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| 11:34 Uhr

Noch zu viele Lücken beim Elbe-Hochwasserschutz
Mühlberg fordert mehr Tempo beim Deichbau

 Deichbau an der Elbe im Großraum Mühlberg. Hier der Blick aus Richtung Elbe hinauf zu den Arbeiten an der Hochwasserschutzanlage bei Brottewitz.
Deichbau an der Elbe im Großraum Mühlberg. Hier der Blick aus Richtung Elbe hinauf zu den Arbeiten an der Hochwasserschutzanlage bei Brottewitz. FOTO: LR / Manfred Feller
Mühlberg. Das Land Brandenburg sieht sich bei Deichsanierung und Deichneubau an der Elbe im Raum Mühlberg auf der Zielgeraden. Die Stadt schaut dagegen mit Sorge auf die Verzögerungen. Von Manfred Feller

Deichsanierung und -neubau an der Elbe im Großraum Mühlberg befänden sich auf der Zielgeraden. So hieß ein Fazit, nachdem die Brandenburger Landesregierung im Juni in Elbe-Elster getagt hatte. Mühlberg Bürgermeisterin Hannelore Brendel zeigt sich über diese Feststellung „sehr erstaunt“. „Wenn wir auf die Elbdeiche schauen, kann von Zielgerade noch keine Rede sein. Besonders die Planung für den wichtigen Abschnitt Teilobjekt 4 steht noch nicht“, kritisiert sie. Dabei handelt es sich um ein fast fünf Kilometer langes Teilstück von der Seeschleuse Mühlberg bis Gaitzsch ganz im Süden an der Sachsengrenze, das knapp 16 Millionen Euro kosten soll. Wegen eines Formfehlers mussten die Planungsunterlagen überarbeitet werden.

Auch deswegen ist für Hannelore Brendel die Zielgerade noch ein ganzes Stück entfernt. Vielleicht liegt es auch nur an der Definition. Bei einem 400-Meter-Lauf liegt die Zielgerade auf dem letzten Viertel und bei einem 200-Meter-Lauf kommt sie nach der Hälfte der Strecke.

     Die Grafik veranschaulicht den Stand des Hochwasserschutzes entlang der Elbe im Landkreis Elbe-Elster. Einzelne Abschnitte sind fertig, im Bau oder in der Planung.
Die Grafik veranschaulicht den Stand des Hochwasserschutzes entlang der Elbe im Landkreis Elbe-Elster. Einzelne Abschnitte sind fertig, im Bau oder in der Planung. FOTO: LR / Elisabeth Wrobel

Kurt Augustin, Abteilungsleiter Wasser- und Bodenschutz im Brandenburger Umweltministerium, steht hinter der Aussage der Landesregierung, die diese eigentlich nur aus seinem Ressort haben kann.

Wie weit sind nun die Arbeiten vorangekommen? Das Verstärken des  Elbdeiches im Raum Mühlberg erfolgt in vier Teilobjekten. Bisher sind, so Kurt Augustin, etwa 6300 Meter der gut 20 Kilometer langen Hauptdeichlinie um Mühlberg fertiggestellt. Das erste Teilobjekt ist abgeschlossen. Es beinhaltet die 1,3 Kilometer lange Strecke zwischen Altbelgern und Strehla, die 2003 nach dem Hochwasser von 2002 erneuert wurde. „Außerdem wurde mit dem Polder Köttlitz eine Rückhaltemaßnahme mit einem Volumen von etwa fünf Millionen Kubikmetern eingerichtet. In diesem und im nächsten Jahr gehen diverse Deichabschnitte in die bauliche Umsetzung“, sagt Kurt Augustin.

 Der Deich bei Brottewitz besitzt einen befestigten Überlauf. Erreicht der Wasserstand der Elbe 8,5 Meter,  ergießt sich das Wasser in den neuen Polder Köttlitz zwischen Brottewitz und Mühlberg.
Der Deich bei Brottewitz besitzt einen befestigten Überlauf. Erreicht der Wasserstand der Elbe 8,5 Meter, ergießt sich das Wasser in den neuen Polder Köttlitz zwischen Brottewitz und Mühlberg. FOTO: LR / Manfred Feller

Für das Teilobjekt 2 auf 3700 Metern Länge zwischen Brottewitz/Martinskirchen und Altbelgern  werde derzeit der für das Jahr 2020 avisierte Baustart vorbereitet. Die Bauzeit betrage zwei Jahre. Kosten: 6,8 Millionen Euro.

Das Teilobjekt 3, das die meisten Deichabschnitte umfasse, stelle den gegenwärtigen Schwerpunkt in der baulichen Umsetzung dar. Im Bauabschnitt 3.1.1 zwischen den Mühlberger Ortsteilen Köttlitz und Brottewitz werde derzeit der Deich auf einer Länge von 1700 Metern neu trassiert und um zwei Siele zur Entwässerung in die Elbe erweitert. Die Baukosten betragen ungefähr sieben Millionen Euro.

 Der Hafen in Mühlberg. Die Hochwasserschutzwand vor den Wohnhäusern ist seinerzeit um einen Meter höher errichtet worden als das bislang höchste registrierte Hochwasser.
Der Hafen in Mühlberg. Die Hochwasserschutzwand vor den Wohnhäusern ist seinerzeit um einen Meter höher errichtet worden als das bislang höchste registrierte Hochwasser. FOTO: LR / Manfred Feller

Bei dem Baulos 3 im Teilobjekt 3 (Bauabschnitte 3.3.1 und 3.3.2), das unmittelbar südlich an das Stadtgebiet Mühlbergs anschließt, stehe der Baubeginn für die jeweiligen Abschnitte auf weiteren 1500 Metern Länge bevor.

„Mit Abschluss der laufenden und kurz bevorstehenden Baumaßnahmen werden etwa dreizehn Kilometer Hauptdeichlinie den aktuellen technischen Anforderungen und dem geltenden Bemessungshochwasser entsprechend fertiggestellt sein. Einem großen Hochwasser wie in den Jahren 2002 und 2013 werden die Deiche dann wesentlich besser standhalten“, versichert Kurt Augustin.

 Die kurze Ortsverbindung zwischen Altbelgern in Elbe-Elster und Strehla in Sachsen führt durch die sogenannte Deichscharte. Diese wird im Hochwasserfall geschlossen.
Die kurze Ortsverbindung zwischen Altbelgern in Elbe-Elster und Strehla in Sachsen führt durch die sogenannte Deichscharte. Diese wird im Hochwasserfall geschlossen. FOTO: LR / Manfred Feller

Weitere Abschnitte mit einer Länge von mehr als sieben Kilometern befänden sich derzeit in der Planung. Diese sei für das Teilobjekt 4 von der Seeschleuse Mühlberg bis Gaitzsch weit fortgeschritten. Für jenen etwa fünf Kilometer langen Abschnitt werde bereits das Planfeststellungsverfahren durchgeführt. Sobald dieses abgeschlossen sei, könne der Bau vorbereitet werden.

Ein weiterer rund zwei Kilometer langer Abschnitt auf der linken Elbseite befinde sich gegenwärtig in der Planung. Dabei müssen sich die entsprechenden Behörden von Brandenburg und dem Freistaat Sachsen abstimmen.

 An der Landesgrenze zu Sachsen nördlich von Altbelgern: Teilweise schützt eine Betonwand den Ort Strehla.
An der Landesgrenze zu Sachsen nördlich von Altbelgern: Teilweise schützt eine Betonwand den Ort Strehla. FOTO: LR / Manfred Feller

Bürgermeisterin Hannelore Brendel fordert, dass auf das Gaspedal gedrückt wird: „Wir Mühlberger sehen mit Sorge die bisherigen Verzögerungen beim Bau der Deiche. Im Hochwasserschadensfall wären nicht nur wir betroffen, sondern alle An- und Unterlieger im Überschwemmungsgebiet der Elbe.“ Sie geht davon aus, dass die Arbeiten noch acht bis zehn Jahre andauern werden. So lange möge das nächste Hochwasser auf sich warten lassen.

Die Elbe tangiert zweimal Brandenburg: in Elbe-Elster auf 23 und in der Prignitz auf 76 Kilometern.