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| 17:13 Uhr

Landtagswahl 2019
Genilke und Rick sollen es packen

CDU-Kreisparteitag zur Nominierung der Landtagskandidaten: Der Kreisvorsitzende Michael Stübgen (Mitte) gratuliert den nominierten Kandidaten Rainer Genilke (50, Wahlkreis 36, l.) und Dr. Sebastian Rick (34, Wahlkreis 37).
CDU-Kreisparteitag zur Nominierung der Landtagskandidaten: Der Kreisvorsitzende Michael Stübgen (Mitte) gratuliert den nominierten Kandidaten Rainer Genilke (50, Wahlkreis 36, l.) und Dr. Sebastian Rick (34, Wahlkreis 37). FOTO: LR / Frank Claus
Finsterwalde. CDU nominiert bei Kreisparteitag ihre Landtagskandidaten. Thomas Boxhorn tritt nicht an. Von Frank Claus

Mit einem klaren Ergebnis – 98 von 104 Stimmen (95,15 Prozent) – wird Mandatsinhaber Rainer Genilke (50) von der Kreis-CDU ins Rennen geschickt, um bei der Landtagswahl im September 2019 erneut das Direktmandat im Wahlkreis 36 (Altkreis Herzberg plus weite Teile Altkreis Finsterwalde) zu holen. Er hatte beim Kreisparteitag am Freitagabend in der Gaststätte „Alt Nauendorf“ in Finsterwalde keinen Herausforderer.

In seiner Antrittsrede erklärt er weniger, was er alles anpacken will, sondern nutzt die Chance zur Abrechnung mit dem Regierungslager. „Wir haben in diesem Land entscheidend Zeit verloren“, meint er angesichts gescheiterter Kommunalreform, liegen gebliebenem Rettungsdienstgesetz, unfertigem Polizeigesetz – „Wir hatten mal 9000 Polizisten und 120 Fahrzeuge; jetzt haben wir noch 8000 Beamte und 85 Fahrzeuge, die im Einsatz sind. Die übrigen können nicht mehr besetzt werden.“ – sowie noch immer großen Defiziten in der Infrastruktur: „Brandenburg bekommt pro Jahr gerade mal zwei Projekte zur Baureife“.

Der Historiker Dr. Sebastian Rick (34) aus dem Schradenland hat sich mit 65 Stimmen (64,36 Prozent) gegen die Erzieherin Ute Lubk (50) aus Lausitz (36 Stimmen; 35,64 Prozent) im Wahlkreis 37 (Altkreis Bad Liebenwerda, Stadt Doberlug-Kirchhain und Amt Elsterland) durchgesetzt. Der vom Ortsverband Doberlug-Kirchhain einstimmig nominierte Landtagskandidat Thomas Boxhorn hat es vorgezogen, nicht zu kandidieren. Er ist zum Kreisparteitag erst gar nicht erschienen. „Ich will mich nicht verbrennen lassen“, meint er nach den Anfang vergangener Woche stattgefundenen Gesprächen mit dem Finsterwalder CDU-Stadtchef Rainer Genilke. „Da hat er mir erklärt, dass die Finsterwalder den Kandidaten Rick unterstützen wollen“, so Thomas Boxhorn, der wesentlicher Initiator des erfolgreichen CDU-Aschermittwochs und des Jungunternehmervereins ist. Zugleich ist er aber auch Kommunalpolitiker, der gern mal aneckt – gerade erst wieder mit seinem Vorstoß zur Erweiterung der Stadthalle Doberlug-Kirchhain anstelle eines Neubaus einer Stadthalle in Finsterwalde. Ihm liegt es schwer im Magen, dass „der Stadtverband, der zur vergangenen Kommunalwahl die meisten Stimmen für die CDU geholt hat“ wieder nicht zum Zuge kommt. Ob Ute Lubk angetreten wäre, wenn sie von den Vorabsprachen gewusst hätte? Sie setzt in ihrer Vorstellungsrede auf ihre soziale Kompetenz, ihre Bodenständigkeit und die Fähigkeit, Menschen zuhören zu können. Kirchlich tief verwurzelt glaube sie an die Werte von Familie, Heimat und Zukunft und endet mit einem Paulus-Zitat: „Niemand suche das Seine, sondern was dem anderen dient.“

Sebastian Rick hätten die Kommunalpolitik im Schradenland, „in der Pragmatismus vor politischem Kleinkrieg, maßvolle Haushaltsführung vor Verschwendung und gegenseitiger Respekt“ dominiere, bewogen, sich nun auch auf Landesebene zu engagieren. Dabei schreibt er sich selbst ins Stammbuch: „Die CDU kann nur, wenn sie das Ohr am Volk hat, eine Volkspartei bleiben.“ Dabei setze er „nicht auf Beliebigkeit, aber auch nicht auf Kompromissfähigkeit um jeden Preis.“

Der CDU-Kreisvorsitzende, Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretär Michael Stübgen gratuliert beiden Nominierten und spricht  „von einer „sehr lebendigen Partei“ und angesichts von drei Kandidaten, die sich zur Wahl gestellt haben, von „Talenten“ in der Partei, die sich einsetzen.

Er beschwört die neue Situation, die inzwischen den Alltag und die politischen Debatten in Deutschland bestimmen würden. Nicht die SPD und die Linken seien die ernstzunehmenden Kontrahenten im Wahlkampf. „Wir haben nur noch einen einzigen Gegner im Wahlkampf und das ist die AfD.“ Und die agiere „brutal, populistisch und bösartig“, so Michael Stübgen.

Ein Schlusssatz, den Elsterwerdas Bürgermeisterin Anja Heinrich, so nicht stehenlassen will: „Wenn unser Wahlziel sich einzig darauf bezieht, die AfD zu verhindern, laufen wir an den eigentlichen Aufgaben vorbei. Was es in dieser Zeit braucht, sind engagierte, authentische und streitbare Kandidaten, die nicht auf Versorgungsposten bauen, sondern Spaß und Sportsgeist haben, sich mit den tatsächlichen Sorgen der Bürger zu beschäftigen und nicht jedem und allem nach dem Mund reden“, reagiert sie aufgebracht.

Auch Thomas Boxhorn, in der Ferne von Parteikollegen gut über den Ablauf informiert, erklärt: „Wenn wir uns nicht endlich damit auseinander setzen, was die AfD stark gemacht hat und uns dabei nicht an die eigene Nase fassen, bleiben wir nicht glaubwürdig und für viele wählbar.“

Nachtrag zum Beitrag: Nach Veröffentlichung dieses Beitrages auf lr-online hat sich am Sonntag um 19.30 Uhr der Finsterwalder CDU-Stadtverbandschef Rainer Genilke gemeldet und erklärt, dass er in besagtem Montag-Treffen mit Thomas Boxhorn „keinesfalls geäußert“ habe, dass die Finsterwalder CDU für Dr. Sebastian Rick stimmen wolle. „Ich habe niemandem gesagt, wen er wählen soll und wen nicht“, so Rainer Genilke. „Wie komme ich dazu? Wir leben in einer Demokratie. Da kann jeder selbst entscheiden“, so der Finsterwalder CDU-Stadtchef, der weiter erklärt, dass er auch wisse, das Ute Lubk bei Finsterwalder CDU-Mitgliedern Sympathien genieße. Richtig sei, so Rainer Genilke, dass er Thomas Boxhorn gegenüber erklärt habe, dass es bei der Finsterwalder CDU auch „Sympathien für die anderen Kandidaten gibt.“ Hauptgegenstand des Gespräches sei im Übrigen der Vorstoß von Thomas Boxhorn zur Stadthallen-Problematik in Doberlug-Kirchhain und Finsterwalde gewesen.