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CDU bleibt stärkste Kraft, AfD kann jubeln

FOTO: Gabi Böttcher
Elbe-Elster. 372 Wahlbezirke zur Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis 65 Elbe-Elster - Oberspreewald-Lausitz II waren am Sonntagabend ab 18 Uhr auszuzählen. Der Verlauf der Hochrechnungen wurde auch von den Parteien im Landkreis Elbe-Elster mit ihren Direktkandidaten live verfolgt. Gabi Böttcher, Frank Claus, Sylvia Kunze, Heike Lehmann und Birgit Rudow

Die Stimmung bei den etablierten Parteien war überall gedämpft.

Die CDU-Spitze hat sich in Finsterwalde in ihren Parteiräumen in der Karl-Marx-Straße getroffen. Dort hat Rainer Genilke, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Finsterwalde und CDU-Landtagsabgeordneter nach den ersten Hochrechnungen verkündet: "Wir sind stärkste Partei und Angela Merkel bleibt Kanzlerin. Das sorgt für Kontinuität und ist Garantie für wirtschaftliche Entwicklung. Rot-Rot-Grün kommt nicht zustande. Das war erklärtes Ziel. Sorge bereitet das zweistellige Ergebnis von Krakelern, die keine Antworten auf wichtige Probleme der Zeit haben."

Bedrückte Gesichter gab es bei der Elbe-Elster-SPD gestern Abend in Massen kurz nach der Verkündung der Prognose und der ersten Hochrechnungen. Vor allem junge Genossen hatten sich dort in der Bierbar Dix zusammengefunden. "Das Ergebnis ist schon ernüchternd. Wir hatten uns für unsere Partei etwas mehr erhofft. Vieles, was die große Koalition in den letzten Jahren durchgesetzt hat, wurde vom Wähler nicht honoriert", sagt der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Elbe-Elster Stefan Wagenmann. Traditionell werde wohl jetzt eine Mitgliederbefragung darüber entscheiden, ob die SPD in die Opposition geht oder nicht. Dazu seien die Meinungen sehr unterschiedlich. Er persönlich wäre dafür, sagt er. Das AfD-Ergebnis habe ihn im Übrigen nicht überrascht.

Direktkandidat Hannes Walter sagt: "Ich weiß nicht, was schlimmer ist: unser Ergebnis, was wirklich schlecht ist, oder das hohe Ergebnis der AfD. Die SPD muss wieder ein stärkeres linkes Profil haben."

Delf Gerlach, Vorsitzender der FDP im EE-Kreis, kommt vor lauter Stimmenauszählen im Uebigauer Wahllokal gar nicht dazu, die Hochrechnungen richtig zu verfolgen. Er freut sich riesig, von der ersten Prognose, die von 10,5 Prozent für die Liberalen spricht, zu hören. "Das wäre verdient", sagt er mit Blick auf den zurückliegenden Wahlkampf. In dem hätte man viel getan, um vom Wähler wahrgenommen zu werden. Gerlach hat für seine Partei ein ganz klares Ziel: "Demnächst auf Bundesebene mit am Regierungstisch sitzen."

Eine hohe Wahlbeteiligung hat sich in der Region Bad Liebenwerda bis zu den Mittagsstunden abgezeichnet. Im Wahllokal in der Waldstraße der Kurstadt waren es gegen 13 Uhr schon mehr als 50 Prozent. Auch im kleinen Burxdorf, wo 102 Bürger wahlberechtigt sind, schien die Freude, wieder im eigenen Wahllokal im Ort wählen zu dürfen, groß. Bis 15 Uhr wurden dort 57 Wahlzettel in die Urne gesteckt. Beim Apfeltag in Döllingen und beim Tag der offenen Tür bei Elbekies in Mühlberg erklärten Besucher immer wieder, erst wählen gegangen zu sein, um danach in Familie den Sonntag zu genießen. Johannes Berger, der für die Freien Wähler, als Direktkandidat nominiert war, gab eine Stunde vor Schließung der Wahllokale zu, nun doch aufgeregt zu sein. Nach der Auszählung der Stimmen in seinem Wahllokal in Lausitz wollte er ins Rathaus nach Bad Liebenwerda fahren, um zu erfahren, wie er im gesamten Stadtgebiet abgeschnitten hat.

Keine offizielle Wahlparty gab es gestern Abend beim AfD-Kreisverband Elbe-Elster. Dort hieß es im Vorfeld: "Alle aktiven Mitglieder unseres Kreisverbandes sind am Wahlabend Wahlhelfer oder Wahlbeobachter. Es ist daher keine zentrale Veranstaltung geplant. Es fährt auch keiner von uns zur Wahlparty nach Berlin. Je nach Ende der Auszählung und sicher auch abhängig vom Ergebnis, treffen sich Mitglieder möglicherweise danach spontan an einem oder mehreren Orten im Landkreis." Direktkandidat Peter Drenske hat sein Wahllokal in der ehemaligen Schule in Schacksdorf erst kurz vor 18 Uhr aufgesucht, weil er dann gleich als Wahlbeobachter der Auszählung beiwohnen wollte. Noch ein bisschen vorsichtig hält er nach 19 Uhr das Ergebnis auf Bundesebene "für ein ganz gutes Signal". In seinem Ort, in Schacksdorf, habe die AfD 26 Prozent der Stimmen geholt, die CDU 27 Prozent. Am Abend trafen sich der Vorstand und Freunde dann doch noch spontan in einem Gasthof in Plessa.

In eigener Sache: Wegen des frühzeitigen Redaktionsschlusses für die Lokalseiten Herzberg, Bad Liebenwerda und Finsterwalde können wir Ihnen, liebe Leser, mit der heutigen Ausgabe noch keine abschließenden vorläufigen Wahlergebnisse präsentieren.