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| 19:56 Uhr

Südzucker
Brottewitz: Machtvolle Demo erwartet

 Kaum ein Grundstück im Dorf, an dem keine auf Bettlaken und Tischtücher geschriebene Protestbekundungen stehen
Kaum ein Grundstück im Dorf, an dem keine auf Bettlaken und Tischtücher geschriebene Protestbekundungen stehen FOTO: LR / Nancy Weidner
Brottewitz. Am Freitag „Fünf vor Zwölf“-Demo unter dem Motto „Wir machen uns eine Rübe“ an der Zuckerfabrik. Von Frank Claus

Seit bekannt ist, dass die Südzucker AG nach der nächsten Kampagne zwei ihrer neun Zuckerfabriken in Deutschland – die in Warburg (NRW) und Brottewitz (Elbe-Elster) – schließen will, gibt es in Brottewitz kein anderes Thema mehr: Das Aus muss verhindert werden. Am Freitag soll es eine machtvolle Demonstration um „Fünf vor Zwölf“ vor der Zuckerfabrik geben. Vorausgegangenen sind am Montag eine Betriebsversammlung und ein anschließender Runder Tisch im Werk

Kaum ein Grundstück im Dorf, an dem keine auf Bettlaken und Tischtücher geschriebene Protestbekundungen stehen, täglich werden es mehr Unterschriftenlisten, auf denen sich gegen die Schließung ausgesprochen wird. Und das nicht nur aus dem Elbe-Elster-Land, sondern auch aus Sachsen. „Heute habe ich gleich vier Listen bekommen, auf denen sich sogar Nordzucker-Mitarbeiter mit uns solidarisieren“, sagt Nancy Weidner von der Interessengemeinschaft Brottewitz.

Bauern aus der Region Oschatz haben angekündigt, mit Traktoren nach Brottewitz zu kommen. „Die nächste Zuckerfabrik, die wir beliefern könnten, ist in Zeitz. Bis dorthin fahren wir knapp 100 Kilometer, nach Brottewitz nur etwa 30“, wird Udo Morstein, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Altoschatz-Merkwitz, in der Leipziger Volkszeitung zitiert.

Eingeschaltet hat sich auch Henrik Wendorff, Brandenburgs Bauernpräsident, der die Demonstration unterstützt. Betroffen von der Schließung der Zuckerfabrik wären neben den etwa 90 Fabrikarbeitern auch Dienstleister, Gewerbetreibende und insgesamt 25 Brandenburger Landwirtschaftsbetriebe mit Rübenanbau. In der Konsequenz müssten die Brandenburger Rübenproduzenten ihre Ware bis ins sachsen-anhaltinische Zeitz transportieren. Das würde nicht nur für die Landwirte eine zum Teil extreme Erhöhung der Kosten für Transporte bedeuten, sondern auch den ökologischen Mehrwert der regional erzeugten Produkte schmälern. „In der Konsequenz ist damit zu rechnen, dass der Rübenanbau in Brandenburg schrumpft und wir auf vielen Flächen eine wertvolle Kultur in der Fruchtfolge verlieren“, fügt der LBV-Präsident hinzu. Die Fruchtfolge soll die Bodenfruchtbarkeit erhalten und verbessern. Sie gilt als wichtiger Bestandteil im nachhaltigen Ackerbau.

Auch die Politik reagiert. Die mögliche Schließung soll Thema im Landtag werden. Im Wirtschaftsausschuss solle der zuständige Minister erklären, was die Landesregierung gegen die Schließung unternommen hat. Vertreter aller Parteien und aus der Kurstadtregion wollen am Freitag vor Ort sein. Erstes vordringliches Ziel aller Demo-Teilnehmer: Zeit gewinnen. Die Schließung dürfe am 25. Februar, wie geplant, nicht beschlossen werden.