Von Frank Claus

Den Traum von einer Brücke, die die Elbe überspannt und die zu ungehinderten Verbindungen zwischen Sachsen und Brandenburg führt, haben die Mühlberger schon seit Generationen geträumt. In den 1920er Jahren wurden erste Ideen geäußert, wenige Jahre später gründete sich sogar ein Brückenbauverein, der bis 1935 existierte und zwischendurch eine Bauzeichnung vorgelegt hatte, die eine etwa 500 Meter lange Brücke vorsah.

Doch richtig konkret mit dem Brückenbau wurde es erst im Jahr 2004. Da unterzeichneten die Länder Brandenburg und Sachsen ein Verwaltungsabkommen, das den Bau und eine jeweils anteilige Finanzierung vorsah. Im März 2006 war es dann soweit: Rammschlag mit Sachsens damaligem Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, Thomas Jurk, und dem einstigen Brandenburger Verkehrsminister Frank Szymanski (beide SPD). Die RUNDSCHAU titelte damals: „Rammschlag mit Untertönen“. Denn während die übergroße Mehrheit der Mühlberger mit dem Neubau der Elbebrücke zuallererst Hoffnungen auf neue Wirtschaftsansiedlungen und eine bessere Wahrnehmung ihrer Stadt verband, befürchteten Brücken-Gegner, dass die Idylle der Elblandschaft dauerhaft gestört würde.

Der Bau selbst verlief nicht ganz reibungslos. Schuld daran war das später berühmt gewordene „Auge von Mühlberg“, der besondere konstruktive Brückenpfeiler, der statische Nachberechnungen nötig machte. Nicht wie geplant Ende 2007, sondern erst ein Jahr später, genau am 22. Dezember 2008, wurde die neue Elbebrücke mit großem Menschenandrang und einer Brücken-Zeitung der RUNDSCHAU durch die damaligen Minster Thomas Jurk und Reinhold Dellmann (Bradenburg/SPD) übergeben. Gleichzeitig wurde am selben Tag der Fährbetrieb mit der Gierseilfähre eingestellt. Touristiker hätten sie gern behalten, wirtschaftlich darstellbar war das nie.

Und noch einen Haken hatte die Freigabe: Während die Sachsen den Anschluss an die Staatsstraße 182 fertig hatten, mussten die Mühlberger noch bis Juli 2012 warten. Erst dann wurde die 2,5 Kilometer lange und knapp fünf Millionen Euro teure L-66-Netzergänzung, von Mühlbergs Bürgermeisterin zur „Route 66“ getauft, freigegeben. Die 690 Meter lange Mühlberger Elbebrücke (Torgau 509 Meter) hat 24 Millionen Euro gekostet, wobei Sachsen elf und Brandenburg 13 Millionen Euro dazusteuerten.

Und wie sehen die Mühlberger die Elbebrücke heute? Auch wenn neue Wirtschaftsansiedlungen nicht erzielt werden konnten, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Corinna Brandt: „Mit der Brücke hat Mühlberg eine Umgehungsstraße erhalten, die insbesondere den Schwerlastverkehr aus der Innenstadt verbannt hat. Der schon zu Fährzeiten bestehende Einkaufs- und Ausflugsverkehr der Mühlberger gen Sachsen, aber auch der Sachsen nach Mühlberg, hat sich durch die rund um die Uhr nutzbare Straßenverbindung zweifelsohne erhöht. Die Bürger sind stolz auf das ,Auge von Mühlberg’ und möchten die zeitsparende Möglichkeit nächstgrößere Städte beziehungsweise die Autobahn zu erreichen nicht mehr missen.“

Vor allem der Lieferverkehr zur Zuckerfabrik Brottewitz profitiert von der Elbebrücke. „Von unseren etwa 350 Landwirten, die uns beliefern, kommen etwa 100 aus Richtung Döbeln und Oschatz. Da sie anteilig an der Frachtkostenbestellung beteiligt sind, macht sich das für sie bemerkbar“, so Werner Stohr, Leiter der Rübenabteilung. Und er sieht die Mühlberger entlastet. „Seit der Freigabe der Brücke und der L 66 donnern die Laster nicht mehr durch die Stadt.“

Die ganz großen Effekte gibt es für Elbekies Mühlberg nicht, „da wir zu 90 Prozent per Schiene liefern und die verbleibenden Lkw meist in Richtung Berlin rollen“, so Werkleiter Ralf Göhringer. „Aber einige Mitarbeiter, die aus Sachsen kommen, und vor allem Tourismus und Einkaufen profitieren davon.“

Einen Leserbeitrag von Katrin Brunk zum Jubiläum können Sie hier lesen.

Gedanken zu zehn Jahre Elbebrücke Wäre das Jubiläum nicht eine kleine Feier wert?

Mühlberg