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| 01:06 Uhr

„Den Kopf frei bekommen und weiter denken“

Was hat Ihnen am zu Ende gegangenen Jahr am besten gefallen„ Dass wir trotz der schweren finanziellen Situation in der Stadt in der Lage waren, das eine oder andere Projekt anzuschieben oder sogar zu realisieren. Ich denke da zum Beispiel an die Schülerakademie in Domsdorf.

Zu Beginn des Jahres 2004 sah es nicht danach aus, als ob wir dort etwas bewegen können. Und nun wird schon bald die Übergabe des Objektes gefeiert. Man darf sich nicht von der negativen Stimmung mitreißen lassen, sondern muss versuchen, den Kopf frei zu bekommen und weiter zu denken.

Wo lagen die Schwerpunkte“
Beim Abarbeiten von Brandschutzauflagen in der Kindertagesstätte Wildgrube und in der Schule in Wahrenbrück ebenso wie in der Stadtsanierung in Uebigau. Letztgenannter Hauptbereich wird auch die nächsten Jahre noch unsere volle Aufmerksamkeit verlangen. Schwerpunkt war aber auch der Gewässertourismus.

Was hat aufgehalten„
Die Windkraftanlagen im Stadtgebiet, die haben uns viel Kraft gekostet. Wenn wir sie schon nicht verhindern können, dann soll die Stadt wenigstens einen Nutzen daraus ziehen können. Während wir vom Bauordnungsamt des Landkreises große Unterstützung erfahren haben, ließ uns das Land in dieser Hinsicht völlig im Stich.

Bei welchen Vorhaben sind Sie nicht vorangekommen“
Nur wenig vorangekommen sind wir mit den alten Stallanlagen in der Beiersdorfer Straße in Uebigau. Aber das hat nicht an uns gelegen. Die Eigentumsverhältnisse mussten erst einmal geklärt werden. Ich hoffe, dass es in diesem Jahr dort besser vorangeht und weitere Mittel dafür bewilligt werden.
Außerdem hatte ich schon 2003 die Absicht geäußert, ein Jugendparlament in der Stadt zu etablieren. Ich wünsche mir, dass die Jugendlichen mehr daran teilhaben, was sich im Stadtgebiet entwickelt. Aber das Interesse war nicht so groß. Ungeachtet dessen bleibt Jugendarbeit weiter für mich ein wichtiges Thema. Es wäre schön, wenn es gelingt, die Mädchen und Jungen weitgehend mit in das Leben der Ortsteile einzubeziehen.

Hatten Sie sich das gemeinsame Leben in der Stadt so vorgestellt„
Ich bin ohne Illusionen an die Arbeit herangegangen. Ich habe das Leben in der Stadt aktiv seit 1992 im Wahrenbrücker Bereich begleitet. Da konnte ich schon abschätzen, was machbar ist und was nicht. Gedanken mache ich mir darüber, wie man ein Stadtentwicklungskonzept auf die Beine stellt, das alle Ortsteile zusammenbringt. Man muss sich die Frage stellen: Welche Richtung wollen wir einschlagen“ Die Bildung eines gemeinsamen Fremdenverkehrsverbandes war dafür schon ein wichtiger Schritt. Insgesamt muss man sich jedoch für die Beantwortung dieser Frage ein paar Jahre Zeit lassen. Das kann man nicht übers Knie brechen.

Welche Erfahrungen aus Ihrem vorigen Berufsleben als Lehrer helfen Ihnen jetzt als Bürgermeister„
Ich habe den Umgang mit jungen Menschen gelernt. Schon damals musste ich Politik erklären. Wichtig ist es dabei, dass man keine Luftschlösser aufbaut und realistisch bleibt. Genau so ist es auch jetzt. Was ich damals theoretisch vermittelt habe, kann ich nun praktisch umsetzen. Man muss nur genügend Dialogbereitschaft mitbringen.

Mit welchen guten Vorsätzen starten Sie in das neue Jahr“
Man nimmt sich immer bestimmte Dinge vor. Ich will mich zeitig mit den Veränderungen der kommunalen Haushaltsführung beschäftigen. Auch wenn wir noch Zeit haben, will ich die ersten Schritte bereits in diesem Jahr angehen. Und ich will einen engen Kontakt zu den Unternehmen halten, Wirtschaftsförderung mehr in Hände der Stadt legen. In der Verwaltung soll ein Mitarbeiter speziell damit betraut werden.

Was steht kommunalpolitisch auf der langen abzuarbeitenden Liste„
Zuallererst der Haushaltsplan 2005. Aber ich bin kein Freund von voreiligen Handlungen. Erst einmal müssen konkrete Zahlen auf den Tisch, dann machen wir Nägel mit Köpfen. Ziel bleibt es, die Kreditbelastung herunterzufahren, um eigenen Spielraum zu bekommen.

Wie wird das Zusammenrücken der Ortsteile weiter gefördert“
Mindestens ein Mal pro Quartal soll es eine Zusammenkunft mit den Ortsteilbürgermeistern geben, bei denen sie ihre Sorgen loswerden. Dabei wachsen Verbindungen, werden Vorhaben besprochen.

Schaffen Sie es überhaupt, in jedem Ortsteil einmal im Jahr für die Einwohner als Ansprechpartner bereit zu stehen?
Ich gebe zu, das ist schwierig. Ich kann nicht überall sein, aber ich verstehe schon, dass die Bürger sich das wünschen. Doch das klappt nicht immer. Wir müssen uns die Arbeit in der Verwaltung oft aufteilen. Es ist nicht böse gemeint, wenn ich nicht persönlich überall erscheine, denn mein Terminkalender ist oft sehr voll.

Kurz und knapp Der oberste Stadtherr einmal ganz privat
Wie haben Sie es arrangiert, dass neben dem Job die Familie nicht zu kurz kommt„
Man muss sich zwingen, auch für die Familie genügend Zeit einzuplanen. Ich nutze meinen Tag deshalb möglichst effektiv. Auf die Frage: Was ich heute geschafft habe, möchte ich mir am Abend eine zufriedenstellende Antwort geben können.

Wie haben Sie die Feiertage verbracht“
Weihnachten in Familie und den Jahreswechsel mit Freunden aus der Partnerstadt Wadern in gemütlicher Runde.

Welches Buch lasen Sie zuletzt„
Gemeinsam mit meiner Tochter habe ich mir über die Feiertage das Hörbuch „Der Hobbit“ angehört. Da konnte man sich richtig entspannen, und es regte die Phantasie schön an.

Welches Hobby leisten Sie sich“
So oft es der Zeitplan zulässt, gehe ich joggen. Außerdem sind wir eifrige Saunabesucher und besitzen eine Familienkarte für das „Wonnemar“ .

Was würden Sie noch lernen wollen?
Die kaufmännische Buchführung. Die müssen wir ohnehin bald auch im Rathaus beherrschen.