Weil gut doppelt so viele Interessierte gekommen waren und diese zum Teil auch lange Anfahrtswege, zum Beispiel aus Spremberg, Torgau oder Meißen, in Kauf genommen hatten, wurden zwei Gruppen gebildet und diese neben dem Fledermausexperten Maik Korreng auch vom Leiter der Naturparkverwaltung Lars Thielemann geführt.

Etwa 25 Bunker der noch weit über 100 bestehenden Militäranlagen mit einer zusammengerechneten Lagerfläche von mehreren tausend Quadratmetern wurden in den letzten Jahren für Fledermäuse optimiert. Nach einer Begehung vor zwei Wochen wurden daraus insgesamt acht unter- und oberirdische Bunker für die zweieinhalbstündige Exkursion ausgewählt. Durch ihre noch verhältnismäßige Trockenheit und Kühle zeichnen sich die Bunker als Fledermauswinterquartier aus. Da sie innen sehr glatt sind und nur wenige Strukturen aufweisen, mussten die vorgesehenen Fledermausquartiere, zum Beispiel durch Hohlblocksteine, aufgewertet werden. Weil nicht selten die Eingangstüren der Bunker von Materialsammlern und Military-Fans gestohlen wurden, mussten auch die Zugänge modifiziert werden. Diese sollen den Fledermäusen uneingeschränkten und dem Menschen erschwerten Zugang ermöglichen und den Fressfeinden der Fledermäuse, den Mardern und Füchsen den Einlass möglichst ganz verwehren.

In der Muna Hohenleipisch konnten bisher die vier Arten "Braunes Langohr", "Graues Langohr", die "Breitflügelfledermaus" und die "Mopsfledermaus" nachgewiesen werden. Außer der Breitflügelfledermaus bekamen die Besucher die drei übrigen Arten zu Gesicht. Bisher sei wissenschaftlich noch nicht geklärt, ob Fledermäuse Winterschlaf oder Winterruhe halten, so Maik Korreng. Fest stehe, das die Fledermäuse ihre Herzfrequenz von ca. 600 Schlägen in der Minute im Winter auf etwa zehn Schläge herunter regulieren. Weil im Winter kaum ein Nahrungsangebot bestehe, fahren die Fledermäuse ihren Stoffwechsel herunter, damit sie nicht so viel Energie verbrauchen.

Neben den 25 Winterquartieren wurden 28 weitere künstliche Sommerquartiere mit Nistkästen aus Holz und Kunststoff geschaffen. Die Nistkästen in den Sommerquartieren sind in vier Sektionen des riesigen Bunkergeländes zu finden. Die Fledermäuse nutzen daneben in den Sommermonaten auch die offeneren und luftigen Bunkerhallen. Die künstlichen und durch ihre Bauart und Anbringung bewusst zugänglich gestalteten Kästen dienen zu dem der Registratur und Kontrolle. Das Platzangebot nutzen die Fledermäuse je nach Art zu Wochenstubenquartieren, zur Kolonienbildung, zu Paarungsquartieren und zu Zwischenquartieren für die Wanderung zwischen Sommer und Winterquartier. Daneben gebe es reine Männchenquartiere und gezielt angenommene Einzelquartiere.

So böse der Hintergrund zum Bau der Bunkeranlage auch war, hier wurde eine enorme Ingenieursleistung vollbracht und ein enormer Aufwand an Material und Energie betrieben. Trotz ihres ungenutzten und ungeschützten Status befänden sich die Bunker noch immer in einem verhältnismäßig guten baulichen Zustand. Ein ebenfalls hoher Aufwand an Energie wäre nötig, die Bunker heute wieder abzureißen. Nicht zuletzt durch den Schutzstatus der Fledermäuse wird mit einem weiteren Fortbestand der Bunkeranlagen für einen Zeitraum von 50 Jahren und darüber hinaus gerechnet, meint Maik Korreng.

Da es im Auftrag der Deutschen Bahn durch den Ausbau der nahe der Bunkeranlage verlaufenden Bahnstrecke Dresden-Berlin zu Baumfällmaßnahmen kommen wird und diese Ersatzmaßnahmen nach sich ziehen, sollen die dann vorhandenen Mittel für den weiteren fledermausgerechten Ausbau von Bunkern eingesetzt werden. Damit hoffe man, so Maik Korreng, weitere zwei Fledermausarten in den Bunkerwald nördlich von Hohenleipisch zu locken.