ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:32 Uhr

Nach dem meterlangen Riss in der Trinkwasserhauptleitung bei Würdenhain
Der Schaden durch die Havarie ist enorm

Jörg Stets, technischer Hauswart beim WAV Elsterwerda, hat am Donnerstag das gerissene Rohrstück in die hauseigene Werkstatt gebracht.
Jörg Stets, technischer Hauswart beim WAV Elsterwerda, hat am Donnerstag das gerissene Rohrstück in die hauseigene Werkstatt gebracht. FOTO: LR / Manfred Feller
Elsterwerda. Am Tag nach dem Trinkwasser-Totalausfall werden in Elsterwerda und Umgebung die ersten Rechnungen aufgemacht. Von Manfred Feller

Die ersten Bilanzen nach dem Trinkwasser-Totalausfall am Mittwoch im Großraum Elsterwerda sind aufgemacht. Der betriebswirtschaftliche Schaden dürfte enorm sein. Einmal für den betroffenen Wasser- und Abwasserverband (WAV) Elsterwerda und dann für viele seiner Kunden.

Unterm Strich wird es eine sechsstellige Summe. Wem stelle ich diese in Rechnung?“, fragt Uwe Bucken, Geschäftsführer der ODW Frischeprodukte GmbH in Elsterwerda. Dort wird in drei Schichten gearbeitet. Wird die Molkerei voll ausgelastet, habe die Produktion einen Wert von etwa 10 000 Euro in der Stunde. Weil der WAV seine Kunden aber darum bittet, nur notwendiges Wasser aus dem sich nur langsam wieder stabilisierenden Netz zu nehmen, kann auch ODW seinen Maschinenpark nur schrittweise hochfahren. Am Donnerstag habe die Kapazität erst bei 50 Prozent gelegen.

Ab dem Wochenende solle wieder die volle Leistung erreicht werden. Dann steige die Trinkwasserabnahme im Betrieb wieder auf bis zu 1500 Kubikmeter täglich. Dies heißt aber auch, viele Mitarbeiter verzichten im Interesse des Betriebes auf freie Tage. „Das kann man ihnen nicht hoch genug anrechnen“, dankt Uwe Bucken allen. Jene Milch, immerhin ungefähr 100 000 Liter, die nicht verarbeitet werden konnte, sei nach Leppersdorf „umgelenkt“ worden.

Nicht nur der Geschäftsführer fragt sich, warum im Havariefall das betroffene große Gebiet mit Elsterwerda und Kraupa, Hohenleipisch mit Dreska, Plessa mit Kahla und Döllingen sowie Röderland mit Haida, Würdenhain und Saathain nicht über eine zweite Leitung versorgt werden kann? „Im Rahmen der Ursachenforschung werden wir im Verband auch über Verbesserungen nachdenken“, antwortet Petra Körner, stellvertretende WAV-Verbandsvorsteherin.

Der Riss mit Loch in der 400 Millimeter starken Trinkwasser-Hauptversorgungsleitung ist deutlich zu sehen. Diese Schadstelle befand sich im Bereich der Wehrbaustelle in Würdenhain.
Der Riss mit Loch in der 400 Millimeter starken Trinkwasser-Hauptversorgungsleitung ist deutlich zu sehen. Diese Schadstelle befand sich im Bereich der Wehrbaustelle in Würdenhain. FOTO: LR / Manfred Feller

Priorität habe zunächst, die Versorgung mit Trinkwasser wieder mit voller Kapazität sicher zu stellen. Dies werde noch eine gewisse Zeit dauern. „Der Druckaufbau ab dem Wasserwerk Oschätzchen kann nur langsam erfolgen“, sagt Petra Körner. Ansonsten drohen neue Schäden im System. Zuerst gelte es, den 1000-Kubikmeter-Hochbehälter in Biehla, der Druck- und Abnahmeschwankungen ausgleicht, zu füllen, dann das immerhin etwa 300 Kilometer lange Leitungsnetz.

Und da gibt es ein Problem. Wenn in dieser Hochfahrphase zu viel Wasser gezapft wird, könnte es sein, dass die Abnehmer am anderen Ende, wie in Plessa und Hohenleipisch, erneut vergeblich den Hahn aufdrehen. „Wir bitten alle Kunden darum, nur die wirklich zur täglichen Versorgung unbedingt benötigten Trinkwassermengen aus dem öffentlichen Netz zu entnehmen! Die Gartenbewässerung, das Befüllen von Pools und das Bevorraten mit Trinkwasser sollte unterlassen werden“, bittet Petra Körner eindringlich. Dennoch könne es zu Druck- und Qualitätsschwankungen kommen. Das Netz müsse nach wie vor gespült werden. Ablagerungen würden an den Ablaufstellen aufgefangen. Auftretende Trübungen oder Färbungen im Trinkwasser seien nicht gesundheitsschädlich.

Die Beseitigung des Schadens an der Hauptleitung sei eine sportliche Höchstleistung gewesen. „Wir haben das Menschenmögliche getan“, versichert die Fachfrau. Alle Beteiligten, besonders die Monteure in der Grube, hätten trotz der unerträglichen Hitze einen Arbeitsmarathon hingelegt - von Dienstag früh um 5 Uhr bis Mittwoch gegen Mitternacht. Petra Körner dankt allen (Verwaltungen, Feuerwehren, benachbarten Wasserverbände) für deren Hilfe während der Havarie.

Blick in das gerissene Trinkwasser-Rohrstück. Es ist erstaunlich, was sich darin innerhalb der vergangenen Jahrzehnte alles abgesetzt hat.
Blick in das gerissene Trinkwasser-Rohrstück. Es ist erstaunlich, was sich darin innerhalb der vergangenen Jahrzehnte alles abgesetzt hat. FOTO: LR / Manfred Feller

Zum Glück, es sind Ferien und die Schulen geschlossen. Doch andere größere Wasserverbraucher mussten sich am Mittwoch irgendwie selbst helfen oder ihnen wurden geholfen, wie dem Krankenhaus oder dem Seniorenzentrum in Elsterwerda. Dort befinden nach Auskunft von Heimleiter Ronny Kuhn 116 Personen in der vollstationären Pflege. Hinzu kommen 36 altersgerechte, voll belegte Wohneinheiten.

„Es war alles gut organisiert.“, lobt Ronny Kuhn. Zunächst habe der WAV einen Tankwagen mit 1,5 Kubikmeter Trinkwasser geschickt, dann einen Tank mit 30 000 Litern. Alle Dienst habenden rund 40 Mitarbeiter, einschließlich der Küche, hätten mitgezogen, den Tagesablauf etwas anders organisiert. Es wurde Wasser getragen, von Hand abgewaschen, Gießkannen voll Wasser vor die Toiletten gestellt. Es sei das Beste aus der Situation gemacht worden. Und die Senioren hatten genügend Gesprächstoff gehabt.

Im Friseursalon von Angelika Richter in Plessa war am Mittwoch zum Glück „Männertag“ mit Trockenhaarschnitt. „Ansonsten hätten wir alle Termine kurzfristig absagen müssen“, so die Chefin.

Dagegen musste die Zahnarztpraxis von Detlef Bölke in Hohenleipisch zwangsfrei machen. Einige Patienten hätten selbst angerufen, ob sie überhaupt kommen sollen.