| 02:44 Uhr

Das Millionending von Bad Liebenwerda

So kannten ihn die Kurstädter: Dr. h.c. Wolfgang Liebe in seiner Löwen-Apotheke.
So kannten ihn die Kurstädter: Dr. h.c. Wolfgang Liebe in seiner Löwen-Apotheke. FOTO: vrs
Bad Liebenwerda. Am Wochenende wird der älteste Apotheker Brandenburgs - er war 100 Jahre alt - in Bad Liebenwerda beigesetzt. Seiner Heimatstadt hinterlässt Dr. h.c. Wolfgang Liebe eine millionenschwere Stiftung, die sich sozialen Zielen widmet. Frank Claus

Auch nach dem Tod des Bad Liebenwerdaer Ehrenbürgers und mit der Ehrendoktorwürde geehrten Apothekers Wolfgang Liebe wird die Kurstadt weiter von ihrem geschätzten Ehrenbürger Unterstützung erfahren. Grund dafür ist die gemeinnützige und mildtätige Dr.-h.c.-Wolfgang-Liebe-Stiftung - eine Bürgerstiftung für Bad Liebenwerda.

Sie ist Alleinerbin des am 1. August dieses Jahres im Alter von 100 Jahren verstorbenen Apothekers Wolfgang Liebe und ist Ende 2012 von ihm mit einem Stiftungsstartkapital von 450 000 Euro gegründet worden. Da die Stiftung Alleinerbin von Apotheker Liebe geworden ist, erhalte sie nun auch den Erlös aus dem Verkauf der Löwen-Apotheke und auch das Privatvermögen des Pharmazierates. Am Ende beträgt das Stiftungskapital dann in etwa das Vierfache des Startkapitals. Das bestätigt Rechtsanwältin Karin Kohler, die als Testamentsvollstreckerin des Nachlasses von Apotheker Liebe fungiert. Bis zum Tod hat Wolfgang Liebe selbst als Vorstand fungiert, nun bilde die Rechtsanwältin vorübergehend zusammen mit Wolfgang Liebes Stieftochter Renate Richter den Vorstand der Stiftung. Gegenwärtig würden die Vorbereitungen zur Bildung eines Stiftungsrates laufen. Die Liebe-Stiftung hat ihren Sitz in Bad Liebenwerda.

Die Stiftung habe drei Stiftungszwecke. Gefördert werden sollen aus den Erträgen die Altenhilfe, die Bildung von Kindern und Jugendlichen und bürgerschaftliches Engagement.

Die Stiftung solle dazu beitragen, so Rechtsanwältin Karin Kohler, "Schwierigkeiten, die durch das Alter entstehen, zu verhüten, zu überwinden und zu mildern". Alten Menschen solle die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft möglich sein. So sei beispielsweise schon die Tätige Gemeinschaft e.V., die in Bad Liebenwerda unter anderem eine Seniorenwohnstätte errichtet hat, in den vergangenen Jahren gefördert worden. "Darüber haben wir uns sehr gefreut", sagt Petra Laborge vom Vorstand des Vereins. Die Apotheke am Bad Liebenwerdaer Rossmarkt hat mit Dr. Cornelia Krauße, die in Riesa die Anker-Apotheke und in Gröditz die Röder-Apotheke betreibt, eine neue Besitzerin. "Ich fühle mich geehrt, dass ich die Arbeit von Apotheker Liebe fortführen kann und verspreche allen Kunden der Löwen-Apotheke Kontinuität und Service", wird die Fünfzigjährige in einer Pressemitteilung zitiert. Sie habe demnach mit der Dr.-h.c.-Wolfgang-Liebe-Stiftung einen Kaufvertrag über die Löwen-Apotheke abgeschlossen. Alle Mitarbeiter in Bad Liebenwerda würden von der Käuferin übernommen. Geplant sei die Übergabe zum 30. September dieses Jahres. Gegenüber der RUNDSCHAU bestätigte die promovierte Naturwissenschaftlerin den Kauf. An ihren bisherigen zwei Standorten beschäftige sie 15 Mitarbeiter.

Die Trauerfeier für den verstorbenen, ältesten Apotheker Brandenburgs, findet am 9. September um 13 Uhr in der St. Nikolaikirche Bad Liebenwerda statt. Die Trauerrede hält Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter. Den Verabschiedungsgottesdienst gestaltet Pfarrer Torben Linke. Die Urne werde nach der Feierstunde vorbei an Wolfgang Liebes Elternhaus, der ehemaligen Löwen-Apotheke, zum Stadtfriedhof überführt, wo sie im kleinen Kreis in der Familiengrabstätte beigesetzt werden soll. Wer seinen Dank für das Wirken von Wolfgang Liebe ausdrücken möchte, könne - auch statt Blumen und Kränze - an die Stiftung spenden: Apotheker Liebe-Stiftung, IBAN: DE69101201001700007490.

Zum Thema:
Stiftungen wirken mit den Erträgen ihres Vermögens. Das Prinzip ist einfach: Ein Stifter möchte sich langfristig für einen Zweck engagieren und bringt dazu sein Vermögen in eine Stiftung ein. Wer eine Stiftung errichtet, trennt sich für immer von seinem Vermögen. Die Stiftung legt das ihr übertragene Vermögen sicher und gewinnbringend an. Die so erwirtschafteten Überschüsse werden für den gemeinnützigen Zweck ausgegeben. Das gestiftete Vermögen selbst muss als Grundkapital der Stiftung erhalten bleiben. Denn eine Stiftung ist für die Ewigkeit gedacht und kann nicht aufgelöst werden. Den Zweck bestimmt der Stifter, wenn er die Stiftung errichtet. Es gibt mehr als 21 000 rechtsfähige Stiftungen in Deutschland. Die Dr.-h.c.-Wolfgang-Liebe-Stiftung wird von der Stiftungsaufsicht des Landes Brandenburg, dem Innenministerium in Potsdam, beaufsichtigt.