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| 16:58 Uhr

Interview
„Der Gewässertourismus benötigt einen neuen Schub“

Das ist mehr als zehn Jahre her. Freudestrahlend halten im Jahr 2006 Herold Quick (Falkenberg), Andreas Claus (Uebigau/Wahrenbrück), Thomas Richter (Bad Liebenwerda), Eckhard Lehmann (vom zuständigen Planungsbüro des Gewässertourismus WTU und damals Ortsbürgermeister in Maasdorf) sowie Dieter Jähnichen (Mühlberg) – von links – die Fördermittelbescheiden zur Entwicklung des Gewässertourismus in den Händen.
Das ist mehr als zehn Jahre her. Freudestrahlend halten im Jahr 2006 Herold Quick (Falkenberg), Andreas Claus (Uebigau/Wahrenbrück), Thomas Richter (Bad Liebenwerda), Eckhard Lehmann (vom zuständigen Planungsbüro des Gewässertourismus WTU und damals Ortsbürgermeister in Maasdorf) sowie Dieter Jähnichen (Mühlberg) – von links – die Fördermittelbescheiden zur Entwicklung des Gewässertourismus in den Händen. FOTO: Veit Rösler
Uebigau-Wahrenbrück. Paddeln und Schlauchbootfahren auf der Kleinen und Schwarzen Elster – eine Bilanz mehr als zehn Jahre nach dem Startschuss.

Um den Gewässertourismus in Elbe-Elster scheint es ruhig geworden. Täuscht der Eindruck? Die RUNDSCHAU sprach mit Uebigau-Wahrenbrücks Bürgermeister Andreas Claus, vor mehr als zehn Jahren der Initiator für Paddeln und Schlauchbootfahren auf der Schwarzen Elster.

Schauen Sie doch bitte mal zurück: Wie hat es mit dem Gewässertourismus begonnen, welche Kommunen waren beteiligt?

Andreas Claus Der offizielle Startschuss war im Jahr 2005 mit der Gründung des Fördervereins Elbe-Elster-Tours e.V. und der in Aussicht gestellten Förderung des Brandenburger Wirtschaftsministeriums zum Bau der gewässertouristischen Infrastruktur und des touristischen Leitsystems in den Städten Bad Liebenwerda, Falkenberg, Mühlberg und Uebigau-Wahrenbrück. Ein Jahr später konnten wir die Bestätigung zur Förderung in den Händen halten. In den Jahren 2007 bis 2012 wurde die gewässertouristische Infrastruktur in den Städten gebaut. Verzögerungen in den Städten traten insbesondere durch Kostensteigerungen ein, so dass Maßnahmen teilweise angepasst oder ganz gestrichen werden mussten. Unter besonderen Vorzeichen standen die Vorhaben in Mühlberg, da der Bau der gewässertouristischen Infrastruktur nur im Zusammenhang mit den Hochwasserschutzmaßnahmen im Bereich des Stadthafens umgesetzt werden konnte.

Wo überall im Landkreis kann gepaddelt beziehungsweise Schlauchboot gefahren werden?

Andreas Claus Gepaddelt werden kann auf der Kleinen und Schwarzen Elster. Die Kleine Elster wird am häufigsten zwischen Schadewitz bis zur Einmündung in die Schwarze Elster benutzt. Dort schwärmen die Gäste vor allem von den wiederhergestellten Flussschleifen. Die Schwarze Elster wird in Regie des Vereins zwischen Prieschka und Herzberg betreut. Schlauchbootfahren wird auf der Schwarzen Elster zwischen Bad Liebenwerda und Herzberg angeboten. Kahnfahren ist im Kleinen Spreewald bei Wahrenbrück möglich.

Wie viele Ausleihstationen und wie viele Stege gibt es?

Andreas Claus Entlang von Kleiner und Schwarzer Elster gibt es 24 Anlegestellen, die teilweise an gastronomische oder touristische Einrichtungen angebunden sind. Es gibt aber auch Anlegestellen in freier Natur.
Paddelboote ausleihen kann man sich im Bieligkhof Bad Liebenwerda (Tel. 035341 2009), im Park­schlösschen Maasdorf (Tel. 035341 30960), im Kleinen Spreewald Wahrenbrück (Tel. 035341 23363 oder 0160 97347820), im Elsterstübchen Neumühl (Tel. 0157 77535953), im Eiscafé Winter in Uebigau (Tel. 0171 4727584) und im ElsterPark in Herzberg (Tel. 03535 4830120). Vor allem mit den Stationen in Neumühl, dem Bieligkhof und dem Eiscafé Winter lassen sich auch Kombitouren organisieren, wenn man zum Beispiel mit dem eigenen Rad anreist.

Gibt es Schätzungen, wie viele Menschen den Kreis seit der Etablierung des Gewässertourismus vom Wasser aus erkundet haben?

Andreas Claus Das kann ich wirklich nur schätzen, da wir von den Ausleihstationen trotz mehrfacher Bitten keine Zahlen bekommen haben. Ich schätze, dass es etwa 25 000 Besucher waren.

Funktioniert der Verein Elbe-Elster-Tours noch? Gegenwärtig gibt es wohl keine Leitung mehr. Und auch die Internetseite scheint nicht permanent gepflegt.

Andreas Claus Wie in anderen Vereinen auch, ist auch bei uns die Personaldecke dünn und der Nachwuchs fehlt. Man darf nicht vergessen, dass wir ehrenamtlich tätig sind. Die Vereinsvorstandsmitglieder müssen sich teilweise sehr intensiv um ihren Hauptjob kümmern, so dass wenig Zeit bleibt. Deshalb vielen Dank an diejenigen, die bisher aktiv mitgeholfen haben und vielen Gästen schöne Erlebnisse an und auf dem Wasser ermöglicht haben. Aber sicher ist, auch der Förderverein Elbe-Elster-Tours wird sich neu aufstellen müssen.

Das Konzept scheint nicht komplett aufgegangen zu sein, wenn man die nicht genutzten Käfige und die sicher nicht billigen Stationen, also die Holz-Bungalows,  im Kleinen Spreewald und am Bad Liebenwerdaer Mühlgraben sieht. Wie ist Ihre Einschätzung?

Andreas Claus Der Gewässertourismus findet in der Natur statt und ist daher auch sehr von der Witterung abhängig. Leider gab es in der Vergangenheit (insbesondere seit 2010/11) viele Einschränkungen durch Hochwasser, hochwasserbedingte Reparaturen, Hitze- und Niedrigwasserperioden sowie Sturmereignisse. Auch die zeitweise starke Verockerung der Schwarzen Elster ist ein Problem. Die Durchgängigkeit des Schwarze-Elster-Radweges hat durch den vorschnellen Abriss des Übergangs in Würdenhain beziehungsweise die nicht erfolgte Ausschilderung der „Tour Brandenburg“ gelitten. Das geplante übergreifende Handeln zwischen den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, Elbe-Elster und Wittenberg als Verbindung zwischen dem Lausitzer Seenland und der Elbe fand leider nur ansatzweise statt. Hauptsächlicher Kümmerer im Radwegebereich war Andreas Siegl aus der Stadtverwaltung Lauchhammer, der leider nicht mehr für diesen Bereich aktiv ist. In der Kurstadtregion Elbe-Elster wird seit Jahren über die Gründung eines touristischen Zweckverbandes der vier Städte nachgedacht, weil es ehrenamtlich nur schwer zu bewältigen ist und auch ehrenamtlich Handelnde an ihren Leistungsgrenzen angekommen sind. Aber: Der Gewässertourismus funktioniert! An Feiertagen, Brückentagen oder teilweise den Wochenenden bekommt man fast kein Boot mehr.

Und die genannten großen Investitionen in Bootslager und Häuser?

Andreas Claus Auch da haben sich nicht alle Erwartungen erfüllt. Unser Ansatz, Touristen ein komplettes Tagesangebot zu machen, also auch Sehenswürdigkeiten zu besuchen, oder für bestimmte Etappen aufs Rad umzusteigen, wird wenig genutzt. Wer einmal im Boot sitzt, will überwiegend paddeln. Aber die Rastplätze werden gut genutzt.

Ein Blick in den Kleinen Spreewald bei Wahrenbrück. Dort ist viel Ruhe eingekehrt, oder? Der bisherige Betreiber fährt jetzt Bus. Gastronomen klagen, es sei schwer, Kahnfahrten im Kleinen Spreewald zu planen.

Andreas Claus Auch darüber sind wir nicht glücklich, denn eigentlich sollte es anders laufen. Andererseits habe ich auch Verständnis für die Entscheidung, denn leider war durch oben genannte Rahmenbedingungen die Einkommenssituation auch sehr unstet. Gespräche zur Ist-Situation und zur Perspektive hat es bereits gegeben; wir sind da noch nicht fertig und suchen nach Lösungen. Kahnfahren kann man aber immer noch.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Gewässertourismus? Ist neuer Schub nötig?

Andreas Claus Sicher, der Gewässertourismus benötigt einen neuen Schub. Wir brauchen eine Professionalisierung. Die Kooperationsanfrage an den Tourismusverband Lausitzer Seenland ist leider zunächst abschlägig beantwortet worden. Aber ich bleibe dabei: Der Rad- und Gewässertourismus ist nicht Last, sondern Chance für die Region. Wir sind über jede Hilfe dankbar. Es wäre schön, wenn wir neue Mitstreiter gewinnen könnten.

Mit Andreas Claus
sprach Sylvia Kunze.

Andreas Claus, Bürgermeister Uebigau-Wahrenbrück.
Andreas Claus, Bürgermeister Uebigau-Wahrenbrück. FOTO: LR / Frank Claus