukunft

Ehrenamtliches Engagement: Kerstin Schenkel gibt Deutschunterricht. Auch eine albanische Mutter und ihr Sohn sind dabei.
Ehrenamtliches Engagement: Kerstin Schenkel gibt Deutschunterricht. Auch eine albanische Mutter und ihr Sohn sind dabei. FOTO: ahu
Elsterwerda. Es sind Menschen verschiedener Nationen von Jung bis Alt, allein oder mit Familie. So unterschiedlich sie sind, verfolgen sie ein Ziel: Deutsch lernen. Kerstin Schenkel vom Verein "Freiraum" unterrichtet seit wenigen Wochen Flüchtlinge in Elsterwerda. Anja Hummel

Alma ist Kindergärtnerin und Aldi möchte Chemie studieren. Sein Sitznachbar wiederum will gern als Informatiker arbeiten, und der schüchterne Mann aus Afghanistan ist gelernter Elektriker. Wie die Asylsuchenden das und noch viel mehr auf Deutsch sagen können, lernen sie von Kerstin Schenkel. Die Vorsitzende des Freiraum-Vereins, der sich für das interkulturelle Miteinander engagiert, gibt seit Anfang August zweimal pro Woche Deutschunterricht für Flüchtlinge in Elsterwerda. Bei schönem Wetter, so wie in dieser Woche, werden die Stühle kurzerhand auf die Wiese neben der Unterkunft in der August-Bebel-Straße gestellt. Gut 20 Kinder und Erwachsene wollen dieses Mal alles zum Thema Berufe lernen. "Sie sind sehr motiviert und würden gern noch schneller Deutsch lernen", sagt die 46-Jährige. Aber nicht immer sei das so einfach. "Manche müssen erst das Alphabet lernen, andere sind schon viel weiter. Das Niveau ist sehr unterschiedlich", sagt Kerstin Schenkel. "Deshalb wäre es toll, wenn wir noch andere, sich vielleicht im Ruhestand befindende Lehrer hätten, um unterschiedliche Kurse anzubieten."

Bis dahin steht die selbstständige Friseurmeisterin erst einmal alleine neben Tafel und Pinnwand, ausgerüstet mit Vokabelkarten und Wörterbüchern zum Übersetzen. Die Vorbereitungen macht sie in Eigenregie. "Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Deshalb muss ich oft improvisieren und gehe spontan auf die Interessen der Asylsuchenden ein", erklärt sie. Wie ein Arztbesuch gemeistert werden kann oder die Mülltrennung funktioniert, das interessiere die Flüchtlinge. Alltagsprobleme halt, wie Kerstin Schenkel sagt.

Unter den eifrigen Deutschlernern ist auch Moas Alsajd aus Syrien. Der 22-Jährige kann seine Motivation sofort begründen: "Die Sprache ist wichtig für den Kontakt zu den Menschen", sagt er. Mühe gebe er sich, wenn er auf Elsterwerdas Straßen unterwegs ist, lächelt stets die Anwohner an und sagt immer Hallo. "Es gibt viele Leute, die auch sehr freundlich sind", sagt er. Aber es seien eben nicht alle. Nicht der einzige Grund für ihn, Deutsch zu lernen. Sein Traum ist ein Studium zum Chemieingenieur. Gleichzeitig will er arbeiten gehen. "Viele Leute denken, wir wollen nicht arbeiten. Das ist falsch. Wir dürfen es einfach nicht. Wir sind nicht glücklich darüber, dass wir einfach so Geld bekommen", sagt der junge Mann, der vor vier Jahren sein Heimatland über Jordanien verlassen hat. So wie Moas hat jeder der Deutschlernenden seine eigene Geschichte. Was ihnen aber gemein ist, ist ihr Wille, die Sprache zu lernen.

Kerstin Schenkel verrät, dass es vielleicht bald schon eine neue Räumlichkeit dafür geben wird. "Es ist ein neues Begegnungszentrum geplant, gegenüber vom Krankenhaus in Elsterwerda." Die Fördermittel für die laufenden Kosten seien beantragt und es ist möglich, dass die Begegnungsräume schon ab September beziehbar sind. "Dort können wir verschiedene Workshops anbieten, Deutsch unterrichten oder einfach nur zusammen sein. Die Möbel könnten wir alle selbst bauen", stellt sich Kerstin Schenkel die gemeinsamen zukünftigen Aktivitäten vor.

Das nächste Freiraum-Treffen findet am Dienstag, 1. September, um 19 Uhr in der August-Bebel-Straße 16 statt. Jeder, der helfen möchte, ist willkommen.