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| 02:42 Uhr

Brauchen Feuerwehren hauptamtliche Kameraden?

Elsterwerda. Elsterwerdas Feuerwehr ist einsatzbereit. Noch jedenfalls. Stadtbrandmeister Uwe Petersen, bekannt als Mann klarer Worte, wird mit Blick in die Zukunft aber bange: Hat die Wehr jetzt 95 Einsatzkräfte, sehen Prognosen für 2030 nur noch 58 aktive Kameraden. Sind damit dann noch die Aufgaben der Feuerwehr zu erfüllen? Frank Claus

Kameraden der Feuerwehren - im Landkreis sind sie fast alle freiwillig tätig. Was, wenn die Alterspyramide sie in die Ehrenabteilung schickt und mangels jugendlichem Nachwuchs die Löschzüge nicht mehr komplett besetzt werden können? Nach Ansicht von Elsterwerdas Stadtbrandmeister Uwe Petersen beschäftigt sich die Politik zu wenig mit den möglichen Entwicklungen, reagiert erst wieder, wenn das "Kind in den Brunnen gefallen" ist. Für Uwe Petersen gibt es nur zwei gängige Lösungen: Die Feuerwehren der Städte, Ämter und Gemeinden müssen noch enger zusammenrücken und es muss freiwillige Feuerwehren geben, in denen in Zukunft auch hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt sind. "Unvorstellbar wäre für mich die Berufung einer Pflichtfeuerwehr", erteilt der Chef anderen Überlegungen eine Abfuhr.

Elsterwerda hat eine Wehr mit hohem Ausbildungs- und Qualifizierungsgrad. 16 Kameraden sind befähigt als Gruppenführer, neun als Zugführer ihren Dienst zu versehen. Wie wichtig ausgebildete Fachleute sind, unterstreicht das Problem der Maschinisten. 37 stehen in Elsterwerda zwar auf dem Papier, im Notfall ist die Gefahr tagsüber aber groß, dass Technik nicht bewegt werden kann. "Verfügbar sind in der Woche maximal ein Drittel", räumt Uwe Petersen ein. Der Erwerb des Führerscheins der Klasse C kostet etwa 1800 Euro. Mit einem Zuschuss von 500 Euro durch die Stadt sind nur wenige zu motivieren, die "Fleppen" abzulegen. "Eine hundertprozentige Kostenübernahme wird nötig sein", sagt der Stadtbrandmeister und zeigt nach Röderland, wo zwei Kameraden jährlich auf diese Art und Weise gefördert werden. Das könne in Elsterwerda, so Uwe Petersen, ja auch mit Mitarbeitern des Bauhofes passieren.

Der Feuerwehrchef hat der Stadt auch vorgeschlagen, wie einer Zweckentfremdung des erworbenen Führerscheins begegnet werden kann - nämlich über eine Vereinbarung zur Rückzahlung eines Förderanteils, wenn der Kamerad der Wehr vor einer bestimmten Ablauffrist nicht mehr zur Verfügung steht.

Im Jahr 2013 rückte Elsterwerdas Wehr zu 84 Einsätzen aus - mit vorzüglich gepflegter Technik. Dennoch dürfe der Pflegezustand nicht über das Alter einiger Fahrzeuge, das im Durchschnitt zwischen 16 und 20 Jahre liegt, hinwegtäuschen. Die Anschaffung einer neuer Drehleiter steht dabei besonders im Fokus und soll im Jahr 2015 realisiert werden. "Nächste Ersatzbeschaffungen für das Löschfahrzeug 24 und das Tanklöschfahrzeug kündigen sich an", so der Stadtbrandmeister. Froh ist der Chef auch, dass das Thema Digitalfunk nach Anlaufschwierigkeiten abgeschlossen und Elsterwerda ausgestattet ist. Dabei sei noch ungeklärt, wer Nachfolgekosten trage und wie der Schutz der hochwertigen Technik in den Fahrzeugen abgesichert werden soll.

Zum Thema:
Brandcontainer. Höhepunkt im Jahr 2014 ist eine Ausbildungsmaßnahme am 20. und 21. September im sogenannten Brandcontainer. Weil die Kosten dafür hoch sind, konnten die Gemeinde Röderland und die Ämter Plessa und Schradenland gewonnen werden, ihren Kameraden ebenfalls diese "heiße Ausbildung" anzubieten. Im Container kann unter sehr realitätsnahen Einsatzbedingungen geübt werden.