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Das Foto-Märchen vom bösen Wolf

FOTO: dpa
Pießig. Ein unerklärlicher Vorfall mit einem angeblichen Wolfsangriff auf einen Hund im Sonnewalder Ortsteil Pießig entpuppt sich als glatte Lügengeschichte zu einem Foto. Die RUNDSCHAU erklärt hier, wie es dazu kam. red

So hat ein Mann aus Sonnewalde dem RUNDSCHAU-Kollegen die Geschichte erzählt: Ein junger Wolf sei in sein Wohngrundstück eingedrungen und habe einen Hund angegriffen. Die Bewohner hätten den Hund retten, das Raubtier aber nur mit Mühe verscheuchen können. Klingt unglaublich, und ist auch gelogen - was das nebenstehende Foto betrifft.

Dieses Bild zeigte der Sonnewalder aus dem Ortsteil Pießig dem Journalisten auf dem Handy. Er habe das Foto in seinem Garten geknipst, "am Montagabend" dieser Woche soll das angeblich gewesen sein. Mit dieser ungewöhnlichen Story, die der skeptische Journalist auch kaum glauben mag, geht der LR-Kollege zu Dr. Reinhard Möckel.

Der anerkannte Wolfsexperte beim Naturschutzbund kann sich das angebliche Verhalten des Tieres und den vermeintlichen Angriff auf einen Hund nicht erklären. Er zweifelt allerdings nicht daran, dass das Tier auf dem vom Sonnewalder gezeigten Bild ein Wolf ist.

Das stimmt auch, das Bild zeigt einen echten Wolf. Nur: Das Foto ist bereits mehr als sieben Jahre alt und zuerst von der Deutschen Presse-Agentur am 12.10.2009 veröffentlicht worden - mit dem Hinweis, dass dieses Bild damals auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow in Sachsen-Anhalt gemacht wurde. Dies hat die RUNDSCHAU herausgefunden, nachdem einige Leser kritisch auf Facebook nachgefragt und die Aktualität des Fotos bezweifelt hatten.

Die RUNDSCHAU hat den Sonnewalder nun mit diesen Vorwürfen und dem Originalbild konfrontiert. Daraufhin gab dieser am späten Donnerstagabend den Foto-Betrug zu: Er habe das Bild aus dem Internet kopiert. Also ein großes Foto-Märchen vom bösen Wolf in Pießig.

An dieser Stelle bitten wir um Entschuldigung, dass wir zunächst auf den Wolfsfoto-Trick des Sonnewalders hereingefallen sind. Den bekannten Wolfsexperten trifft auf jeden Fall keine Schuld daran, denn er hatte von Anfang an Zweifel an der Darstellung der Wolfsattacke geäußert und den Verdacht gehegt, es könne sich um ein manipuliertes Bild handeln. Wörtlich: "Ich stehe vor einem Rätsel. So eine Geschichte von einem Wolf hat es noch nie gegeben."

Update-Hinweis der Redaktion, 13.10.2016, 22:45 Uhr: Der Link zu diesem Artikel führte ursprünglich auf den Beitrag mit der Überschrift "Mysteriöse Wolfsattacke in Elbe-Elster", der am 13.10.2016 seit 19 Uhr online war. Wir haben den Artikel geändert, weil er auf den oben genannten Falschangaben eines Mannes aus Sonnewalde basierte.