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| 02:39 Uhr

Der Wanderfalke – ein seltener Gast

Beim Füttern über die Schulter geschaut – Torsten Pawlack, Mitarbeiter in der Greifvogelstation in Oppelhain, zeigt schon mal die Termine dieses Jahres.
Beim Füttern über die Schulter geschaut – Torsten Pawlack, Mitarbeiter in der Greifvogelstation in Oppelhain, zeigt schon mal die Termine dieses Jahres. FOTO: Mona Claus/mcl1
Oppelhain. Das Jahr ist nur wenige Tage alt, schon ist der zweite unfreiwillige Patient in der Greifvogelstation an der Oppelhainer Pechhütte zu Gast. Es ist ein Wanderfalke. Mona Claus / mcl1

Der Wanderfalke ist am Herzberger Busbahnhof verletzt aufgefunden worden und nach seiner Operation auf dem Weg der Besserung. Seine Box darf der Neuzugang allerdings noch nicht verlassen. "Dazu muss die Wunde erst vernarben", erklärt Falko Göbert. Weil der Patient schon recht ordentlichen Appetit aufweist, ist der Stationsleiter des Oppelhainer Greifvogel-"Krankenhauses" zuversichtlich, dass er schnell wieder gesund wird. Der verletzt zu Jahresbeginn bei Schadewitz aufgefundene Seeadler, der sogar überregional die Presse interessiert habe, sei leider verstorben. "Dem hat die Kraft gefehlt", meint der Fachmann.

Der Wanderfalke ist auch für die Oppelhainer ein besonderes Tier. Ende der 1970er Jahre sind die Vögel, die bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnell durch die Luft jagen können und damit die schnellsten Vögel der Welt sind, der "Pestizid-Ära" zum Opfer gefallen, weiß Falko Göbert. Ein Wiederansiedlungsprojekt, gestartet wurde es 1990, war erfolgreich. Die zentrale Rolle kam dabei der Naturschutzstation Woblitz, im Besonderen dem anerkannten Vogelexperten Paul Sömmer, zu. Inzwischen seien über 30 besetzte Baumbrutplätze in Deutschland bekannt, davon sollen sich zwei Drittel in Brandenburg befinden. "Auch wegen unseres Patienten holen wir uns nun wieder Rat bei Paul Sömmer", sagt Falko Göbert, der den Ornithologen sehr schätzt. Wenn der Wanderfalke gesund ist, soll er vor seiner Entlassung in der Vogelwarte Hiddensee beringt werden.

Die Greifvogelstation in Oppelhain wird zunehmend mehr auch zu einem touristischen Ziel. Zu festen Terminen, aber auch nach vorheriger Anmeldung können Gäste das Areal "Försterei Oppelhainer Pechhütte" und die Patienten besuchen.

Im Februar 2000 wurde der erste Patient - ein Mäusebussard - in der Station aufgenommen. Die offizielle Eröffnung konnte im Juli 2001 gefeiert werden. Hauptziel dieses Projektes ist es, als Anlaufpunkt und zentrale Anlaufstelle zur fachgerechten Betreuung verletzter Greifvögel und Eulen zu fungieren mit dem Zweck der Wiederauswilderung und/oder Erfassung von Krankheiten und Verlustursachen.

Erkenntnisse und gesammelte Ergebnisse gehen an wissenschaftliche Einrichtungen. Zusammengearbeitet wird dabei mit dem Naturpark "Niederlausitzer Heidelandschaft" ebenso mit der Naturwacht und der staatlichen Vogelwarte Buckow. Gute Partner sind außerdem die Naturschutzstation Woblitz, die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Elbe-Elster und ehrenamtliche Ornithologen, erklärt Falko Göbert, Leiter der Greifvogelstation.

Vier Volieren befinden sich zwischen den Bäumen auf dem Areal, welches nicht nur während dieser Jahreszeit zum Besuch einlädt.

In der Quarantäne-, Freiflug-, Auswilderungs- und Schauvoliere ist Bewegung - Seeadler, Bussard, Turmfalken, Waldohreulen, Sperlings- und Waldkautz sowie Uhus genießen ihr Zuhause auf Zeit, werden versorgt und aufgepäppelt. Gleich neben dem Stationsgebäude hat Kolkrabe "Rudi" Quartier bezogen und kündigt jeden Besuch lautstark an.

In Winterruhe sind die fünf Bienenvölker im Revier. Aufgestellt werden sollen dort noch Schautafeln, um die Bedeutung der Bienen aufzuzeigen. Ihren Nektar sammeln sie auf einer Bienenwiese. Falko Göbert ist es wichtig, dass Kinder und Erwachsene viel Wissen mit nach Hause nehmen können.

Das Konzept geht auf. 2016 besuchten die Greifvogelstation an die 1500Gäste, darunter 850 Kinder - Schulklassen, Gäste aus Landschulheimen, Kita-Kinder und natürlich Familien. Die Besuche erfolgen ganzjährig auf Absprache oder zu festen Terminen, die gerade für Flyer erfasst werden. Beibehalten werden soll das vierzehntägige Sonntagsangebot - "Beim Füttern über die Schulter geschaut". Dieses startet Anfang Mai und geht bis zum Monat September (jeweils 15 Uhr).

Daneben kümmern sich Falko Göbert und sein Mitarbeiter Torsten Pawlack um jene, die den Motorsägenschein machen möchten, Waldarbeiten, Holzeinschlag und die Winterbodensuche. Bei Letzterem wird an mehreren Stellen im Wald nach verpuppten Tieren gesucht. Sie werden erfasst, gezählt und für weitere Untersuchungen weitergereicht.

Klar, dass eine solche Station nicht kostenfrei arbeitet. Sie ist auf finanzielle Hilfe angewiesen.

Hilfe erwünscht. Wer gern einen Geldbetrag, auf Wunsch auch gegen eine entsprechende Quittung, spenden möchte, kann dazu folgende Bankverbindung nutzen: Landesbetrieb Forst Brandenburg, Serviceeinheit Doberlug, IBAN: DE67 1806 2678 0000 0013 25, Verwendungszweck: SE 07 - Spende Greifvogelstation.

Terminabsprachen: Oberförsterei Hohenleipisch, Tel. 03533 7746

Greifvogelstation, Tel. 035325 18232.

Der verletzte Wanderfalke schaut schon wieder aufgeweckt.
Der verletzte Wanderfalke schaut schon wieder aufgeweckt. FOTO: mcl