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Im Blickpunkt: Kirche Elsterwerda-Biehla
Verjüngungskur für die Rentnerkirche

Die letzten Flügel der Kirchenschifffenster in Biehla sind ausgebaut und werden von der Holzwerkstatt Haferland in Finsterwalde aufgearbeitet. Die Fenster sind währenddessen provisorisch verschlossen. Silke Hauptvogel, Vorsitzende des Bauausschusses im Gemeindekirchenrat Elsterwerda, informiert sich bei den Handwerkern Frank Schiemann-Hülle, Mirko Mielke und Azubi Arthur Assel. Rechts der große Weihnachtsbaum, der bei den Biehlaern ein Muss ist.
Die letzten Flügel der Kirchenschifffenster in Biehla sind ausgebaut und werden von der Holzwerkstatt Haferland in Finsterwalde aufgearbeitet. Die Fenster sind währenddessen provisorisch verschlossen. Silke Hauptvogel, Vorsitzende des Bauausschusses im Gemeindekirchenrat Elsterwerda, informiert sich bei den Handwerkern Frank Schiemann-Hülle, Mirko Mielke und Azubi Arthur Assel. Rechts der große Weihnachtsbaum, der bei den Biehlaern ein Muss ist. FOTO: Manfred Feller / LR
Elsterwerda-Biehla. Obwohl die markante Christuskirche auf dem Winterberg in Elsterwerda-Biehla noch jung an Jahren ist, werden mehrere 100 000 Euro in den Granitbau investiert. Von Manfred Feller

Die evangelische Christuskirche auf dem Hang des Winterberges in Biehla, hoch über Elsterwerda, gehört zu den attraktivsten und jüngsten Bauten im Kirchenkreis Bad Liebenwerda. Nach sechs Jahren Bauzeit am 1. Advent 1961 von Bischof Jänicke eingeweiht, ist es ein modernes Gottes- haus. Und doch sind die wenigen Jahrzehnte nicht spurlos an ihr vorübergegangen.

Der Mangel zu DDR-Zeiten und die nicht immer gute Qualität der Materialien machen Investitionen notwendig. So sollen bis zum Weihnachtsfest die acht großen Fenster des Kirchenschiffes mit jeweils sechs Flügeln aufgearbeitet sein. Die Holzoberfläche wird so behandelt, dass sie viele Jahre hält und ansehnlich wirkt. Die Fachleute der Holzwerkstatt Haferland aus Finsterwalde verwenden dafür pigmentiertes Öl als Abschluss.

Die Altvorderen haben sich bei dem Bau etwas gedacht. Die Flügel sind gegen das Vertauschen nummeriert und herausnehmbar, lobt Mirko Mielke. Dies erleichtere die Arbeit ungemein. „Das Holz der Fenster ist noch gut erhalten. Es muss nichts ersetzt werden“, sagt er.

Allerdings sind einige der nicht klaren Scheiben defekt und auszutauschen. Sie sind mundgeblasen. Keine sieht mit ihren Lufteinschlüssen wie die andere aus. Jede weist andere Farbnuancen auf. „Wenn die Sonne hindurchscheint, ergibt das einen tollen Effekt und verleiht dem Kirchenschiff einen besonderen Glanz“, schwärmt der Handwerker. Die einfach verglasten Fenster erhalten zudem einen Vorsatzrahmen mit Wärmeschutzglas und Hinterlüftung.

Bereits fertig sind die zwei runden Fenster der Orgelempore, jene im Vorraum und im Turm. Das farbige Motivfenster wird später aufgearbeitet.

Die Finsterwalder Tischler haben Erfahrungen mit Kirchenbauten und im Denkmalschutz. Für die Stolzenhainer Kirche sind die Fenster ebenfalls in Arbeit. In Saathain wurden die Türen aufgearbeitet und in Falkenberg beides. Besondere Aufträge waren Fenster des Görlitzer Rathauses und das Erneuern der Schiebetüren zum Thoraschrein der Synagoge in der Grenzstadt.

Die Fenster der Biehlaer Christuskirche gehören bereits zum zweiten Bauabschnitt mit vielen anderen Arbeiten. Diese kosten zusammen mehr als 250 000 Euro. Die Landeskirche hat nach Auskunft von Silke Hauptvogel, Vorsitzende des Bauausschusses im Gemeindekirchenrat Elsterwerda sowie Mitglied im Bau- und Finanzausschuss des Kirchenkreises Bad Liebenwerda, 150 000 Euro überwiesen. 87 000 Euro gab der Kirchenkreis dazu. 20 000 Euro sind Eigenmittel der Gemeinde.

„Wenn wir im Kirchenkreis etwas sanieren, dann machen wir es komplett“, lässt sich Silke Hauptvogel auf halbe Sachen nicht ein. Im ersten Bauabschnitt sind bereits 210 000 Euro verbaut worden. Auch daran beteiligten sich Landeskirche und Kirchenkreis.

Das Dach ist mit neuen Biberschwänzen eingedeckt worden. Die alten waren von schlechter Qualität und in den 1980er-Jahren schon durch Doppelrömer aus Beton ersetzt worden. Doch auch die haben nicht gehalten. Dachsteine brachen und sorgten in der Kirche für Wasserschäden.

Drinnen zeigt sich das junge Gotteshaus ohnehin modern. Der große Gemeinderaum wurde dennoch baulich auf Vordermann gebracht. Und aus der Wohnung wurden Schulungsraum und Büro. Der nun behindertengerechte Sanitärbereich entspricht heutigem Standard.

Doch damit nicht genug. An der absolut desolaten, steilen Straße hinauf zum Gotteshaus kann die Kirchgemeinde nichts ändern. Damit die Gläubigen, vor allem die Älteren mit dem Auto vor der Kirche bleiben können, sollen in Abstimmung mit dem Denkmalschutz weitere Stellplätze (dann sind es insgesamt zehn) geschaffen werden.

Im nächsten Jahr soll zudem damit begonnen werden, die Elek- trik im Kirchenschiff zu erneuern, die Schadstellen im Putz auszubessern und zu malern. Sorgen bereitet hingegen die Stützmauer auf dem Kirchhof. Sie weist Risse auf.

Die Granitfassade der Kirche sieht immer gut aus. „Die hält ewig“, meint Silke Hauptvogel.

Erbaut worden ist das Gotteshaus binnen sechs Jahren von gestandenen Maurern unter der Leitung von Baumeister Richard Bernsdorf aus Biehla. Weil fast nur Ältere dieses Werk vollbracht haben, wird die Kirche auch „Invalidendom“ und „Rentnerkirche“ genannt. Dies treffe aber nicht auf die Aktivitäten zu. Nun möchte sich sogar eine junge Gemeinde gründen.

Termine in der Kirche Biehla: Heiligabend, 22 Uhr, musikalische Christvesper. Silvester, 14 Uhr, Gottesdienst und Verabschiedung von Pfarrer Kersten Spantig.

Das farbige Motivfenster müssen sich die Handwerker noch vornehmen.
Das farbige Motivfenster müssen sich die Handwerker noch vornehmen. FOTO: Manfred Feller / LR
Die Christuskirche in Biehla ist ein markanter Bau der Neuzeit. Dafür wurden rund 700 Tonnen des roten Meißner Granitsteines vermauert.
Die Christuskirche in Biehla ist ein markanter Bau der Neuzeit. Dafür wurden rund 700 Tonnen des roten Meißner Granitsteines vermauert. FOTO: Manfred Feller / LR