Das Interesse an dem gestrigen zweiten Versteigerungstermin war groß - noch größer aber war scheinbar die Neugier. Denn geboten hat nur ein Mann, alle anderen Besucher im gut gefüllten Raum wollten scheinbar nur wissen, ob die Tankstelle nun endlich an den Mann kommt. Die gebotenen 167 500 Euro entsprechen exakt der Hälfte des Anfangswertes für diesen Termin. Für die Gläubigerbank, die Volksbank Elsterland, kein zufriedenstellendes Ergebnis. Sie stimmte deshalb der Zuschlagserteilung nicht zu und erbat sich Bedenkzeit. Nun fällt die Entscheidung erst am 2. November, 10 Uhr. Dann wird die zuständige Rechtspflegerin ihre Entscheidung bekannt geben. Zwischenzeitlich kann die Volksbank auf eigene Faust versuchen, die Tankstelle besser an den Mann zu bekommen und einen neuen Versteigerungstermin anstreben.
Das Dilemma um die Tankstelle in verkehrsmäßig günstiger Lage währt seit mehreren Jahren. Höhepunkt war der Insolvenzantrag am 4. Mai dieses Jahres wegen Überschuldung. Die bisherigen Eigentümer hatten mehrere Gerichtsverfahren, bei denen es unter anderem um die Bezahlung von Kraftstoffrechnungen ging, verloren.
Auch wenn die Tankstelle am 2. November einen neuen Besitzer finden sollte, heißt das nicht, dass sie dann sofort wieder öffnen kann. Im Zuge des Insolvenzverfahrens sind zahlreiche mobile Gegenstände von Verkaufseinrichtungen bis zum Backautomaten abgebaut worden. Zudem gibt es Verträge mit einer Mineralölgesellschaft, der die Anlagen gehören, die dann neu ausgehandelt werden müssen. Und nicht zuletzt hat der TÜV über den Weiterbetrieb der Zapfsäulen zu entscheiden. Gehörige Investitionen sind also neben dem eigentlichen Erwerb nötig und machen das Verfahren nicht einfacher.