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Kunstliebhaber aufgehorcht!
Paukenschlag: Dali im Schloss Doberlug

Angekommen! Privatsammler Helmut Rebmann hat am Sonnabend Teile seiner hochkarätigen Dali-Sammlung ins Museum im Schloss Doberlug gebracht. Babette Weber, die Leiterin des Museumsverbundes Elbe-Elster, und Dr. Torsten Lehmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter (r.), zeigen einige Stücke.
Angekommen! Privatsammler Helmut Rebmann hat am Sonnabend Teile seiner hochkarätigen Dali-Sammlung ins Museum im Schloss Doberlug gebracht. Babette Weber, die Leiterin des Museumsverbundes Elbe-Elster, und Dr. Torsten Lehmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter (r.), zeigen einige Stücke. FOTO: Veit Rösler
Doberlug-Kirchhain. Surrealist trifft auf Renaissance-Schloss: Das Museum Schloss Doberlug zeigt ab dem 7. April für drei Monate rund 140 Originalarbeiten des spanischen Künstlers Salvador Dalí. Von Frank Claus

Ein Chaostag auf Straße und Schiene - ein Glückstag für Schloss Doberlug: Seit 8 Uhr wartet Babette Weber (46), Leiterin des Museumsverbundes im Elbe-Elster-Land, wie vereinbart am Samstagmorgen auf eine wertvolle Fracht. Eisige Temperaturen, glatte und schneeverwehte Straßen verzögern jedoch die Ankunft. Mit 120 Minuten Verspätung trifft die heiß ersehnte, hochkarätige Sonderausstellung dann doch ein. Eher unspektakulär. Verpackt in einem Pkw-Kombi mit Anhänger. Ein Typ mit langen Haaren und in Harley-Davidson-Outfit klettert aus dem Auto, gibt sich locker und lacht freundlich. Es ist Helmut Rebmann (69), Privatsammler aus Schwieberdingen (Baden-Württemberg). Etwa 630 Kilometer entfernt ist er in der Nacht gegen 1.30 Uhr gestartet. Dichtes Schneegestöber, gefährliche Straßenverhältnisse und mehr als 20 Kilometer Fahrt hinter zwei Streuwagen haben ihren Tribut gefordert. Er gehe gern an seine Grenzen, interpretiert er die vergangenen Stunden.

 Im Gepäck hat Helmut Rebmann 140 Einzelstücke, darunter die begehrten Salvador-Dali-Kunstwerke samt Werbe-Staffellagen, Bücher und Stellwände. Sicher bugsiert er Fahrzeug und Anhänger durch den engen, halbrunden Torbogen in den Innenhof des Schlosses. Wer nun im Kofferraum des Kombis und auf der Ladefläche des Anhängers massive Transportkisten erwartet hatte, in denen die Kunstwerke gut gepolstert lagern, irrt. Die Ölbilder und Grafiken sind in dicke Folie geschlagen, dafür aber gut gegen Verrutschen gesichert. Stück für Stück werden sie ausgeladen und in den Fahrstuhl gebracht. Einzelstücke sollen bis zu 80 000 Euro wert sein.

„Hoffentlich bekommen wir die alle unter“, meint Museumsleiterin Babette Weber im Westflügel des Schlosses. Insgesamt 50 laufende Meter Stellwände hat Helmut Rebmann selber noch mitgebracht. Salvador Dali, der im Jahr 1904 geboren wurde und 1989 verstarb, war eine schillernde Figur der Kunstgeschichte jener Zeit. Babette Weber hat sich ausführlich mit seinem Lebenswerk beschäftigt. „Er war ein ebenso herausragender Künstler wie begnadeter Selbstvermarkter.“ Neben den Gemälden des Spaniers, dessen surrealistische Welt aus schmelzenden Uhren oder Menschen mit überlangen Gliedmaßen und Schubladen im Körper sich fest ins kollektive Bildgedächtnis eingeprägt hat, steht ein ebenso umfangreiches Illustrationswerk.

Dalí illustrierte einige der bekanntesten literarischen, mythologischen und religiösen Texte und schuf damit Hommagen für die Dichter Dante, Cervantes und Rabelais sowie für viele andere literarische Meisterwerke. Sein unkonventioneller Umgang mit den druckgrafischen Techniken ist dabei legendär. So schoss er für die Lithografieserie zu Don Quichotte de la Mancha mit Musketen auf die Lithosteine, ließ Frösche über sie hüpfen, Eier darauf fallen oder ließ die Steine rotieren.

Über die Sammlung von Hannelore Neumann und Helmut Rebmann weiß Babette Weber, dass sie eine der umfangreichsten Privatsammlungen der Arbeiten Salvador Dalis in Deutschland ist. Zu ihr gehören Ölbilder auf Leinwand, Grafikzyklen, Zeichnungen, grafische Platten und räumliche Objekte. In seiner mittlerweile mehr als 30 Jahren andauernden Sammlungstätigkeit habe Helmut Rebmann zudem eine Expertise erworben, die es ihm ermöglicht, als Gutachter für die Arbeit Dalis zu arbeiten.

Über seine Liebe zu Dali hat er vor zwei Jahren gegenüber der Stuttgarter Zeitung erzählt: „Wenn ich einen Dalí anschaue, entdecke ich auch nach 20 Jahren noch was Neues. Das ist unheimlich faszinierend.“ Sobald er Geld gehabt hatte, habe er es sofort in Dalís angelegt. Den Gesamtwert seiner Sammlung könne er nicht genau sagen: „auf jeden Fall siebenstellig“. Derzeit plant er für seine Sammlung ein Privatmuseum auf Teneriffa. Den Kern der mehr als 500 Werke umfassenden Sammlung Rebmann macht die Grafik aus, darunter ein Zyklus zu „Don Quichotte de la Mancha“ und Druckplatten zur „Göttlichen Komödie“, Grafiken des Zyklus „Tour de France Cycliste“, ein Umschlagentwurf für Dalis Roman „Verborgene Gesichter“, Arbeiten zu Dantes „Göttlicher Komödie“ und Interpretationen von Goyas Capricen. 140 Originale sind nun bis zum 10. Juli in den Westflügel des Doberluger Schlosses eingezogen.

Wertvolle Fracht im Kofferraum und Auspacken bei eisigem Wind. Der Sammler aus Baden-Württemberg ist mit Pkw samt Anhänger angereist.
Wertvolle Fracht im Kofferraum und Auspacken bei eisigem Wind. Der Sammler aus Baden-Württemberg ist mit Pkw samt Anhänger angereist. FOTO: Veit Rösler