ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:50 Uhr

Bad Liebenwerda
Das Ringen um einen Lift im Wonnemar

Der Pfeil zeigt den Standort, an dem der Lift im Mineralforum im Wonnemar in Bad Liebenwerda angedockt werden soll. Engagierte Kurstädter hatten sich auf dem Weihnachtsmarkt für die Investition eingesetzt und Glühwein und Punsch für den guten Zweck verkauft (kleines Foto).
Der Pfeil zeigt den Standort, an dem der Lift im Mineralforum im Wonnemar in Bad Liebenwerda angedockt werden soll. Engagierte Kurstädter hatten sich auf dem Weihnachtsmarkt für die Investition eingesetzt und Glühwein und Punsch für den guten Zweck verkauft (kleines Foto). FOTO: Frank Claus / LR
Bad Liebenwerda. Nach mehr als zwei Jahren ist eine Lösung für Behinderte und Patienten im Mineralforum in Bad Liebenwerda in Sicht.

Nach mehr als drei Jahre währendem Kampf scheint es nun geschafft: Die Lausitztherme Wonnemar in Bad Liebenwerda beabsichtigt den Einbau eines Lifts, der am großen Becken des Mineralforums installiert werden soll. Das bestätigt Susanne Ott, Marketingverantwortliche im Wonnemar. Dabei solle der Lift aus Spenden finanziert werden.

Doch wäre so ein Lift nicht ureigene Aufgabe des Wonnemar-Betreibers? Susanne Ott: „Bislang war der Bedarf eher gering. Von Gästen sind wir sehr selten darauf angesprochen worden.“ Deshalb sei auf die Investition verzichtet worden.

Was kaum einer weiß: Dabei hat das Wonnemar in einem Nebenraum des Mineralforums ein Bewegungsbecken für spezielle Behandlungen. Doch das ist seit der Eröffnung vor mehr als 13 Jahren noch nie genutzt worden. „Unmittelbar nach Fertigstellung sind die Parameter für ein solches Becken verändert worden. Wir haben dafür keine Zulassung durch die Krankenkassen erhalten“, sagt Susanne Ott.

Physiotherapeutin Kornelia Wenzel aus Bad Liebenwerda, die mit ihren Kolleginnen auch Rollstuhlfahrer betreut und auf den fehlenden Lift mehrfach aufmerksam gemacht hat, schildert die Situation: „Die Frauen haben große Probleme, schwergewichtige Patienten ins Wasser zu bringen und sie wieder herauszuholen.“ Sie erklärt, wie wichtig die Therapie im Wasser ist. Sie verfahre nach der sogenannten Halliwick-Methode, eine Wasser- und Schwimmtherapie auf neurophysiologischer Basis. Damit könne eine geistige Anpassung auf die Umgebung des Wassers erfolgen, spezielle Simulationen seien möglich und die Gewichtskontrolle könne verbessert werden, um Positionen kontrolliert zu halten und im Wasser zu verändern. Schwache Muskelgruppen können demnach gekräftigt und verspannte Muskeln gelöst werden. Durch den Auftrieb im Wasser erweitern Menschen, die ansonsten im Rollstuhl sitzen, ihren Bewegungsradius und entlasten den Stütz- und Bewegungsapparat. Insgesamt stärke der Aufenthalt im Wasser das Immunsystem und helfe, Atmung, Durchblutung, Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-System zu verbessern.

Dass es über Jahre nicht gelungen sei, einen Lift zu installieren, hat auch Reiko Mahler, Sascha Bärtich und Marko Däweritz, die seit vielen Jahren auf dem Bad Liebenwerdaer Weihnachtsmarkt Glühwein für einen guten Zweck verkaufen, auf den Plan gerufen. Ebenso hat Optikerin Doreen Weizsäcker an ihrem Stand Punsch für den gleichen Zweck verkauft. Ihr ironischer Protest war beim Weihnachtsmarkt unübersehbar: „Wir liften die Kurstadt - für barrierefreies Schwimmen“ hieß es auf einem Plakat. Sie alle wollten damit den Behindertenbeirat der Stadt unterstützen, der ebenso  wie die Physiotherapie Wenzel und der Abgeordnete Hagen Hentschel seit Jahren diesen Lift fordern.

Die Sitzung des Behindertenbeirates am Dienstag im Rathaus-Sitzungssaal haben Reiko Mahler und Doreen Weizsäcker genutzt, um insgesamt 1700 Euro vom Glühweinverkauf zu übergeben. Der Lift kostet jedoch mehr als 10 000 Euro, so Susanne Ott, Sie habe inzwischen Zusagen für weitere Spenden von der Physiotherapie, einem Sanitätshaus und der Wonnemar-Stiftung.

Jetzt werde geprüft, den Lift zu leasen. „Gegenwärtig wird über eine umfassende Modernisierung des Wonnemars beraten. Da ist ein Leasing möglicherweise besser, als jetzt viel Geld für ein Hilfsmittel auszugeben, das so später nicht mehr verwendet werden kann“, sagt Susanne Ott.

Diese Ansicht vertritt auch der Bad Liebenwerdaer Bürgermeister Thomas Richter (CDU). Er zeigte sich während der gestrigen 41. Sitzung des Behindertenbeirates der Stadt ziemlich ungehalten darüber, dass über so eine vergleichsweise kleine Investition jahrelang diskutiert werden muss. Bei der vorgesehenen großen Investition in das Wonnemar wolle man genau hinschauen, dass in der als Spaß- und Freizeitbad beworbenen Einrichtung auch die stark eingeschränkten Behinderten und älteren Besucher, die auf einen Lift angewiesen sind, diesen auch erhalten.

Die gesamte Runde war ziemlich aufgebracht, weil sie den aktuellsten Stand der Dinge im Wonnemar nicht kannte. „Ohne Therapeuten stehen wir auf dem Trockenen“, hieß es beispielsweise von einem Rollstuhlfahrer. Und die Frauen, die mit ihnen im Wasser arbeiten, haben es sehr schwer. Denn Patienten sind oft keine Leichtgewichte.

Den Worten von Ingrid Rokitte, Vorsitzende des Sprecherrates des Behindertenbeirates, war in der Sitzung zu entnehmen, dass dieses ehrenamtliche Gremium sich kaum noch einen Rat weiß. „Die Mitglieder sind bereit, vor dem Wonnemar zu demonstrierten“, sagte sie.

Dazu muss es nach der gestrigen Aussage aus der Freizeiteinrichtung augenscheinlich nicht mehr kommen. Ein Lift soll eingebaut werden. Die Betroffenen und alle, die dafür gekämpft und Spendengelder eingesammelt haben, hoffen, dass dies auch bald geschieht.

Dieses Therapiebecken im Wonnemar war noch nie in Betrieb. Veränderte Zulassungsbestimmungen der Krankenkassen hätten das verhindert.
Dieses Therapiebecken im Wonnemar war noch nie in Betrieb. Veränderte Zulassungsbestimmungen der Krankenkassen hätten das verhindert. FOTO: Frank Claus / LR
Am Dienstag tagte der Behindertenbeirat der Kurstadt im Rathaus. Betroffene, Therapeuten und Spender hoffen nun, dass der Lift kommt.
Am Dienstag tagte der Behindertenbeirat der Kurstadt im Rathaus. Betroffene, Therapeuten und Spender hoffen nun, dass der Lift kommt. FOTO: Manfred Feller / LR
Weihnachtsmarkt Bad Liebenwerda
Weihnachtsmarkt Bad Liebenwerda FOTO: Frank Claus / LR