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| 18:24 Uhr

Es geht nicht nur um 50 Cent
Gesundes Frühstück bereitet Bad Liebenwerda Bauchschmerzen

 Seit 2008 bereitet Iris Schmidt das „Gesunde Frühstück“ mit Unterstützung weiterer Helfer am Grundschulzentrum Bad Liebenwerda zu.
Seit 2008 bereitet Iris Schmidt das „Gesunde Frühstück“ mit Unterstützung weiterer Helfer am Grundschulzentrum Bad Liebenwerda zu. FOTO: LR / Frank Claus
Bad Liebenwerda. Debatte um die Kosten für das „Gesunde Frühstück“ in der Grundschule Bad Liebenwerda. Von Frank Claus

Es sieht lecker aus. In der Cafeteria des Grundschulzentrums Robert Reiss in Bad Liebenwerda sind die Tische gedeckt. In Scheiben geschnittene Äpfel, Bananen, Orangen, dazu ein weiterer Teller, auf dem wechselnd nach Saison Möhrchen, Gurken, Paprika und Tomaten-Häppchen liegen. Kleine Salatschalen stehen genau wie Getränke von Tee über Milch bis Saft am Tresen. Die Schnittchen sind abwechslungsreich mit Käse und Wurst belegt, einige auch mit Frischkäse oder Quarkaufstrichen.

Seit elf Jahren bereitet Iris Schmidt das „Gesunde Frühstück“, einst ein gefördertes Projekt und gern als ein „Alleinstellungsmerkmal“ der Grundschule bezeichnet, vor. Inzwischen nutzen es fast 170 der gut 400 Schüler an der Schule. Deshalb standen in den vergangenen Jahren Ehrenamtliche der „Morgenfee“ zur Seite, seit August unterstützt eine zusätzlich von der Stadt finanzierte Helferin.

Doch jetzt sorgt sich die Verwaltung um die Kosten für das „Gesunde Frühstück“ und auch den rechtlichen Status in der Haushaltsführung. Immerhin 73 000 Euro gibt die Stadt jährlich aus. 50 Cent schießen die Eltern pro Kind und Tag zu. Nun soll dieser Beitrag auf einen Euro verdoppelt werden. Im Sozialausschuss ist das kontrovers diskutiert worden.

Selbst bei einer Erhöhung auf einen Euro, so argumentiert die Stadt, zahle sie immer noch 64 Prozent der Kosten für eine Portion. Die Verwaltung habe zudem  ermittelt, dass es 43 Kinder gibt, „die Mittel aus dem Sozialfonds erhalten und somit als sozial benachteiligt gewertet werden können.“ Nur etwa 20 dieser Kinder würden das Versorgungsangebot wahrnehmen. Für Schulleiterin Monika Lehmann sind die genannten Zahlen eher eine Dunkelziffer. Sie vermutet, dass mindestens die doppelte Zahl an Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen kommt. Auch für sie wären Zuwendungen aus dem Sozialfonds gerechtfertigt. Und dann ist da noch das haushaltstechnische Problem: „Da die Stadt bei der Weiterführung des ,Gesundes Frühstücks’ wirtschaftlich tätig ist, wurde eine Angebotsabfrage durchgeführt, um gegebenenfalls einen regionalen Caterer zu finden (...). Diese Abfrage war leider erfolglos.“ Wenn die Stadt das Frühstück weiterhin anbieten wolle, müsse sie es „unter wirtschaftlichen und steuerlichen Gesichtspunkten neu aufstellen.“ Dieses Leistungsangebot müsse als „Betrieb gewerblicher Art“ angemeldet werden.

Die Vorsitzende des Fördervereins der Schule, Claudia Sieber (Die Linke), hat sich im Sozialausschuss gegen eine Verdopplung des Elternbeitrages gewandt. „Wir müssen nach anderen Finanzierungsquellen suchen“, meinte sie. Für Dr. Olaf Meusel, den Vorsitzenden der Schulkonferenz, kommt die ganze Debatte ziemlich unvermittelt. „Weshalb hat die Stadt das Thema nicht viel früher angesprochen“, fragt er. Der Ausgang der Entscheidung ist völlig offen. Im Hauptausschuss am 27. März und in der Stadtverordnetenversammlung am 10. April wird weiter debattiert.