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| 08:46 Uhr

Debatte zum Elsterwerdaer Marktplatz
Ist der Markt schon die gute Wohnstube?

Noch nie waren die Sitzplätze auf der begrünten Spitze des Marktplatzes so gut belegt wie beim Classic-Open-Air.
Noch nie waren die Sitzplätze auf der begrünten Spitze des Marktplatzes so gut belegt wie beim Classic-Open-Air. FOTO: LR / Frank Claus
Elsterwerda. Die Diskussionen in Elsterwerda reißen nicht ab – auch nicht beim kürzlichen Classic-Open-Air. Von Frank Claus

Das Platanendach wird größer, die Grünfläche mit den Sitzmöglichkeiten nimmt Bild an – doch viele Elsterwerdaer und Gäste werden mit dem Markt scheinbar immer noch nicht warm. Die RUNDSCHAU sprach mit Bürgermeisterin Anja Heinrich (CDU).

Hat der neu gestaltete Markt Elsterwerdas Innenstadt anziehender gemacht?

Der Marktplatz ist neu gestaltet, das ist doch etwas Positives! Und Neues findet immer Befürworter und Kritiker. Es ist kein Geheimnis, dass ich einen anderen Vorschlag favorisiert habe. Ich habe mir einen Weinlaubengang um den Marktplatz gewünscht, mit schattengeschützten ausreichenden Sitzgelegenheiten. Damit hätte man dem Wunsch vieler Elsterwerdaer entsprochen, mehr Sitzgelegenheiten, mehr Grün und mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. Aber ich bin kein rückwärtsgewandter Mensch, sondern schaue nach den vor mir liegenden Aufgaben.

Haben sich Ihre Erwartungen nach dem Umbau erfüllt?

Meine ganz persönlichen nicht, aber darum geht es auch nicht. Es gab einen Mehrheitsbeschluss, der Markt wurde mit Fördermitteln neu geschaffen. Warum sollte man jetzt über das Für und Wider abgeschlossener Bauinvestitionen hadern? Aber, und das sage ich mit aller Deutlichkeit: Den Marktplatz Stück für Stück, trotz Fördermittelbindung, trotz bemessener Haushaltsmittel, trotz einer überdimensionierten, im Sommer sich aufheizenden Betonfläche zu qualifizieren, sollte unser Anspruch sein. Die Reparatur des Elsterbrunnens ist ein unerlässlicher Schritt.

Hält die Veranstaltungsplattform das, was sich viele davon versprochen haben? Oder wäre die Konzeptidee einer Freilichtbühne, wie von Ararat Haydeyan vorgeschlagen, nicht doch die bessere Variante gewesen?

Im Nachhinein finden sich doch immer Verbesserungsvorschläge. Manche davon werden wir auch in den kommenden Jahren umsetzen können. Die Bühne ist aus meiner Sicht nicht besonders gut nutzbar, aber sie gehört nun mal zu unserer Stadt. Entscheidend sind die Akteure, die Orchester, Ensembles, Theatergruppen oder Bands, deren künstlerisches Können und weniger die Plattform, auf der sie arbeiten.

Ist das „Bespielen“ der Plattform Sache der Stadt oder würden Sie sich mehr Initiativen wünschen?

Die Stadt Elsterwerda hat ganz klare Veranstaltungsformate, die noch ausgebaut gehören, darunter auch die Vermarktung des Marktplatzes, der Bühne und des Technikraumes. Formate, wie das alljährliche Open-Air-Konzert werden zu einem Alleinstellungsmerkmal in der Region qualifiziert und beständig. Wir haben im Landkreis Elbe-Elster mit der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“ eine der erfolgreichsten Musikschulen Deutschlands. Allein in Elsterwerda erleben wir eine lebendige, hoch qualifizierte und vor Ort engagierte Musikschule, deren Musikpädagogen so viel für unsere Stadt organisieren und besonders für unsere Jugend initiieren. Mit ihnen gemeinsam wird uns im Stadtzentrum, dazu gehört auch die Gestaltung und Nutzung des Stadthauses und dessen Ballsaal, viel Gutes gelingen.

Hätten Defizite, unter anderem eine flexible, attraktivere Beleuchtung, nicht schon in der Planung Beachtung finden müssen? Ist eine Nachrüstung denkbar?

Es gibt aus meiner Sicht einige Dinge, die dringend einer Überarbeitung und Neubetrachtung bedürfen. Ein neues Lichtkonzept ist für Markt und Bühne unabdingbar, um Veranstaltungen professionell gestalten zu können, aber auch, um dem Markt mehr Spannung und Aufenthaltsqualität zu ermöglichen.

Weshalb wird das kleine Multifunktionsgebäude so wenig genutzt?

Ich nehme an, vielen ist gar nicht bewusst, dass es nutzbar wäre. Es ist hervorragend ausgestattet und entspricht den technischen Voraussetzungen für Versorgung am Markt, insbesondere während der Marktplatzveranstaltungen.

Als es beim Classic-Open-Air dämmerte, fehlte die Beleuchtung und dass trotz wertintensiver, hochmoderner Leuchten, die dunkel blieben. Was sind die Gründe?

Noch nie in den Jahren zuvor war unser Open-Air-Konzert so erfolgreich, wie vor wenigen Tagen. Noch nie nahmen so viele Menschen mit Freude daran teil. Explizit diese Frage erscheint mir, als „würde man für jede Lösung ein Problem finden“. Das hilft unserer Heimatstadt nicht. Doch ich sagte es bereits, die Beleuchtung ist alles andere als optimal, das ist doch aber kein Hemmnis, sondern lösbar.

Anmerkung der Redaktion: Nach LR-Informationen sind Teile der Leuchten defekt, teils waren sie nicht entsprechend programmiert. Es gab Sorgen mit dem Hersteller. Die Probleme sollen nun aber gelöst werden.

Die Sitzgelegenheiten um die Baumscheiben werden wenig genutzt, warum?

Weil der Marktplatz an sich nicht ausreichend zum Verweilen einlädt! Ich werde jeden Unternehmer umfänglich unterstützen, der auf dem Marktplatz Freude hätte, ein Café zu eröffnen - mit Tischen, Stühlen und auch Sonnenschirmen. Und dann werden auch mehr Gäste die geschaffenen Sitzgelegenheiten auf der grünen Marktplatzspitze genießen.

Wie stehen Sie heute zu den Hochbeeten?

Der eigentliche Sinn erschließt sich kaum. Sie wurden mit Fördermitteln gebaut und es ist daher obsolet, darüber nachzudenken, sie wieder zu entfernen. Ich freue mich über die zunehmend Schatten spendenden Platanen und das Grün auf den Hochbeeten. Und wer sie als Liegewiese, als Sitzgelegenheit nutzen möchte, darf das gern tun.

Mit Anja Heinrich
sprach Frank Claus.

Marktplatz Elsterwerda Markt mit Veranstaltungsplattform
Marktplatz Elsterwerda Markt mit Veranstaltungsplattform FOTO: LR / Frank Claus
Auch diese beide Gäste bemängeln: „Einfach zu viel Beton, wobei die Blumen, die grüne Spitze und die Platanen schon schön sind. Vielleicht kann man den linken und rechten Teil noch mit einem grünen Pflanzen-Band teilen.“
Auch diese beide Gäste bemängeln: „Einfach zu viel Beton, wobei die Blumen, die grüne Spitze und die Platanen schon schön sind. Vielleicht kann man den linken und rechten Teil noch mit einem grünen Pflanzen-Band teilen.“ FOTO: LR / Frank Claus