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| 14:02 Uhr

Es ist fast geschafft
Nach Jahren wieder Gottesdienste in der Catharina-Kirche

Festgottesdienst am Sonnabend in der fast fertig rekonstruierten und renovierten evangelischen Kirche Sankt Catharina in Elsterwerda. Kreuz, Bibel und Kerzen kehren zurück auf den barocken Altar.
Festgottesdienst am Sonnabend in der fast fertig rekonstruierten und renovierten evangelischen Kirche Sankt Catharina in Elsterwerda. Kreuz, Bibel und Kerzen kehren zurück auf den barocken Altar. FOTO: Veit Rösler
Elsterwerda. Die evangelische Stadtkirche inmitten von Elsterwerda kann nun wieder auch für Trauungen genutzt werden. Doch die Bauarbeiten gehen weiter. Von Veit Rösler

Die evangelische Catharina-Kirche in Elsterwerda ist zu großen Teilen rekonstruiert und renoviert. Das war am Sonnabend Anlass für einen Festgottesdienst. Im Beisein vieler Elsterwerdaer, von Superintendent Christof Enders und Bürgermeisterin Anja Heinrich sowie Vertretern der Baufirmen sind nach mehrjähriger Bauzeit Kreuz, Bibel und brennende Kerzen zurück auf den Altar gebracht worden. Damit ist in dem Gotteshaus im Zentrum von Elsterwerda erst einmal die größte Sanierungsetappe geschafft. Nun können dort wieder Gottesdienste stattfinden.

Der letzte feierliche Anlass vor dem barocken Altar war eine Trauung im August 2016. Unmittelbar danach wurde als erste Baumaßnahme die Orgel ausgebaut. Bis vor wenigen Wochen standen im Kirchenschiff Baugerüste. Staub lag auf Emporen und Bänken. Wer als Neugieriger das Baugeschehen verfolgt hat, musste erstaunt feststellen, dass es im Innern der Kirche kaum etwas Neues zu sehen gibt.

Trotzdem seien hier großartige Leistungen vollbracht worden. Die Vorsitzende des Bauausschusses, Silke Hauptvogel vom Gemeindekirchenrat, blickt zurück. Angefangen habe alles bereits vor zehn Jahren mit einem Holzschutzgutachten und einer Kostenschätzung. Mit Bekanntwerden der Höhe des Gesamtbetrages von 900 000 Euro stand die kleine Gemeinde vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Für alle Beteiligten war es unvorstellbar, jemals nur ansatzweise das notwendige Geld aufzutreiben.

Der damalige Pfarrer Kersten Spantig war anderer Meinung. Dank seiner Zusammenarbeit mit dem Bauausschuss der Kirchengemeinde und den Bausachverständigen des Kirchenkreises sowie des Kreiskirchenamtes wurde ein Finanzierungskonzept für den ersten Bauabschnitt in Höhe von zunächst 450 000 Euro erstellt. Große Sorgen bereitete das gesundheitsschädliche Holzschutzmittel Hylotox, das in hoher Konzentration den gesamten Dachstuhl belastete. Dieses musste durch eine Spezialfirma abgesaugt und als Sondermüll entsorgt werden.

Als katastrophal konnte der Zustand der umlaufenden Deckenbalken, der Sparren und Streben auf der Mauerkrone bezeichnet werden. Diese waren bis hinein zum Kern verfault. Um gefahrlos arbeiten zu können, mussten die Deckenbalken mit einem starken Überzugbalken abgefangen werden. Dann endlich ging es nach dem Austausch der ebenfalls maroden Mauerkronen an das Auswechseln der Köpfe aller Balken im Mauerbereich. Durch die Arbeiten am Dachtragwerk wurde auch die an den Holzbalken befestigte Decke in Mitleidenschaft gezogen. Das Bindematerial der Schilfmatten, die als Träger für den Kalkputz verwendet wurden, und jahrhundertealte Nägel in wurmstichigen Brettern führten zu dem Entschluss, die Decke komplett zu erneuern.

Die Profile für die Stuckdecke wurden an Hand von Aufzeichnungen der alten Decke originalgetreu wieder hergestellt. Erst dann konnte die letzte Putzschicht auf die Flächen aufgebracht werden. Abgeschlossen wurden die Deckenarbeiten mit einem dreifachen Anstrich aus Marmorkalk. Restauriert wurden bereits die Kirchenfenster im Kirchenschiff und im Altarbereich. Ebenfalls ist die Elektrik erneuert worden.

Es folgte der zweite Teil des Dacheindeckens mit Biberschwanzziegeln im alten Format. Auch ist nun das gesamte Gebäude durch eine neue Blitzschutzanlage gesichert.

Selbst nach der Wiederaufnahme der Gottesdienste gehen die Arbeiten weiter, zum Beispiel in der Sakristei und im Betstübchen. Die Fassade des Kirchenschiffes muss ähnlich dem bereits fertigen Turm gestaltet werden.

Die noch immer ausgebaute Orgel ist ein weiteres Thema. Etwa 210 000 Euro und rund ein Jahr lang weitere Arbeiten sind dafür veranschlagt.

Eine zusätzliche „Baustelle“ ist die noch immer offene Pfarrstelle. Während der Festgottesdienst von Pfarrer Otto-Fabian Voigtländer und dem ordinierten Prädikanten René Herrmann vertretungsweise geleitet wurde, sucht die Kirchgemeinde seit Jahresbeginn händeringend nach einem Nachfolger für Pfarrer Kersten Spantig.