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| 18:54 Uhr

Schraden feiert Mehrfachgeburtstag
Ball fällt aus 1000 Metern auf Schraden

 Der Festumzug in Schraden mit 32 Bildern war sehenswert. Allerdings fand er am frühen Sonnabendnachmittag bei annähernd 30 Grad Celsius statt. Da lassen sich die Senioren mit Sonnenhut und Schirm lieber im Wagen fahren.
Der Festumzug in Schraden mit 32 Bildern war sehenswert. Allerdings fand er am frühen Sonnabendnachmittag bei annähernd 30 Grad Celsius statt. Da lassen sich die Senioren mit Sonnenhut und Schirm lieber im Wagen fahren. FOTO: Mirko Sattler
Schraden. Schraden feiert an einem Wochenende gleich zwei Geburtstage: 90 Jahre Gemeinde und 70 Jahre Sport. Dazu rollt ein Festumzug mit 32 Bildern durch das Dorf. Von Mirko Sattler

Mit dem Spiel der Lausitzer Legenden von Energie Cottbus gegen die Alten Herren vom TSL 03 begann am Freitagabend das dreitägige Sport- und Dorffest in der Gemeinde Schraden im Amt Plessa. Gefeiert wurden die Gründung der Gemeinde vor 90 Jahren und 70 Jahre Sport.

In diesem Jahr  brachte nicht der Schiedsrichter das runde Leder zum Anstoßpunkt auf dem frisch gemähten Rasen, er flog vielmehr mit Matthias Oppelt am Fallschirm aus 1000 Metern Höhe fast punktgenau auf den Platz. Der mit mehr als 3000 Sprüngen erfahrene Fallschirmspringer vom Aeroclub Schwarzheide legte den Ball spielfertig ab. Die zahlreichen Zuschauer dankten dem Sportler mit Applaus für dessen Leistung.
Wie schon im vorigen Jahr dürfen die Kinder der Kita die Spieler auf das Spielfeld führen. Der dreijährige Ruben findet es „cool“. „Ich habe es schon einmal gemacht“, strahlt der kleine Schradener. Mutti Riccarda Habermann steht derweil am Spielfeldrand und schaut sehr genau, wie ihr Spross sich anstellt. „Es ist eine schöne Gelegenheit, die Kinder frühzeitig mit dem Sportverein vertraut zu machen“, kommentiert die Schradenerin. Sie selbst gehört dem Dorf- und Sportverein nicht an, der mit den anderen Vereinen und Gruppen das Fest anlässlich der beiden Jubiläen vorbereitet hat.

Von den etwa 500 Einwohnern des Ortes sind 63 Mitglied im Dorf- und Sportverein. „Wir haben den Verein 2009 gegründet, um Leben ins Dorf zu bringen und die Zusammengehörigkeit zu fördern“, sagt der Vorsitzende Michael Jung. Seit 2010 kann der kleine Ort sogar wieder eine Männerelf im Fußball vorweisen. „Schradener Einwohner sind an uns heran getreten, um eine Mannschaft zu gründen. Heute spielen jedoch nicht nur Einwohner mit. Es kommen auch Spieler unter anderem aus Hirschfeld und Lindenau. Wir spielen in der 1. Kreisklasse Südbrandenburg und sind dort im unteren Tabellendrittel zu finden. Für eine eigene Kindermannschaft reicht es noch nicht. Der Nachwuchs spielt in den Kinder- und Jugendmannschaften in der Umgebung“, weiß Michael Jung.

 Die Kinder des Dorfes dürfen die Lausitzer Fußball-Legenden und die Gastgebermannschaft aus Schraden auf das Feld begleiten.
Die Kinder des Dorfes dürfen die Lausitzer Fußball-Legenden und die Gastgebermannschaft aus Schraden auf das Feld begleiten. FOTO: Mirko Sattler

Sportliche Aktivitäten in Schraden hat es schon weit vor der Vereinsgründung gegeben. Doch wie sich später beim großen Festumzug herausstellte, wurden insgesamt nicht 160 Jahre gefeiert, sondern 350. Der Kindergarten kann auf eine 50-jährige Geschichte zurückblicken und die evangelische Kirchgemeinde sogar auf 140 Jahre.

Mit 32 liebevoll zusammengestellten Bildern und vorbei an hübsch dekorierten Grundstückseinfahrten beginnt dann bei sengender Hitze am Sonnabend der bunte Festumzug. „Die Bilder stellen einen Querschnitt unseres gesamten Ortes dar. Angefangen vom Sportverein über den Jugendclub und die Kita bis hin zur Feuerwehr und zu Privatleuten ist alles vertreten“, verrät Bürgermeister Olaf Redlich.

Erste Spuren menschlicher Besiedlung im Gebiet der heutigen Gemeinde Schraden stammen aus der Bronzezeit, die in der Gemarkung von Kaupen und im Jahre 1956 nahe der Oberförsterei Buschhaus gefunden wurden. 1879 wurde das Gebets- und Schulhaus an der Landstraße nach Frauwalde von Freiherr Karl Eduard Zachariae von Lingenthal errichtet. Er wollte Schradenkindern den Besuch des Schulunterrichts und den Erwachsenen die Teilnahme am Gottesdienst erleichtern.

 Mit eigenen Umzugswagen präsentierte sich auch der Schradener Sport bei der Fahrt durch das Dorf. Für alle gab es Applaus vom Straßenrand.
Mit eigenen Umzugswagen präsentierte sich auch der Schradener Sport bei der Fahrt durch das Dorf. Für alle gab es Applaus vom Straßenrand. FOTO: Mirko Sattler

Doch wie lebt es sich heute in Schraden? „Es ist schon ruhig hier. Manchmal zu ruhig. Doch wer genau das sucht, der ist hier richtig“, meint zum Beispiel Sonja Pfeiffer. Mit ihrer Mutter Anita Grafe und ihrer Tochter Riccarda Habermann hat sie es sich unmittelbar neben der Gaststätte gemütlich gemacht und schaut dem Festumzug zu.

Allgemein bedauert wird, dass es im Ort hier keine Einkaufsmöglichkeit und keinen Landarzt mehr gibt. Lediglich dienstags und freitags komme noch ein Bäckerauto, erwähnt die 88-jährige Anita Grafe. Sie führte einst das Gasthaus in Schraden. Dieses ist seit gut fünf Jahren geschlossen. Wer sich jedoch in Schraden an die Ruhe gewöhnt habe, der bleibe, heißt es noch.
Mit einem bunten Programm aus Sport und Kultur wird dann noch bis Sonntagabend gefeiert. Der Fußball steht dabei ganz weit vorn.