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| 14:24 Uhr

Sanierung fast abgeschlossen
Erneuerte Schleusentore für das technische Denkmal in Prösen

Die ersten erneuerten Tore für die denkmalgeschützte Schleuse in Prösen werden eingebaut. Am 2. Mai werden die Arbeiten fortgesetzt.
Die ersten erneuerten Tore für die denkmalgeschützte Schleuse in Prösen werden eingebaut. Am 2. Mai werden die Arbeiten fortgesetzt. FOTO: Veit Rösler
Prösen. Es wurde auch jede Menge Beton in die Wände der Schleusenkammer gepresst. Von Veit Rösler

Historischer Moment in Prösen. Nun ist die Schleuse in Prösen fast wieder eine Schleuse, zumindest könnte sie zeitnah als eine solche genutzt werden. Dieser Tage sind nach mehrmonatiger Bauzeit die beiden Flügel des oberen südlichen Schleusentores wieder eingebaut worden. Das nördliche untere Tor soll am Mittwoch, dem 2. Mai, montiert werden. Das sind historische Augenblicke für Geschichtsbewusste, denn die neuen Tore werden sicher mehrere Jahrzehnte an ihrem Platz verbleiben.

Nach dem Bau im Jahre 1748 und seiner Nutzung bis 1874 besteht der Grödelkanal zwischen Prösen in Brandenburg und Grödel in Sachsen seit 270 Jahren. In dem 21 Kilometer langen Kanal vom Holzhof in Elsterwerda bis nach Grödel an der Elbe in Sachsen befanden sich vier Schleusen. Ein Höhenunterschied von 2,74 Metern musste überwunden werden. Die Schleuse bei Prösen ist das letzte verbliebene Bauwerk dieser Art, das seinem Namen noch gerecht wird und das damit an die große Zeit der Holzexporte in den sächsischen Raum erinnert.

Im 18. Jahrhundert benötigten die Residenzstadt Dresden und die Porzellanmanufaktor Meißen dringend Bau- und Feuerholz. Dieses Holz kam aus den Wäldern um Finsterwalde, Liebenwerda und aus dem Schraden. Aus den Bereichen der Seen südlich von Finsterwalde wurde das Holz auf dem Floßgraben erst bis nach Plessa und dann auf der Elster bis zum Holzhof geflößt. Das Holz aus dem Schraden kam aus dem Hauptschradengraben ebenfalls zu der selben Verladestelle.

Mit neun oder zwölf Kähnen, die je einen Trog mit einer Tragfähigkeit von je 500 Zentnern besaßen, wurde dann das Holz, es waren jährlich 30 000 Klafter (ein Klafter etwa drei Raummeter), auf dem Kanal bis Grödel bei Riesa getreidelt. Die Rückfracht bestand oft aus Steinen, Kalk, Getreide und anderen Gütern.

Vor 20 Jahren wurden die Schleuse und deren Tore schon einmal grundlegend saniert. Die damals eingebauten Holztore waren nun aber vollkommen verwittert. An der Wasserwechselzone waren sie verfault und damit undicht. Eine Wasserstandsregelung war mit den undichten Toren nicht mehr möglich. Mit einem Schwerlastkran mussten die mit Wasser vollgesogenen über drei Tonnen schweren Holzkonstruktionen im vorigen Jahr an Land gehievt, dort vermessen und demontiert werden.

Dabei zeigte sich, dass die für diese Tore verwendeten verzinkten Eisenkonstruktionen die Zeit und die Witterung nahezu unbeschadet überstanden haben. Grund genug, die neuen Tore ebenfalls als verzinkte Strahlkonstruktionen zu erneuern. Eisenteile der alten Tore konnten sogar wiederverwendet werden.

Bis zum Wintereinbruch mussten zudem die Umfassungswände der Schleusenkammer im Oktober 2017 mit einem Betonpressverfahren saniert werden. „Wir waren erschrocken, wo überall der unter Druck befindliche Beton wieder herauskam. Das war alles unterspült und hätte sogar einstürzen können“, beschreibt Chris Heller, Bauamtsleiter in der Gemeinde Röderland, den desolaten Zustand.

Als Auflage des Denkmalschutzes mussten die neuen, verzinkten Eisentore sichtbares Holz erhalten. Dies wird durch eine Verblendung mit Eichenbohlen erreicht. Immerhin handelt es sich um ein seltenes geschichtliches Zeitzeugnis.

Trotz der tragenden Konstruktion aus Stahl sind die einzelnen Tore nun etwa eine Tonne leichter, als die Vorgängervariante. So konnte für den Wiedereinbau ein kleinerer mobiler Baukran eingesetzt werden.

Etwa 106 000 Euro wurden in die Komplettsanierung investiert, die zu 50 Prozent mit Fördermitteln vom Bund sowie vom Landkreis Elbe-Elster mit 15 000 Euro bezuschusst wurden.

Das Wasser soll zukünftig wieder kontrolliert durch die Tore fließen, womit eine Wasserstandsregelung auf den Landwirtschaftsflächen in der Umgebung des Kanals erreicht wird. Die verstellbaren Öffnungen in den Schleusentoren werden auch weiterhin manuell bedient. Zudem müssen die Tore einmal pro Monat geöffnet werden, um den sich ansammelnden Schlamm zu spülen. „Die neuen Eisentore werden weitaus länger halten, als die alte Variante“, ist sich Chris Heller sicher.