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| 02:36 Uhr

Der Luther-Pass – mehr als nur ein Stempel-Dokument

Die ersten 1000 purpurfarbenen Luther-Pässe, die erst einmal nur neugierig machen sollten, waren ganz schnell vergriffen. Ab 1. Advent, zum offiziellen Ausgabestart, hält Pass-Erfinderin Janine Kauk 10 000 Exemplare bereit.
Die ersten 1000 purpurfarbenen Luther-Pässe, die erst einmal nur neugierig machen sollten, waren ganz schnell vergriffen. Ab 1. Advent, zum offiziellen Ausgabestart, hält Pass-Erfinderin Janine Kauk 10 000 Exemplare bereit. FOTO: Pressestelle
Der Luther-Pass ist in aller Munde. 1000 Mal ist er, quasi schon vorm offiziellen Start, ausgegeben worden. Seit Ende Oktober war er vergriffen. Nun beginnt mit Beginn des neuen Kirchenjahres am 1. Advent seine eigentliche Karriere. Zu verdanken hat er sie Janine Kauk, der Marketingkoordinatorin des Elbe-Elster-Kreises. Für die RUNDSCHAU hat sie nachfolgende Fragen beantwortet. (Quelle: BücherKammer)

500 Jahre Reformation - die Region zwischen Elbe und Elster hat zum Jubiläum eine besondere Beziehung - warum?
Lassen Sie es mich nur in Anstrichen sagen. In Bad Liebenwerda beispielsweise traf sich Luther mit Abgesandten des Papstes. Rom wollte hier den widerspenstigen Denker aus Wittenberg überzeugen, von seinen Thesen abzurücken. In Herzberg entstand im Chaos der Umsetzung der Thesen die erste evangelische Schulordnung, und auch der erste evangelische Gottesdienst fand hier statt. In Mühlberg/Elbe wurde die große Schlacht des Schmalkaldischen Krieges geschlagen, die durch den Thesenanschlag zu Wittenberg verursacht wurde. Im Museum Mühlberg 1547 macht das Team um Museumsleiterin Martina Pöschl in einer Dauerausstellung Lust, diesen spannenden Teil der Folgen von Luthers Thesenanschlag zu entdecken. In Torgau wirkte der Reformator, der erste protestantische Kirchenneubau wurde von Luther persönlich eröffnet. Was mit den Mönchen in den zahlreichen nach der Reformation überflüssig gewordenen Klöstern passierte, ist in Doberlug-Kirchhain zu entdecken. Und in der Tetzelstadt Jüterbog nahm alles seinen Anfang. Der gierige Ablasshändler und Mönch Tetzel trieb es mit seinem Ablasshandel so weit, dass Luther im nahen Wittenberg schließlich seiner Wut mit dem Thesenanschlag Ausdruck verlieh.

Es liegt auf der Hand, im Jahr des Reformationsjubiläums besonders auf die Region aufmerksam zu machen. Mit dem Luther-Pass ist Ihnen scheinbar schon vor dem Start ein Clou gelungen. Stellen Sie ihn bitte kurz vor.
Im Jahr des Reformationsjubiläums macht der purpurfarbene Reise- alias Luther-Pass, der im Landkreis Elbe-Elster initiiert worden ist, aufmerksam auf die acht Städte im Zweistromland der Reformation. Was Luther mit seinen 95 Thesen in Wittenberg begann, hätte sich nicht so weit verbreiten können, hätte es nicht die Städte im heutigen Land zwischen Elbe und Elster gegeben. Denn hier hatte sich die Idee der Reformation beim Volk zu einer Bewegung geformt. Das Besondere: Für den Luther-Pass engagieren sich die Landkreise Elbe-Elster, Nordsachsen, Wittenberg und Teltow-Fläming.

Was kann der Inhaber mit dem Pass anstellen?
In jeder der acht beteiligten Städte erhalten die Gäste einen besonderen Stempel in ihren Pass. Die Pässe werden in Touristinformationen, in vielen Museen und auf Messen in Berlin ausgegeben. Darin finden die Pass-Besitzer eine kurze Beschreibung der acht Standorte, die direkt oder indirekt die Geschichte der Reformation auf individuelle Weise erzählen. An jedem Ort bekommen die Reisenden ihren Stempel auf ihrem persönlichen Weg zu ihrem Luther. In Mühlberg wird es für die Pass-Inhaber auch die Passfotos geben, damit der Pass ein echter Reisepass wird. Platz für Notizen, informative Texte und Hinweise zu weiteren Informationspunkten und ein Gewinnspiel runden das besondere Produkt ab.

Der Pass ist erstmals Ende August vorgestellt worden. Danach war er schnell vergriffen. Gibt es ihn jetzt wieder?
Nach unseren Ankündigungen und der ersten Vorstellung des Passes sind wir vom Interesse geradezu überwältigt worden. Wir hatten ihn zunächst in einer Auflage von 1000 Stück aufgelegt. Nach unserem Auftritt bei den zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden waren alle vergriffen. Inzwischen sind 10 000 weitere gedruckt worden und wir werden schnell reagieren, wenn auch die nicht reichen. Man muss wissen, dass der Beginn des neuen Kirchenjahres, also der erste Advent, als offizieller Start für die Pass-Ausgabe vorgesehen war. Bereits jetzt gibt es Hunderte Anfragen und eine lange Vorbestellungsliste für den kostenlos erhältlichen Pass. Womit wir selbst nicht gerechnet haben, ist, dass auch Städte, die gar nicht im Luther-Pass-Land liegen, Ausgabestelle werden möchten. Das sind zum Beispiel Neuenhagen bei Berlin, die Buchhandlung Brandenburg-Buch, die Touristinfos in Dahme und in Brandenburg/Havel. Mächtig stolz bin ich, dass der Ort des Asisi-Panoramas in Wittenberg unbedingt unseren Pass anbieten möchte.

Der erste Advent steht vor der Tür. In einigen der acht Städte soll es besondere Aktionen zur Pass-Ausgabe geben. Welche werden das sein?
Im Museum Mühlberg 1547 wird es bereits am 25. November einen Pressetermin mit Landrat Christian Heinrich-Jaschinski geben. Dann ist erstmals auch die Fotobox startklar, die es nur in der Elbestadt gibt. Dort können Passinhaber sich ihr persönliches kostenloses Passfoto für das Dokument anfertigen lassen und anschließend - wie bei einem richtigen Ausweis - in den Pass kleben. Verteilt werden Stücke der neuen Luther-Pass-Torte - eine Idee der Konditorei Beeg aus Bad Liebenwerda. Die Torte wird es das ganze Jahr 2017 in der Konditorei in der Kurstadt geben. In Finsterwalde wird, wie es sich für eine ordentliche Sängerstadt gehört, der Luther-Pass nicht einfach so übergeben. Die Vokalgruppe Erbschleicher gibt am 26. November ab 17 Uhr ihr Weihnachtskonzert im Sängerstadtmuseum. Danach wird sie die Pässe mit Stempel kostenlos ausgegeben. In Jüterbog erwartet vor allem junge Spurensucher eine Schnitzeljagd im Kulturquartier Mönchenkloster. Auch die Lutherstadt Wittenberg selbst zeigt Flagge und Sympathie zum gemeinsamen Wegbegleiter und puscht den Start mit einem Gewinnspiel in den sozialen Medien. Von dort kam am häufigsten die Frage, wann der Pass endlich eintrifft, weil die Anfragen jeden Tag mehr werden.

Den Pass haben Sie mit einer Reihe weiterer Vorteile verbunden. Welche sind das und welche Partner ziehen schon mit?
Gastfreundschaft ist uns wichtig. Passbesitzer werden sie schnell spüren, denn viele Wirtschaftsunternehmen säumen schon jetzt den Weg entlang der Stempelroute. In jeder Stadt haben sich Pass-Paten gefunden, und täglich mache ich Termine für weitere Gespräche. Nur einige Beispiele: In der Villa Nuova in Bad Liebenwerda und im Kronprinz in Mühlberg gibt es ein Luthermenü, in der Bücher-Kammer in Herzberg einen Nachlass auf das Luther-Buch, in Hohenleipisch bieten Pensionen Vergünstigungen bei Vorlage des Passes an. Aber es gibt auch Marken-Paten - einen Fruchtaufstrich als Luther-Frühstück, Luthers Tropfen als Likör, "500" das Bier aus dem Finsterwalder Brauhaus zur Spurensuche, Senf vom "Goldenen Hahn" in Finsterwalde, einen Kaffee namens Luther-Auslese, Seife von der Seifenschmiede. Bei manchen suchen wir noch die schlagkräftigen Namen.

In dieser Woche sind Sie in Berlin in der Landesvertretung Thüringen beim Bund zu Gast. Warum bei den Thüringern?
Als Vertreterin des Luther-Passes wurde ich von der Geschäftsstelle Luther2017 zum "Jour Fixe mit Luther 2016" eingeladen. In jedem Jahr der Luther-Dekade rotierte die Veranstaltung in den Landesvertretungen. In diesem Jahr soll es vor allem um das Morgen gehen - darum, welche Reformations-Kooperationen auch über 2017 hinaus die Kraft haben zu bestehen. In Workshops wird diskutiert, welche Perspektiven wir touristisch und kulturell nachhaltig sehen. Gerade dort sehe ich die Kraft unseres Kulturbotschafters Luther-Pass, denn er legt schon jetzt die grenzüberschreitenden Weichen für eine dauerhaft sinnvolle Zusammenarbeit.

Dabei geht es also jetzt schon um die Zeit nach dem Reformationsjubiläum?
Absolut, gemeinsam mit dem Kulturamt des Landkreises sind wir längst schon mittendrin im Morgen. In jedem Fall hat das Thema Reformation das Zeug, für die Region, wo Preußen Sachsen küsst, dauerhaft ein Markenkern zu werden. Kulturtourismus überhaupt wird sich vor allem im Brandenburger Tourismus für Elbe-Elster als das Alleinstellungsmerkmal etablieren. Sicher ist, wir haben mehr zu bieten, als manche glauben. Nutzen wir alle die Chance, uns mit dem Luther-Jubiläumsjahr noch bekannter zu machen!

Welche weiteren Aktivitäten wird es im Elbe-Elster-Land im Reformationsjahr 2017 geben?
Oh je, jede Menge. Die jetzige Veranstaltungsliste umfasst ja schon sechs DIN-A4-Seiten. Nur einige Höhepunkte: 4. Lichtmess-Symposium zu Luthers Tischreden, das Orchesterprojekt mit dem Märkischen Kreis - das wird übrigens auch in Wittenberg aufgeführt - die Sonderausstellung im Museum Bad Liebenwerda "Reformation erleben", im Schloss Doberlug "Die letzten Mönche von Dobrilugk", jede Menge Konzerte der alten Musiken mit Ensembles von Weltrang. Der Luther-Pass funktioniert nur durch die hohe Qualität eines sehr gut gefüllten Veranstaltungs- und Ausstellungskalenders.

Worauf freuen Sie sich?
Für mich besteht die tägliche Freude darin zu sehen, wie sehr sich die Bürgerinnen und Bürger der Region mit dieser Idee identifizieren. Das, worauf wir nach der Ersten Brandenburgischen Landesausstellung 2014 so sehnsüchtig gewartet haben, scheint erreicht. Das Elbe-Elster-Land verpackt seine Perlen wieder eindrucksvoll und lädt zum Entdecken ein. Sicher auch kein Zufall, dass unser Erlebnisplaner in seiner Farbgebung daran erinnert. Ich freue mich sehr darauf, zum Kirchentag in Berlin beim Abend der Begegnungen mit einem eigenen Stand vor Ort zu sein. Der Stand wird ein gelabelter Oldtimer sein, mit dem wir in 2017 auf "Tour de Luther" in kleinen filmischen Episoden gehen wollen. Möglich macht dies eine weitere Idee aus den Reihen unserer Unternehmer in Elbe-Elster. Diese Tour soll später auch für Gäste buchbar sein und mit dem ADAC wollen wir daraus ein Exklusiv-Angebot für 2017 stricken.

Mit Janine Kauk

sprach Frank Claus.

Alle Interviews können Sie noch einmal nachlesen unter www.lr-online.de/interview

Zum Thema:
Janine Kauk ist Marketingverantwortliche beim Landkreis Elbe-Elster und Erfinderin des Luther-Passes. Doch sie legt Wert darauf festzustellen, dass der Luther-Pass nur dank herausragender Mitarbeit vieler Partner entwickelt werden konnte.

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