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Brauner Graben trifft klare Elster

Kritisch, aber machtlos schaut Plessas Bürgermeister Gottfried Heinicke auf das braune Wasser im Hammergraben, das sich mit der Elster mischt.
Kritisch, aber machtlos schaut Plessas Bürgermeister Gottfried Heinicke auf das braune Wasser im Hammergraben, das sich mit der Elster mischt. FOTO: Feller
Plessa. Eine schöne und idyllische Flusslandschaft sieht anders aus. Vor der Brücke in der Ortrander Straße in Plessa trifft das rostbraune Wasser des ein Stück zuvor zusammengeführten Floßgrabens mit dem Hammergraben auf die relativ klare Schwarze Elster. Manfred Feller

Die Vereinigung der Fließgewässer geht in einer hellen Wolke auf. Lebewesen möchte man darin nicht sein.

"Als wenn etwas ausflockt", schüttelt der Plessaer Bürgermeister Gottfried Heinicke nur den Kopf. Mit den Jahren sei es immer schlimmer geworden. "An den Ufern hat sich schon sehr viel Ockerschlamm angesammelt", stellt der Bürgermeister fest. Optisch sei vor allem der Graben eine Katastrophe. Flussabwärts vermischt sich das Wasser in der Schwarzen Elster zusehends.

Bei der bräunlich-grauen Wolke am Zusammentreffen der beiden Wasserläufe handelt es sich nach den Angaben der Bergbausanie- rerin LMBV um die typischen Mischungserscheinungen in den Kontaktbereichen.

Die Hauptursache für die Braunfärbung in dem kleinen Fließgewässer sei das Wasser aus dem Floßgraben. "Dieser bringt etwa 0,5 Kubikmeter pro Sekunde eisenhaltiges Wasser aus den Flächen der Bergbaufolgelandschaft im Bereich Lauchhammer und Plessa", so der LMBV-Fachreferent Marcel Ludewig. "Das Wasser weist die für die Lausitzer Bergbauregion typische Beschaffenheit mit niedrigem pH-Wert und Eisenwerten auf, die über der Sichtbarkeitsgrenze von drei Milligramm je Liter liegen."

Wenn sich die Bedingungen verändern, dann spüren das die Petrijünger sofort. "Die Angelvereine sprechen uns gegenüber das Problem immer wieder an. Wir als Kreisverband geben es an den Landesverband weiter und der an die Politik. Aber es ändert sich seit Jahren nichts", bedauert Peter Hertel, stellvertretender Vorsitzender des Kreisanglerverbandes Bad Liebenwerda.

Jörg Mehnert beobachtet den dramatischen Rückzug der beliebten Flossentiere schon länger. "Bis vor etwa drei Jahren haben wir dort alle Fischarten sehr gut gefangen", sagt der langjährige Vorsitzende des Angelvereins Plessa und heutiges Vorstandsmitglied. An der Angel hatten die Petrijünger Zwergwels, Karpfen, Hecht, Barsch und sogar Aal - und viele Weißfischarten sowieso. Die Fische sind immer seltener geworden. "Deshalb angeln wir nur noch oberhalb dieser Plessaer Elsterbrücke", sagt er.

Im Frühjahr, so weiß er, schwimmen die Schuppentiere flussaufwärts zum Laichen. Durch den Schleim, der sich wegen des braunen Wassers absetze, würden die Fische weniger Nahrung finden und fernbleiben, wird vermutet. Die Schwarze Elster werde damit ab Plessa immer ärmer.

Vor Jahren hätten sich die Muscheln als Indikator für sauberes Wasser in der Schwarzen Elster ziemlich wohlgefühlt. "Heute findet man sie nur noch in der Pulsnitz", sagt Jörg Mehnert.

Der Zustand der Schwarzen Elster flussabwärts in Richtung Elsterwerda wird sich so schnell nicht ändern, wie die LMBV informiert: Um die Belastung der unterliegenden Gewässer zu reduzieren, wird bei Plessa eine Wasserbehandlungsanlage errichtet. Damit werden sowohl die Wässer aus dem Hammergraben als auch aus dem Floßgraben so behandelt, dass das Eisen reduziert und der pH-Wert in den neutralen Bereich angehoben wird.

"Die Bauarbeiten für die Wasserbehandlungsanlage, die nach dem Prinzip der Eisenfällung durch Neutralisation funktioniert, werden im Jahr 2018 beginnen und voraussichtlich drei Jahre dauern", kündigt die zuständige LMBV-Abteilungsleiterin Andrea Beyer an.