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| 02:41 Uhr

Bücher trotzen hartnäckig dem Internet

Bücherfreundin Elfi Raum (r.) fühlt sich in der Gemeindebibliothek Hohenleipisch bestens aufgehoben. Beraten wird sie von Leiterin Ellen Todte (l.) und ihrer Stellvertreterin Karin Schüler. Die Bibliothek mit Tausenden Medien befindet sind in Räumen der einstigen Schule.
Bücherfreundin Elfi Raum (r.) fühlt sich in der Gemeindebibliothek Hohenleipisch bestens aufgehoben. Beraten wird sie von Leiterin Ellen Todte (l.) und ihrer Stellvertreterin Karin Schüler. Die Bibliothek mit Tausenden Medien befindet sind in Räumen der einstigen Schule. FOTO: Manfred Feller
Elbe-Elster/Hohenleipisch. Elf öffentliche Bibliotheken sorgen im Elbe-Elster-Kreis für Nachschub bei den Leseratten. Die Lücken füllen Bücherbusse aus. Manfred Feller

Radio und Fernsehen haben es nicht geschafft, das Theater überflüssig zu machen. VHS-Kassette und DVD waren bzw. sind nicht so stark, als dass in den Kinoprojektoren das Licht ausgeschaltet werden muss. Und auch Internet, E-Book und Smartphone werden auf absehbare Zeit das gute, alte Buch nicht verdrängen. Etwas Traditionelles zum Lesen in der Hand zu halten, darauf möchten nach wie vor viele nicht verzichten.

Nicht wenige nutzen dafür als kostengünstige Alternative die Bibliotheken. Elf öffentliche Einrichtungen gibt es noch im Landkreis Elbe-Elster. "Dieser Bestand ist seit Jahren stabil", weiß Marion Ballnat, Sachgebietsleiterin Kreismedienzentrum in Herzberg. Geöffnet haben die Stadtbibliotheken in Herzberg, Finsterwalde, Uebigau, Elsterwerda, Doberlug-Kirchhain und Bad Liebenwerda, die Stadt- und Schulbibliotheken Falkenberg und Schönewalde, die Schulbibliothek Schlieben sowie die beiden Gemeindebibliotheken in Hohenleipisch und Prösen. Die großen ländlichen Lücken dazwischen füllen die beiden Bücherbusse des Landkreises aus, auch Fahrbibliotheken genannt.

Geblieben sind nach Auskunft von Marion Ballnat nur noch jene Einrichtungen, die hauptamtlich betrieben werden. "Zu DDR-Zeiten hatte jede Gemeinde eine Bibliothek", weiß sie. Auch wenn diese oft nur ein Art Alibi-Ausleihe mit ein bis zwei Bücherregalen im Bürgermeisterbüro waren. "Ganz toll ist, dass noch zwei Gemeindebibliotheken erhalten geblieben sind", zollt die Sachgebietsleiterin jenen zwei Dörfern Anerkennung, die sich diese freiwillige Aufgabe für ihre lesefreudigen Einwohner noch leisten. Wie eben in Hohenleipisch.

Die dortige Bibliothek gibt es seit genau 70 Jahren. Dieses Jubiläum wird mit der einen oder anderen Leseveranstaltung begangen. Wie am 10. Mai in der Schule, wenn eine Märchen- und Geschichtenerzählerin zu Gast ist, oder die Lesung am 31. Mai mit einem Krimiautoren aus Dresden.

Für ein Dorf ist diese Gemeindebibliothek mit wöchentlich immerhin 20 Öffnungsstunden nach Auskunft von Leiterin Ellen Todte recht gut ausgestattet. Auf 100 Quadratmetern befinden sich, akkurat geordnet, immerhin 9192 sogenannte Bestandseinheiten. Dabei handelt es sich vorrangig um Romane, Kinderbücher, Sach- und Fachliteratur. Es gibt aber auch 645 DVDs, CDs, Hörbücher, Kassetten und andere Tonträger sowie einige Zeitschriften. Für Nachschub wird gesorgt. Alle sechs Wochen, so Marion Ballnat, erhalten die Bibliotheken Medienpakete. In Hohenleipisch stellt die Gemeinde weiteres Geld zur Verfügung. Insgesamt betragen die Personal- und Sachkosten dort etwa 22 000 Euro im Jahr.

Leisten kann sich die Ausleihe jeder. Erwachsene zahlen nur zehn Euro Gebühr im Jahr und Kinder fünf Euro. Wohl auch deshalb sind unter den mehr als 200 Nutzern (bei ungefähr 2100 Einwohnern) auch einige Auswärtige dabei. Jana Rietschel stöbert gerade mit Sohnemann Julian (4) und Töchterchen Nele (1) in den Regalen. "Man muss nicht alles kaufen", lobt sie das vielfältige Angebot. Sie sucht etwas zum Vorlesen.

Genau das begrüßt Leiterin Ellen Todte: "Das schult die Konzentration, das Zuhören, später das Wiedergeben und die eigene Leselust, die wiederum bei der Rechtschreibung hilft." Während Kinder noch zur Ausleihe kommen, lassen sich junge Leute kaum blicken. "Auch das Mittelalter fehlt fast ganz", bedauert die Chefin. Erst die Älteren kommen wieder. So wie Elfi Raum (65). Sie hat jetzt Zeit zum Lesen. Es dürfen gern Familiengeschichten und Historisches sein.

Ellen Todte ist für Hohenleipisch ein Glücksfall. Sie ist Bibliothekarin für wissenschaftliche Bibliotheken. Mit ihrer Kollegin Karin Schüler, Wirtschaftskauffrau, teilt sie sich die Arbeit.