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| 10:44 Uhr

Es ist nicht mehr zu retten
Hoppenz  – ein Stück Geschichte geht

 Gesellschaftshaus Hoppenz:  Fast wie heute, aber ein Bild aus dem Jahr 1930.
Gesellschaftshaus Hoppenz:  Fast wie heute, aber ein Bild aus dem Jahr 1930. FOTO: Stadtarchiv Elsterwerda
Elsterwerda. Schon 1840 vergnügten sich die Menschen in dem traditionsreichen Gasthaus in Elsterwerda. Etliche Liebesgeschichten nahmen hier ihren Anfang. Und jetzt das Ende. Das sind die Pläne für das Areal. Von Frank Claus

Es ist nicht mehr zu retten. Jedenfalls nicht mehr mit seiner einstigen Nutzung als beliebtes Tanzlokal. Das Gesellschaftshaus Hoppenz in Elsterwerda wird abgerissen. Damit verschwindet ein Haus, das viele Elsterwerdaer und Einwohner aus dem Umland auf besondere Weise in ihrem Herzen tragen. Es ist die Tanzdiele, auf der Menschen die Liebe ihres Lebens fanden. Es ist die Stätte unzähliger Partynächte in der Jugend, es ist ein Ort, an dem legendäre Ostbands auf der Bühne standen. Renft, Elektra, Monokel, Lift, die Party-Kapellen der jeweiligen Generationen und so manch legendär gewordener Diskjockey an den Reglern hat dort aufgelegt. Und dann war da 1978 jenes Konzert mit City, das wegen zu wenig Strom aus der Dose und in Berlin gelassener Musiktechnik vier Stunden später begann und eins der Ausgefallensten wurde.

Ein Mann, der viel darüber weiß, ist der ehemalige Elsterwerdaer Rockmusik-Spezialist Hartmut Helms. In seinen Erinnerungen schrieb er zum Tod von Renft wunderbar treffend über das, „sein“ Gesellschaftshaus:

„Mit dessen Klaus-Renft-Combo verbinde ich frühe Erinnerungen an wilde Tanzabende im verräucherten Saal vom Gesellschaftshaus Hoppenz. Die alte Hütte in Elsterwerda, stets voll bis unter die Galerie und von unten kroch der beißende Geruch der Toilette nach oben. Wir haben getrunken, geraucht und manch vorsichtige Körperberührungen im Gewühl ausprobiert, während vorn die „Magic Carped Ride“ aus den Boxen donnerte. Meist saß ich oberhalb der Toilette auf der Galerie. Von dort aus konnte man das Geschehen auf der Bühne am besten beobachten und der dichte Zigarettenrauch hat den beißenden Geruch verdrängt. So etwas vergisst man nicht mehr, auch nicht im Herbst seines Lebens, denn solche Momente haben mich geprägt.“

 Was geblieben ist vom einst so beliebten Gesellschaftshaus Hoppenz in Elsterwerda: Das Dach über dem Saal ist bereits eingestürzt, eine Nutzung als Tanzdiele unerwünscht. Das Ende ist besiegelt. Die RUNDSCHAU nimmt das zum Anlass, Sie, liebe Leser, noch einmal nach Ihren Erinnerungen zu befragen. Was verbinden Sie mit Hoppenz? Schreiben Sie an red.elsterwerda@lr-online.de oder rufen zwischen 14 und 15 Uhr an: 0171 8396990.
Was geblieben ist vom einst so beliebten Gesellschaftshaus Hoppenz in Elsterwerda: Das Dach über dem Saal ist bereits eingestürzt, eine Nutzung als Tanzdiele unerwünscht. Das Ende ist besiegelt. Die RUNDSCHAU nimmt das zum Anlass, Sie, liebe Leser, noch einmal nach Ihren Erinnerungen zu befragen. Was verbinden Sie mit Hoppenz? Schreiben Sie an red.elsterwerda@lr-online.de oder rufen zwischen 14 und 15 Uhr an: 0171 8396990. FOTO: LR / Jens Berger

Das Gesellschaftshaus ist die Nachfolge-Einrichtung des Schießhauses, das es dort schon Mitte des 18. Jahrhunderts gibt. 1840 wird mit Carl Pethke in den Unterlagen des Stadtarchivs zum ersten Mal der Name eines Betreibers des Schießhaus-Restaurants genannt. Es folgen weitere: Wilhelm Kieksch und schließlich 1870 Johann Hoppenz, seinerzeit hochherrschaftlicher Diener am sächsischen Hof und Eigentümer des Gebäudes. Er lässt 1884 den Saal anbauen und den Schriftzug Gesellschaftshaus Hoppenz anbringen. Später wird die Bühne vergrößert, werden Toiletten und Garderoben eingebaut. Ab 1928 führt Enkel Fritz Hutschenreuter das Haus weiter. Er lässt eine Kegelbahn und eine Gartenterrasse anbauen. Nach dem Krieg erhält das Haus 1945 als erstes wieder eine Ausschankgenehmigung. Nach dem Tod von Fritz Hutschenreuter im Jahr 1975 geht es in den Besitz der Stadt über. Es wird wieder modernisiert. Die Lausitzer Rundschau schreibt im Jahr 1984 mehrfach von einem „Schmuckstück“.

 Was ist in all den Jahren in diesem Saal geschwoft, geküsst und „gehottet“ worden!
Was ist in all den Jahren in diesem Saal geschwoft, geküsst und „gehottet“ worden! FOTO: Stadtarchiv Elsterwerda

Auch die Wende überlebt das Haus, allerdings nicht mehr lange. Hartmut Hutschenreuter, der Sohn von Fritz, erhält das Haus zurückübertragen, kann es gegen den Widerstand in der Stadt allerdings nicht halten. 1996 findet die letzte Tanzveranstaltung statt. Alle Versuche, das Haus wiederzubeleben, scheitern. Knapp 200 Unterschriften gehen 2002 ein. Anlieger wehren sich nicht nur gegen Lärm, der von der einstigen Kult-Tanzdiele ausgeht. Immer wieder würden auch ihre Häuser und Grundstücke von heimtorkelnden Partygästen beschädigt. „Wir oder die Disko“, setzen sie schließlich die Stadt unter Druck. Folge: Das Gebäude verfällt in der Zwischenzeit immer weiter. Auch ein Versuch, es 2001 zur Seniorenresidenz umzubauen, scheitert mit der Begründung: „Es gibt keinen Bedarf.“

Nun also ist das Aus besiegelt. Die Vorbereitungen für den Abriss in diesem Frühjahr sind im Gange. Wie Bauamtsleiter Uwe Schaefer erklärt, habe sich die Stadt bemüht, das Objekt, das längst zum „städtebaulichen Missstand“ geworden sei, abzureißen. Das Städtebauministerium habe eine Förderung in Aussicht gestellt – allerdings nur dann, wenn es eine sinnvolle, den städtischen Entwicklungszielen entsprechende Nachnutzung gäbe. Gefördert würde keinesfalls zu 100 Prozent und damit verbundene Wertsteigerungen des Grundstücks seien gegenzurechnen. Nach jetzigem Planungsstand sollen dort etwa 20 Wohnungen gebaut werden.

 Zeitungsausschnitt
Zeitungsausschnitt FOTO: LR / Frank Claus