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Bürgerforum zur Stadtentwicklung: Absage an weitere Discounter

Elsterwerda.. Das Stadtentwicklungskonzept für Elsterwerda dürfte wohl kaum in der Schublade vermodern. Nach wie vor ist das Interesse der Bürger vorhanden, die Zukunft ihrer Stadt mitzugestalten. Das wurde auch beim jüngsten Bürgerforum im Versammlungsraum der Stadtbibliothek deutlich, wo sich am Dienstag rund 50 Interessierte eingefunden hatten. Annette Siemer

Das Stadtentwicklungskonzept ist keine statische Angelegenheit, sondern soll kontinuierlich weitergeschrieben werden. In den Arbeitsgruppen Stadtentwicklung, Wirtschaft und Soziales diskutierten die Bürger über einige zuvor festgelegte Themen. So kam in der AG Stadtentwicklung deutlich zum Ausdruck, dass die Innenstadtentwicklung weiterhin Priorität haben muss. Ferner verständigte man sich auf eine gemeinsame Initiative zwischen Grundstückseigentümern, Einzelhändlern und Dienstleistern, um die Brachflächen in der Innenstadt zu vermarkten.
Was die Ansiedlung weiterer Discounter in der Schillerstraße betrifft, so war die Meinung deutlich: Jede weitere Schaffung von Verkaufsflächen außerhalb des Innenstadtbereiches führe aufgrund der Kaufkraftteilung dazu, dass das Zentrum weniger besucht würde. Gerade die einheimischen Gewerbetreibenden seien es jedoch, die die jährlichen Höhepunkte wie den Weihnachtsmarkt finanzierten, während die Discounter keinerlei Beitrag zum kulturellen Leben leisteten, merkte Bauamtsleiter Uwe Schaefer an. Da das Leben nicht nur darin bestehe, mit dem Einkaufswagen durch Supermärkte zu fahren, müsste man den Gewerbetreibenden, die auch das kulturelle Leben beförderten, geeignete Rahmenbedingungen schaffen.

Kampf dem Leerstand
Ein Vorschlag, der aus der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft kam, betrifft ebenfalls die Vermarktung der innerstädtischen Brachflächen. Es wurde die Herstellung einer Broschüre angeregt, in der ähnlich wie bei den Gewerbegebieten sämtliche innerstädtischen Brachflächen aufgelistet sind.
In der Arbeitsgruppe Soziales war man sich einig, dass ein Stadtmarketing dringend gebraucht werde. Mit einbezogen werden müssten dabei auch die Grundstückseigentümer. Gefordert wurde in diesem Zusammenhang ein dauerhafter Ansprechpartner. Neue Leitbilder für die Stadt wurden ebenfalls angesprochen. Sie müssten über die „Einkaufsstadt Elsterwerda“ hinausgehen.
Mit dem Stadtumbaukonzept hatte sich Elsterwerda an einem Landeswettbewerb beteiligt, mit dem ostdeutsche Städte aufgefordert waren, modellhafte Lösungen für den Stadtumbau, sprich den Rückbau von Plattenbausiedlungen, zu finden. In Elsterwerda stellt der Leerstand von Plattenbausiedlungen längst kein so gravierendes Problem wie in Schwedt, Guben oder Eisenhüttenstadt dar, so dass Elsterwerda auch keine modellhaften Lösungen anbieten konnte. Deshalb wurde die Stadt auch nicht ins Förderprogramm Stadtumbau Ost aufgenommen. Deshalb gibt es weder Fördermittel für den eventuellen Rückbau von Plattenbauten noch für die Wohnumfeldgestaltung.

Einwohnerschwund
Das Stadtentwicklungskonzept ist ein 150 Seiten starkes Werk, dessen Schwerpunkte Bauamtsleiter Uwe Schaefer den Teilnehmern noch einmal darlegte. Dass Handlungsbedarf besteht, machen bestimmte Parameter wie die Einwohnerentwicklung deutlich. Zählte die Stadt 1991 noch 10 997 Einwohner, waren es im Jahr 2000 noch 10 234. Zum 31. 12. 2002 lebten nur noch 9911 Einwohner in der Stadt. Damit ist bereits jetzt die Prognose für 2005 unterschritten. Da hatten die Planer noch mit 9954 Einwohnern gerechnet.
Aussagen über die Situation der Wirtschaft gibt das Verhältnis zwischen den Gewerbean- und Abmeldungen. Die Zeiten, als das Pendel noch zu Gunsten der Anmeldungen ausschlug, sind längst vorbei.
Was den Wohnungsleerstand nach Stadtteilen aufgeschlüsselt betrifft, so ist das Problem in der Altstadt am gravierendsten. Dort stehen 16,5 Prozent der Wohnungen leer. In Mitte sind es 8,2 Prozent, in West 7,9 Prozent, Biehla 6,8 Prozent, Kraupa 3,1 Prozent, Kotschka 2,9 Prozent, Krauschütz 4,2 Prozent. Auf die Eigentumsformen hin untersucht, liegt der Leerstand bei den privaten bei 8,5 Prozent, bei der HGE bei 1,4 Prozent und bei der WGE bei 7,4 Prozent. Aus dieser Bestandsanalyse ergeben sich laut Stadtentwicklungskonzept folgende Entwicklungsziele:
Reduzierung des Wohnungsleerstandes durch Aufwertung und Umnutzung des Wohnraumes. Der Abriss von Plattenbauten stellt für Elsterwerda nur die allerletzte Lösung dar; Entwicklung von Brachflächen innerhalb des engeren Stadtgebietes.

Laga immer noch aktuell
Erreicht werden soll eine bessere Anbindung der einzelnen Stadtteile untereinander. Wichtigstes Projekt ist dabei der geplante kombinierte Straßen- und Bahnsteigtunnel, der die Innenstadt mit dem Wohngebiet West verbinden würde. Der Entwurf soll bis Jahresende von der Bahn bestätigt werden. Ein wesentlicher Punkt ist auch die Revitalisierung des Zentrums mit den Schwerpunkten Facheinzelhandel, private und öffentliche Dienstleistungen, Gesundheit, Kultur und Freizeit.
Neues Gewerbe, das zur bereits bestehenden Struktur passt, soll aktiv angeworben werden.
Um dem Leerstandsproblem entgegenzuwirken, sollen Pendler, die kein Wohneigentum besitzen, dazu bewogen werden, nach Elsterwerda zu ziehen. Erste positive Ergebnisse seien erreicht worden.
Einbindung von Elsterwerda in ein regionales Tourismuskonzept.
Die Bewerbung zur Landesgartenschau 2010 bleibt weiterhin Ziel der Stadt. Das ursprüngliche Projekt mit Schlosspark I und II hatte aus der Sicht des Ministeriums für Stadtentwicklung keine Aussicht auf Erfolg, da damit die Randlagen gestärkt würden. Der Arbeitstitel des neuen Themas heißt nun „Leben und wohnen an der Bahn“ und würde die innerstädtischen Brachflächen entlang der Bahnlinien mit einbeziehen. Ein Partner sei dabei die Bahn, weitere Partner würden gesucht, so Bürgermeister Dieter Herrchen. „Ohne weitere Partner aus der Wirtschaft wird es nicht gehen“ , betonte der Bürgermeister.
Für das Bewerbungskonzept müssten 40 000 Euro akquiriert werden. Außerdem müsse man damit rechnen, dass die Mittel für die Stadtentwicklung weiter gekürzt würden. Die schwindenden Fördertöpfe beim Land seien keine Basis für die Finanzierung einer Laga.