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Der Diesel lebt in Elbe-Elster weiter

Für Markus Gelsdorf, Werkstattmitarbeiter im Toyota-Autohaus Herzberg, ist der Hybrid eine gute, sparsame Alternative zum Dieselaggregat.
Für Markus Gelsdorf, Werkstattmitarbeiter im Toyota-Autohaus Herzberg, ist der Hybrid eine gute, sparsame Alternative zum Dieselaggregat. FOTO: Birgit Rudow
Elbe-Elster. Wer nicht gerade die Ruhe selbst ist, der hat als einer von mehr als 17 000 Besitzern eines Dieselautomobils im Landkreis Elbe-Elster mehr Fragen als er derzeit an Antworten bekommt. Muss ich zum Software-Update? Lohnt eine Ad-blue-Aufrüstung zum Senken der Stickoxide? Verliert mein Diesel an Wert? Sperren mich Fahrverbotszonen künftig aus? Mit welchem Antrieb bin ich beim nächsten Neuwagen oder Gebrauchten auf der sicheren Seite? Eine Kurzumfrage in drei Autohäusern in den drei Altkreisen hat teilweise ganz unterschiedliche Ergebnisse gebracht. Manfred Feller / mf

Die ganze Diskussion rund um den Dieselskandal in Deutschland hat nach Ansicht von Alexander Meyer, Mitgesellschafter im Opel-Autohaus Meyer & Ziegler GmbH in Finsterwalde, zu einem ganz sicher geführt: "Die Leute sind verunsichert." Allerdings bleiben sie dann zumindest bei Opel ihrer Linie treu: Die Vielfahrer unter den Privatleuten sowie die Firmen halten nach wie vor am Diesel fest. Und wer bisher mit Benzin gefahren ist, belässt es dabei. Der Benzineranteil ist in diesem Autohaus schon immer etwas höher.

Ganz sicher gehen jene Opel-Dieselfahrer, die Wagen wählen, die die Stickoxid reduzierende Harnstoffeinspritzung (Ad blue) bereits ab Werk eingebaut haben, wie beim Zafira, Insignia oder Vivaro. Eine Nachrüstung biete der Hersteller nicht an. Diese wäre vorrangig auch nur für jene interessant, die in eine Großstadt mit avisierten Fahrverbotszonen müssen. Fein raus wären Autobesitzer eines Fahrzeuges mit Euro-6-Norm, dem die angekündigte blaue Plakette in Aussicht gestellt wird. "Das soll so werden. Aber keiner weiß, ob es so kommt. Das muss erst in ein Gesetz gegossen werden", rät Alexander Meyer zum Ruhigbleiben. Auch vom übereilten Umrüsten hält er nichts, weil die Rahmenbedingungen noch völlig unklar sind.

In Elbe-Elster fahren nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes von den etwa 63 000 Personenwagen 5210 mit einer Abgasreinigung auf dem Niveau von Euro 6. Davon sind rund 2000 Diesel.

Die Verunsicherung in den Autohäusern, Werkstätten und bei den Autobesitzern bestätigt Hans-Peter Lange, Präsident des Landesverbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Berlin-Brandenburg und Innungsobermeister des Kfz-Handwerks im Kammerbezirk Cottbus. "Der Diesel sollte nicht politisch totgemacht werden", appelliert er. Ohne Zweifel müsse für das Senken der Stickoxide nachgebessert werden. Allerdings sei die Kohlendioxid-Bilanz der Benziner schlechter. Fahrverbote seien der denkbar schlechteste Weg. Es sollten andere Maßnahmen greifen, wie die Verkehrslenkung. Ansonsten würden die Wertverluste für Diesel noch größer, besonders bei den Leasingrückläufern, die wieder in den Verkauf sollen. Das Ganze kommt für Hans-Peter Lange einer Enteignung der Autohäuser und Kunden gleich, die das alles nicht verursacht haben.

Ziemlich entspannt bleibt man in der Toyota-Autohaus Hofmann GmbH in Herzberg beim Thema Diesel. "Im Neuwagenbereich ist die Dieselnachfrage gleich null", sagt Verkaufsleiterin Katja Hofmann. Stolze 60 bis 70 Prozent der Kunden wollen vom Kleinwagen bis zur Mittelklasse ein Hybridfahrzeug. Die anderen möchten einen reinen Benziner. "Selbst Firmenkunden steigen vom Diesel auf den Hybrid um", sagt Katja Hofmann. Ausschlaggebend seien der geringe Verbrauch und der Preis, der nicht höher sei als beim Dieselwagen. "Man merkt ganz deutlich: Die Kunden denken um", so die Verkaufsleiterin. Andere würden umsteigen, weil sie befürchten, ihren Diesel irgendwann nicht mehr loszuwerden. "In fünf bis sieben Jahren wird es bei Toyota wahrscheinlich keine Diesel als Neufahrzeuge im Pkw-Bereich mehr geben", gibt Katja Hofmann einen Einblick in die Philosophie dieser japanischen Automarke. Werkstattmeister Nico Schindler ergänzt, dass dieser Prozess durch Dieselaufkauf- und Hybridprämien befördert wird.

Sven Berger, Chef des Autohauses Berger GmbH in Elsterwerda, ärgern beim Dieselskandal einige Dinge. Vor der Bundestagswahl werde das Thema politisch hochgekocht, um danach kaum noch eine Rolle zu spielen. Zudem werde die Thematik von den Medien leider so aufgearbeitet, dass die Öffentlichkeit verunsichert wird. Dies habe zur Folge, dass gebrauchte Dieselfahrzeuge bereits im Preis gesenkt und nur noch mit Verlusten verkauft werden können.

Sven Berger weiß aber auch, dass zum Beispiel seine Gewerbekunden relativ entspannt herangehen und am Dieselantrieb festhalten. Mit den sehr sauberen und umweltfreundlicheren BMW-Dieseln mit der Euro-6-Plakette seien sie auch im Hinblick auf etwaige Fahrverbotszonen auf der sicheren Seite. Und selbst Euro-5-Diesel werden sich umrüsten lassen. BMW wolle zudem einen Bonus für den Neuwagenkauf ausloben, um ältere Fahrzeuge (Euro 4 und darunter) vom Markt zu bekommen. Sven Berger würde - natürlich auch mit Blick auf den Neuwagenabsatz - noch einen Schritt weiter gehen: "Wenn wir etwas für die Umwelt tun wollen, gehören ältere Autos in die Presse und nicht mehr in den Verkauf." Das wären dann zehn Jahre und ältere Autos bis Euro 3.

Zum Thema:
Im Landkreis Elbe-Elster waren mit dem Stichtag 1. Januar 2017 63 007 Personenwagen angemeldet. Davon waren 44 648 Benziner, 17 396 mit einem Dieselantrieb, 696 mit Gas als Energiequelle, 207 Hybridfahrzeuge, 25 Elek-troautos und 35 sonstige Gefährte. In den einzelnen Emissionsgruppen verteilen sich die Personenwagen wie folgt - Euro 1: 1763, Euro 2: 8769, Euro 3: 7956, Euro 4: 22 372, Euro 5: 15 993 und Euro 6: 5210. Der Anteil der Dieselfahrzeuge ist in den Gruppen sehr unterschiedlich. Bei Euro 5 und 6 liegt er bei mehr als einem Drittel, ansonsten teilweise deutlich darunter. Interessant ist auch dieser Fakt: Die Anzahl der hubraumstärkeren Fahrzeuge liegt klar über denen der schwächeren. Autos bis 1399 Kubikzentimeter gab es zu Jahresbeginn 22 255. Dagegen waren 34 081 Autos mit einem Hubraum zwischen 1400 bis 1999 Kubikzentimeter angemeldet. mf (Quelle: Kraftfahrtbundesamt)