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Dem Sturm folgt ein Nervenkrieg

Das Dach des Hauses von Grit Lehmann und Andreas Arlt in Theisa ist repariert. An den verheerenden Sturm vom Juni erinnern an dieser Straßenseite noch das fehlende Zaunfeld, die von den zwei umgestürzten Bäumen herausgerissenen Straßenborde und der nach wie vor beschädigte Gehweg.
Das Dach des Hauses von Grit Lehmann und Andreas Arlt in Theisa ist repariert. An den verheerenden Sturm vom Juni erinnern an dieser Straßenseite noch das fehlende Zaunfeld, die von den zwei umgestürzten Bäumen herausgerissenen Straßenborde und der nach wie vor beschädigte Gehweg. FOTO: Manfred Feller
Theisa. Seit dem Juni-Unwetter kämpfen Betroffene an Elbe und Elster mit Versicherungen. Bei manchen wurden Schäden schnell reguliert, andere warten entnervt. Manfred Feller

Zwei Monate nach dem verheerenden Orkan vom 22. Juni sind viele, aber längst nicht alle Schäden beseitigt. Im Süden des Landkreises Elbe-Elster waren Tausende Bäume entwurzelt worden oder gebrochen. Riesige Strommasten lagen zusammengefaltet am Boden und unzählige Gebäude waren beschädigt worden, teilweise schwer.

In Theisa erinnern vor allem durch umgestürzte Bäume beschädigte Wege und der zusammengetragene Berg Bruchholz auf dem Buswendeplatz noch an das schreckliche Unwetter.

Es scheint so, dass auch Grit Lehmann und Andreas Arlt wieder ruhig schlafen können. Das arg in Mitleidenschaft gezogene Dach des erst 2004 fertig gewordenen Hauses ist fachmännisch wieder hergestellt worden. Zwei mächtige Ahornbäume waren auf das Gebäude und das Grundstück gestürzt. Doch die Idylle auf dem gepflegten Anwesen täuscht.

Das Paar kämpft um sein Recht gegenüber der scheinbar allmächtigen Versicherung und deren beauftragten Sachverständigen. Um jeden auszulösenden Bauauftrag und jeden Euro müsse gerungen werden. "Dieser Bürokratismus bringt mich um", leidet Grit Lehmann nach wie vor unter dem zermürbenden Kleinkrieg. "Wir sind immer im Ungewissen, ob etwas reguliert wird oder nicht", ergänzt ihr Lebensgefährte. Beide gehen davon aus, dass sie so oder so unverschuldet auf Kosten in Höhe von einigen Tausend Euro sitzen bleiben werden.

Der von dem einen Baum teils schwer beschädigte Dachaufbau ist repariert - doch erst sechs Wochen nach dem Sturm. "Es hätte noch länger gedauert, wenn sich der Dachdeckerbetrieb Damasty aus Bad Liebenwerda nicht selbst bei der Versicherung bemüht hätte", lobt Grit Lehmann den Einsatz dieser Firma. Diese habe, trotz voller Auftragsbücher und noch bevor die Versicherung grünes Licht gab, auf eigene Kappe die verbesserte Notsicherung des Daches vorgenommen, weil das nächste Unwetter angekündigt war.

Das Dach ist zwar dicht, aber der mechanisch und durch Wasser beschädigte Trockenbau darunter muss raus. Möbel haben durch alle Etagen hinweg gelitten. Gestritten wird um die beschädigte Holztreppe ins Dachgeschoss. Um Folgeschäden durch eingedrungene Feuchtigkeit zu vermeiden, muss die Treppe laut einer Firma raus. Die Versicherung meine, diese geht zu reparieren.

Reguliert sind der erfolgte Wiederaufbau von zwei Feldern der rückwärtigen Grundstücksmauer und des Gartenhäuschens. Die Biokläranlage ist defekt, der Schaden noch nicht lokalisiert.

Damit der Sachverständige zufrieden ist, müssen die Hausherren stets mehrere Angebote einholen. Diese seien oft angeblich zu teuer. "Wir schämen uns, dies den Firmen immer wieder sagen zu müssen. Das belastet mich", sagt Grit Lehmann. "Die Versicherung arbeitet wahrscheinlich mit Handwerker-Stundensätzen, die uralt sind. Wir wären längst viel weiter", kritisiert sie die zeitraubenden Prüfungen und Abstimmungen zwischen Versicherung und Sachverständigem. Die noch offene Schadensregulierung bewege sich im fünfstelligen Bereich.

Enttäuscht ist das Paar vom Landesbetrieb Straßenwesen. Die umgestürzten Bäume seien zwar zügig entfernt worden, aber es habe keine Nachfrage gegeben, ob man helfen könne. Auf eine Entschuldigung wird bis heute gewartet.