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| 16:36 Uhr

Genialer Konzertabend in Bad Liebenwerda
Das musikalische 18. Jahrhundert blüht auf

Konzert begeistert das Premieren-Publikum FOTO: Veit Rösler
Bad Liebenwerda. Eine Betrachtung eines besonderen Konzertes von Stephan Creuzburg. Von Stephan Creuzburg

Junge Absolventen und Studenten der Musikkonservatorien in Den Haag und Amsterdam haben unter dem Namen „Das Neue Mannheimer Orchester“ ein Orchester gegründet. Dieser Name ist Programm, Auftrag und Verpflichtung zugleich, hat doch am Hofe des Kurfürsten Philipp von der Pfalz von 1743 bis 1778 eine Hofkapelle bestanden, die mit Recht als Mannheimer Schule in die Musikgeschichte eingegangen ist.

Unter Führung von Johann Stamitz (1717-1757) wurde dort ein Musikstil entwickelt, der revolutionär war. Die bis dahin herrschende Barockmusik mit ihren bedeutenden Vertretern Bach und Händel wurde abgelöst. Es wurden erstmals Stücke mit dem Begriff Sinfonie komponiert, die völlig anderen Regeln unterlagen. Drei oder vier Sätze mit Themen, unterschiedlichen Tempi, die als crescendo auch in der Lautstärke wandelbar waren und vieles andere mehr. Und das machte im wahrsten Sinn des Wortes Schule. Nach Mannheim strömten Musiker aus ganz Europa, unter anderen der junge Mozart und auch der in Berlin so erfolgreiche Carl Heinrich Graun.

Mannheim wurde zur Geburtsstunde der Musik, die sich dann nach Wien verlagerte und unter dem Namen „Wiener Klassik“ mit Haydn, Mozart, Beethoven und Brahms ihre herausragenden Vertreter hervorbrachte. Es ist das Verdienst dieser jungen Musiker, mit Studien zur Aufführungspraxis und dem Bestreben, noch unbekannte Meister dieser Zeit wieder zu entdecken und aufzuführen, diese Mannheimer Schule wieder mehr ins Blickfeld zu rücken. Da war dieses Konzert in Bad Liebenwerda geradezu ein Meilenstein!

 Erstes Konzert der Hofkapelle Elbe-Elster in Bad Liebenwerda: die Norwegerin May Kristin Svanholm Hegvold (l.) und die Niederländerin Tinka Pypker sorgen mit ihrem Gesang für Emotionen. Mehr Fotos: www.lr-online.de
Erstes Konzert der Hofkapelle Elbe-Elster in Bad Liebenwerda: die Norwegerin May Kristin Svanholm Hegvold (l.) und die Niederländerin Tinka Pypker sorgen mit ihrem Gesang für Emotionen. Mehr Fotos: www.lr-online.de FOTO: Veit Rösler

Es begann mit „Eine kleine Nachtmusik“ von Mozart, der am Sonntag seinen 263. Geburtstag begeht. Eine schöne Geste. Es ist eine Erfahrung, Mozart auf historischen Instrumenten zu hören. Cornelia Schönberg als Moderatorin des Abends wusste auch dazu sehr sachkundig Interessantes zu vermitteln. Natürlich wird das Strahlende ein wenig abgemildert, aber Takuto Takagisto, der japanische Konzertmeister, entlockte seiner historischen Violine so schöne Töne, wie natürlich die anderen Streicherinnen auch, dass da ein echtes Erlebnis entstand. Der Auftritt in historischen Kostümen machte dieses Musikjahrzehnt noch „runder“.

Mit ganz besonderem Beifall wurden die beiden Sopranistinnen Kristin Svanholm Hegvold und Tinka Pypker bedacht, die nach Johann Christian Bach (1735-1782), Georg Friedrich Händel, Carl Heinrich Graun, den völlig unbekannten Joseph Myslivecek, einen böhmischen Komponisten aus dieser Zeit, mit einem Duett aus einer Oper von ihm zu Gehör brachten. Besonders reizvoll, dass zwei Sopranistinnen mit doch unterschiedlichen Timbre so großartig harmonierten. Eine echte Bereicherung dieses Abends!

Mit der Sinfonie b-moll von dem berühmtesten Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel Bach (den Vater begann man schon zu vergessen!) klang das Konzert aus. Mit hör- und sichtbarer Freude wurde musiziert. Die musikalischen Kontraste wurden genussvoll durch die Streicher herausgearbeitet. Ensemble-Leiter Anders Muskens glänzte am Cembalo sehr überzeugend. Für die nächsten Konzerte sollte er aber ein größeres Instrument bekommen, damit die Qualität seines Spiels noch besser zur Geltung kommt.

Ganz großer Beifall, die Zugabe: natürlich „unser Carl Heinrich Graun“, dessen Pflege im Elbe-Elster-Kreis schon Alleinstellungsmerkmal geworden ist. Unsere so erfolgreiche Musikschule trägt seinen Namen, in Wahrenbrück steht sein Denkmal und wenn Bad Liebenwerda nun eine solche Anziehungskraft mit ihrem Wettbewerb ausübt, dass Europa hier zu Hause ist, dann ist dies Ergebnis einer kommunalen Kulturpolitik, die mit diesem Konzert Erfolg gefeiert hat und zugleich Ansporn ist. Landkreis Elbe-Elster: Hier spielt die Musik!

Konzert begeistert das Premieren-Publikum FOTO: Veit Rösler