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Mühlbergs Klosterkirche braucht Hilfe
Wenn das Glas aber nun ein Loch hat

Zwei Bleiglasfenster der Klosterkirche Mühlberg zieren die Stadtwappen von Uebigau, Liebenwerda, Mühlberg, Wahrenbrück, Ortrand und Elsterwerda.
Zwei Bleiglasfenster der Klosterkirche Mühlberg zieren die Stadtwappen von Uebigau, Liebenwerda, Mühlberg, Wahrenbrück, Ortrand und Elsterwerda. FOTO: Frank Claus / LR
Mühlberg. Eine Frage der Ehre - weshalb Pater Alois Briefe in die Rathäuser von Uebigau-Wahrenbrück, Bad Liebenwerda, Elsterwerda und Ortrand geschickt hat. Von Frank Claus

Sie kennen es alle, liebe Leser: „Wenn der Topp aber nun ’n Loch hat“ – das alte Volkslied lässt sich schnell auf Mühlbergs Klosterkirche ummünzen. Aber: In der Kirche hat nicht der Topp ein Loch. Dort sind es die Bleiglasfenster, und die haben gleich mehrere Löcher.

Ob wie im Lied nur der „liebe Heinrich, liebe Heinrich“ – ist damit Landrat Christian Heinrich-Jaschinski gemeint? – helfen kann, bleibt zudem anzuzweifeln. Die Schlussfolgerung allerdings trifft wieder ins Schwarze: „Stopp‘s zu …“

Pater Alois Andelfinger hat die Sache jetzt in die Hand genommen, sich hingesetzt und Briefe geschrieben. An die Bürgermeister von Uebigau-Wahrenbrück, Bad Liebenwerda, Elsterwerda und Ortrand. Warum nur an die?

Als zwischen 1901 und 1906 die Kirche umfangreich saniert wurde, erhielt sie auch „zwölf farbenprächtige Fenster, deren Beschaffung nur durch reiche Gaben hochherziger Spender ermöglicht wurde“, wie es in der Mühlberger Stadtchronik heißt. Sofort ins Auge fallen die fünf mit christlichen Motiven in der Hauptapsis. An der Südseite des Altarraums befinden sich jedoch zwei Fenster, die Touristen immer wieder zu Nachfragen ermuntern: „Wie kommen die Stadtwappen dort hinein?“

Gerd Günther von der Unteren Denkmalpflege klärt auf: „Das war in dieser Zeit im damaligen Kreis Liebenwerda so. Da hat man sich untereinander geholfen und das dann auch nach außen symbolisiert.“ Es gebe verschiedene Beispiele, erklärt er und verweist auch auf die Bleiglaselemente im Sitzungssaal der heutigen Kreisverwaltung.

In Mühlberg hat seit dem Einsetzen der Fenster keine Werterhaltung mehr stattgefunden. „Alle zwölf Fenster sind dringend sanierungsbedürftig“, hat Architekt Onno Folkerts eingeschätzt. Etwa 54 000 Euro seien in einem ersten Schritt nötig, weiß Pater Alois Andelfinger. Vordringlich seien die zwei Wappenfenster. Dort haben sich bereits Glasteile aus den Bleiglasrahmen gelöst. Die Halterungen der Fenster seien ebenso instabil. Am sichtbarsten wird das an Elsterwerdas Wappen. Dort verliert das Wappentier, die Elster, langsam ihr Gefieder.

Alois Andelfinger weiß, wie schwierig es kommunalrechtlich ist, von einer in die andere Gemeinde Geld zu schieben. Deshalb setzt er auf pfiffige Ideen. Wenn die Bürgermeister in ihren Gebieten um Spenden für eben jenen Zweck bitten würden, könnte der Beginn für die Sanierung gemacht werden. Die Untere Denkmalbehörde habe ihre Unterstützung versichert. Pater Alois Andelfinger: „Es wäre doch schön, der Zusammenhalt von damals könnte erhalten werden – auch sichtbar in diesen besonderen Wappenfenstern.“ Er hofft natürlich ebenso auf das Engagement von Mühlberger Bürgern und Unternehmen.

die Bleiglasfenster der Klosterkirche Mühlberg mit den Stadtwappen, unter anderem aus Uebigau, Elsterwerda, Bad Liebenwerda, sind beschädigt - Glasteile sind bereits herausgefallen
die Bleiglasfenster der Klosterkirche Mühlberg mit den Stadtwappen, unter anderem aus Uebigau, Elsterwerda, Bad Liebenwerda, sind beschädigt - Glasteile sind bereits herausgefallen FOTO: Frank Claus / LR
Die ab 1250 errichtete Klosterkirche in Mühlberg befindet sich seit 1983 im Besitz der Stadt.
Die ab 1250 errichtete Klosterkirche in Mühlberg befindet sich seit 1983 im Besitz der Stadt. FOTO: Frank Claus / LR