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Demenzbetreuung stark gefragt

In der Demenzwohngemeinschaft in der Elsterwerdaer Ackerstraße informiert Pflegefachkraft Michaela Sigmund (3. v. l.) die Landtagsabgeordneten der Linken Bettina Fortunato (l.), Diana Bader (3. v. r.) und Dr. Andreas Bernig (r.) über den Alltag der Bewohner. Die Struktur und die Aufgaben des Medis-Ärztenetzes erläutern die Geschäftsführer Marit Weber und Dr. Carsten Jäger.
In der Demenzwohngemeinschaft in der Elsterwerdaer Ackerstraße informiert Pflegefachkraft Michaela Sigmund (3. v. l.) die Landtagsabgeordneten der Linken Bettina Fortunato (l.), Diana Bader (3. v. r.) und Dr. Andreas Bernig (r.) über den Alltag der Bewohner. Die Struktur und die Aufgaben des Medis-Ärztenetzes erläutern die Geschäftsführer Marit Weber und Dr. Carsten Jäger. FOTO: Manfred Feller
Elsterwerda. Wenn Gemeindeschwester Agnes (Kraus) wüsste, dass ihre Arbeit bis heute in der Politik und der medizinischen Versorgung auf dem Lande mehr Fahrtwind verursacht, als sie einst mit ihrer rasanten Schwalbe. Während die resolute Schwester 1975 in dem sehenswerten Defa-Film gehandelt hat, wird mehr als 40 Jahre später immer noch über Sinnhaftigkeit und Machbarkeit diskutiert. Manfred Feller

Wie das Projekt Gemeindeschwester heute unter dem Namen "agnes zwei" funktionieren kann, darüber hat sich der sozialpolitische Arbeitskreis der Linksfraktion des Landtages am Montag im Heimatwahlkreis von Diana Bader bei Medis, dem Ärztenetz medizinischer Versorgung Südbrandenburg, Elsterwerda u. a. informiert.

Nach Auskunft von Dr. Carsten Jäger, er ist einer der drei Geschäftsführer, habe eine Schwester, die in einer Hausarztpraxis arbeitet, aus der Erfahrung heraus viel zu wenig Freiraum für die Arbeit als Gemeindeschwester - also arztentlastend bei den Patienten zu Hause tätig zu sein. Hier wurde jener Weg gewählt, Gemeindeschwestern nur für diese Aufgabe bei Medis anzustellen. Drei sind es derzeit, die im Raum Bad Liebenwerda/Elsterwerda tagtäglich ausschließlich im Auftrag der Hausärzte unterwegs sind.

Von den Landtagsabgeordneten auf die ärztliche Versorgung in dieser ländlichen Region angesprochen, sagt Dr. Carsten Jäger, dass diese bis auf Augenärzte theoretisch überversorgt sei. "Das spiegelt aber nicht den Bedarf wider", ergänzt er mit Blick auf den weiter wachsenden Anteil der älteren Bevölkerung. Die Abgeordneten der Linken kritisieren diese überholte Berechnung der Kassenärztlichen Vereinigung und verweisen auf teilweise lange Wartezeiten für einen Facharzttermin. Manch ein Patient nimmt weite Wege auch über Bundeslandgrenzen in Kauf, um überhaupt einen Termin zu bekommen.

Eine Medis-Gesellschaft widmet sich der Betreuung von Demenzpatienten und deren Angehörigen. Die zunächst angebotenen zwölf Plätze in der Demenz-Wohngemeinschaft in Elsterwerda waren sofort vergeben, die Warteliste lang. Weitere acht Plätze wurden in einer ehemaligen Pension in Biehla mit Unterstützung der Angehörigen geschaffen, die in diese Wohnform eingebunden werden, da es sich um keine vollstationäre Betreuung handelt. Weil der Bedarf anhaltend hoch ist, sei vorgesehen, ab 2018 zwei weitere Demenz-Wohngemeinschaften mit insgesamt 16 bis 18 Plätzen zu schaffen. Unterstützt wird die Arbeit in dieser Lebensfreude gGmbH von 70 ehrenamtlichen und geschulten Helfern, die keine Pflegeaufgaben übernehmen, sondern eine so bezeichnete niederschwellige Betreuung anbieten, wie spazieren gehen und beschäftigen. Geschult werden die Helfer, die jeweils für eine Familie die Bezugsperson sind, durch die Alzheimergesellschaft.

Ein weiteres Feld ist die spezialisierte ambulante Palliativversorgung. "80 Prozent der Menschen wollen zu Hause sterben. Real sind es aber nur etwa 20 Prozent. Bei uns sind es über 80 Prozent. Die Menschen, um die wir uns kümmern, sind sehr dankbar, aber es ist sehr aufwendig", weiß Dr. Carsten Jäger. Dieser nicht leichten Aufgabe in dem Medis-Palliativnetz widmen sich neun Palliativmediziner und mehr als 80 speziell geschulte Pflegekräfte aus den Pflegediensten.

Das Ärztenetz Medis ist ein Baustein in der ländlichen medizinischen Versorgung in der Region. Vor mehr als zehn Jahren ist es von Ärzten ins Leben gerufen worden. Von den 42 dem Netz angehörenden Haus- und Fachärzten sind 20 Gesellschafter.