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Obwohl nur noch wenige zur Andacht gehen
Bürger gegen den Verkauf der Kirche Döllingen

Die evangelische Kirche in Döllingen soll verkauft werden, weil sie keiner mehr nutzt. Dagegen mehrt sich jetzt Widerstand.
Die evangelische Kirche in Döllingen soll verkauft werden, weil sie keiner mehr nutzt. Dagegen mehrt sich jetzt Widerstand. FOTO: Manfred Feller / LR
Döllingen. Gut 70 Teilnehmer bei Lichterandacht und Gottesdienst. Anja Heinrich schaltet sich ein. Von Frank Claus

. Gegen den beabsichtigten Verkauf der Kirche in Döllingen formiert sich Protest. An einer Lichterandacht haben gut 50 Einwohner aus dem Ort und dem Umfeld teilgenommen. Beim anschließenden Gottesdienst war die Kirche mit mehr als 70 Besuchern außerordentlich gut besucht. Der Plessaer Gemeindekirchenrat hatte erklärt, dass kirchliches Leben in Döllingen praktisch nicht mehr stattfinde. Weil immer weniger Gläubige zu den Andachten gekommen seien, wurden vor neun Jahren die Gottesdienste eingestellt. Seit 14 Jahren gebe es keinen eigenen Gemeindekirchenrat mehr. Auch als der Plessaer Kirchenrat, der Döllingen fortan mit betreut, auf die prekäre Situation aufmerksam machte – zuletzt im Amtsblatt  hätten sich keine Menschen gefunden, die sich fortan um die Kirche und das Gemeindeleben kümmern wollen, so Frank Werner, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Erst als die RUNDSCHAU von der geplanten Entwidmung und dem angestrebten Verkauf berichtete, erfolgten Reaktionen. Die hat ein Auswärtiger angeschoben: Roy Paweck aus Zeithain, der für die Johannes-Kirchgemeinde in Meißen arbeitet und den die Liebe nach Döllingen zieht. Mit der von ihm am Sonntag initiierten Lichterandacht ist ein deutliches Zeichen gesetzt, wenngleich trotz des großen Interesses für den Erhalt der Kirche noch keine Lösung aufgezeigt sei, um den Fortbestand der Kirche zu sichern.

Frank Werner räumt deshalb ein, dass er am Sonntag verärgert gewesen sei. „Wir haben seit September zum Dialog aufgefordert. Da ist niemand gekommen. Es wäre schön gewesen, die Initiatoren der Lichterandacht hätten mit uns vorher gesprochen, um auch die Hintergründe der Entscheidung des Gemeindekirchenrates zu verstehen“, sagt Frank Werner auch am Dienstag noch und fügt hinzu: „Ich habe Herrn Paweck und Jana Kurz sofort gesagt, dass sie den Schlüssel kriegen können, wenn sie Verantwortung für diese Kirche übernehmen.“

Roy Paweck setzt indes erst einmal auf ein Gespräch mit dem Super­intendenten und hat einen ersten Gemeindekonvent im Januar in der Kirche angeregt.

Am Dienstag hat sich die CDU-Landtagsabgeordnete Anja Heinrich, selbst Teilnehmerin an Lichterandacht und Gottesdienst, eingeschaltet. Zunächst sieht sie nicht alle Möglichkeiten des Erhalts ausgeschöpft. „Gab es einen Hilferuf, dem die Döllingener hätten folgen können? Gab es das hilfesuchende Gespräch außerhalb der Christengemeinde?“, fragt sie und glaubt, dass Kirchen sich noch mehr öffnen müssten, auch für Nichtgläubige. Sie wolle einmal im Quartal eine Veranstaltung organisieren, ein Konzert oder eine Lesung, um die Unterhaltskosten einzuspielen. Mit einer Kleinen Anfrage hat sie sich an die Landesregierung gewandt, um unter anderem zu ermitteln, wie Denkmalpfleger und das Land selbst zu einem Verkauf stehen.