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| 17:10 Uhr

Zirkussaison endet
Kurstadtgrün schmeckt den drei Elefanten

Hardy Weisheit, Wildtierexperte im Circus Afrika, versichert, jeden Tag mit den Elefantendamen Gandhi, Tonga und Moja spazieren zu gehen - ohne Kette am Fuß und zügelnde Hilfsmittel. Die Tiere können sich ähnlich der natürlichen Umgebung ihrer Vorfahren am Wildwuchs bedienen.
Hardy Weisheit, Wildtierexperte im Circus Afrika, versichert, jeden Tag mit den Elefantendamen Gandhi, Tonga und Moja spazieren zu gehen - ohne Kette am Fuß und zügelnde Hilfsmittel. Die Tiere können sich ähnlich der natürlichen Umgebung ihrer Vorfahren am Wildwuchs bedienen. FOTO: LR / Manfred Feller
Bad Liebenwerda. Circus Afrika gastiert mit vielen Tieren in Bad Liebenwerda. Das gefällt nicht jedem. Von Manfred Feller

Seit Dienstag früh um 3 Uhr ist nach langer Zeit wieder ein Zirkus in der Stadt. Nach kurzer Pause beginnt der Aufbau von Circus Afrika aus Thüringen. Bereits am Vormittag steht das große Zelt für die 40 Tiere vom Kamel über das Dromedar bis hin zu Lama, Alpaka, Zebra, Pferd und Pony. Drinnen und draußen sind Gatter aufgebaut. Pfleger karren frisches Stroh in die Boxen. Das alles ist Knochenarbeit – bis hin zum Aufbau des 800 Sitzplätze fassenden Chapiteaus.

Die eine Hälfte des Zirkusprogramms besteht nach Auskunft von Hardy Weisheit aus Artistik und Clownerie, die andere aus Tierdressuren. Mit dabei sind die drei afrikanischen bzw. asiatischen Elefantendamen Tonga, Moja und Gandhi. Sie bedienen sich in aller Ruhe an den Blättern der Bäume und lassen sich beim Spaziergang mit ihrem Dresseur nur mit Worten dirigieren.

Vor allem an den Elefanten als markante Zirkustiere erhitzen sich immer wieder die Gemüter. Erste sächsische Städte haben auf ihren kommunalen Flächen Gastspiele mit Wildtieren untersagt, obwohl oberrichterlich bereits anders geurteilt worden war. In Bad Liebenwerda sei ein Verbot bislang nicht thematisiert worden, so Bürgermeister Thomas Richter. Er geht davon aus, dass die meisten Tiere ohnehin nicht aus der freien Wildbahn stammen, sondern zum Beispiel in Zoos gezeugte Nachkommen sind. „Wenn die Tiere ordnungsgemäß gehalten werden, habe ich keine Bauchschmerzen“, verweist er auf gesetzliche Auflagen. „Tierquälerei lehne ich allerdings ab“, meint Thomas Richter auch privat gehaltene Tiere. Jeder müsse selbst entscheiden, welche Art von Zirkus er besucht.

Die Tierschutzorganisation Peta bittet gar die Bürgermeister der Auftrittsstädte, keine kommunalen Flächen an Wildtierzirkusse zu vermieten. In diesem Fall seien die Elefanten verhaltensgestört und würden körperliche Leiden haben.

Bei derartigen Vorwürfen wird Hardy Weisheit als anerkannter Wildtierexperte, wie er versichert (seine Frau Johanna ist Zirkusdirektorin), ungemütlich und deutlich in der Wortwahl. „Peta verbreitet Lügen. Seit 15 Jahren verfolgen die uns“, wehrt er sich und meint, dass die Methoden dieser Tierschützer überprüft gehören. „Ein Auto muss alle zwei Jahre zum TÜV. Unsere Tiere stellen wir jede Woche dem Veterinäramt vor“, heißt es weiter. In Privathaushalten würden Vögel in Käfigen und Hunde ohne Auslauf geduldet. Ganz zu schweigen von Massentierhaltung und größeren Tiertransporten.

Im Tierzelt stehen die Vierbeiner in getrennten Gattern auf einer Strohunterlage. Aufbau und Haltung sind teils schwere Handarbeit.
Im Tierzelt stehen die Vierbeiner in getrennten Gattern auf einer Strohunterlage. Aufbau und Haltung sind teils schwere Handarbeit. FOTO: LR / Manfred Feller

Bernd Ruske, amtlicher Tierarzt im Veterinäramt des Landkreises Elbe-Elster und verantwortlich für den Tierschutz, wird auch den Circus Afrika unangemeldet kontrollieren. So lange er dies mache, habe er noch keine Verstöße gegen den Tierschutz festgestellt. „Die Leute sind offen, zeigen uns alles“, sagt er. Kontrolliert werden Unterbringung, Hygiene, Futtervorrat, Tiergesundheit, Pflege und Transportwagen. „Die Zirkusse sind die am meisten kontrollierten Unternehmen. Die können sich nichts leisten“, stellt er fest.

Hardy Weisheit hofft, dass wieder so viele Besucher wie beim vorherigen Gastspiel in Bad Liebenwerda kommen. Immerhin leben 20 Personen von dem Zirkus. Diese Saison mit der anhaltenden Hitze sei wirtschaftlich schwierig gewesen. Auch wenn in der Landwirtschaft das Futter knapp sei, habe der Zirkus einen Vorrat von zehn Tagen. 500 Euro seien dafür täglich auszugeben. Gern können Tierfreunde Äpfel, Gemüse, Heu und Stroh vorbeibringen.

Die Vorstellungen: Mittwoch um 16 Uhr, Donnerstag spielfrei, Freitag und Sonnabend um 16 Uhr, Sonntag um 11 Uhr.

Die nächsten Stationen sind Riesa und Herzberg sowie vom 22. Dezember bis zum 6. Januar der Weihnachtszirkus in Plauen mit erweitertem Programm.