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Brandstifter ist ein Zeischaer Feuerwehrmann

Brand in der Lagerhalle der Osterhuber GmbH bei Prieschka.
Brand in der Lagerhalle der Osterhuber GmbH bei Prieschka. FOTO: F. Claus
Zeischa. Bei dem jungen Mann, der am Donnerstag der vergangenen Woche gestanden hatte, mehrere Brände in Zeischa, bei Prieschka und Zobersdorf gelegt zu haben, handelt es sich um ein Mitglied der Feuerwehr Zeischa. Frank Claus

Wie Ortsbürgermeister Helmut Andrack (Die Linke) bestätigt, hatte die Wehrführung des Ortes am Sonntag um 19 Uhr alle Kameraden in das Gerätehaus gebeten, zu den Ermittlungsergebnissen informiert und dabei auch den Namen des Brandstifters genannt. Etwa 25-mal hatte es seit dem Sommer des vergangenen Jahres gebrannt. Zunächst waren es Holzstapel, später eine Lagerhalle, eine Scheune und eine Gartenlaube. Der geständige Täter hatte sich zunächst seiner Mutter offenbart, und die hatte dann die Wehrführung und den Ortsbürgermeister in Kenntnis gesetzt. Gemeinsam hätte man sich dann entschieden, auch alle übrigen Kameraden nicht im Ungewissen zu lassen.

Nachdem am Freitagfrüh bekannt wurde, dass der Täter gestanden hatte, nach wie vor aber unklar blieb, um wen es sich handelte, habe es einerseits Erleichterung im Ort, aber auch weiterhin Misstrauen und gegenseitige Verdächtigungen gegeben. Dieses Klima, so Ortsbürgermeister Helmut Andrack, sei auch Ergebnis der Verfahrensweise von Polizei und Staatsanwaltschaft. "Der Polizei ist zunächst ausdrücklich für ihre Ermittlungstätigkeit, die zur Ergreifung des Täters führte, zu danken", sagt Helmut Andrack und kritisiert dann den Umgang mit dem Ergebnis.

"Es kann nicht sein, dass die Polizei sagt, ,wir wissen, wer es ist und nun seht mal zu, wie ihr damit klarkommt'. Ich muss auch die Menschen ringsherum sehen. Das hat die Polizei sträflich versäumt. Das kritisiere ich scharf", sagt der Ortsbürgermeister. Seiner Auffassung nach hätte die Polizei nicht die komplette Einwohnerschaft und besonders die Feuerwehr im Dunkeln tappen lassen dürfen. Sie hätte sich entweder mit Verantwortlichen der Feuerwehr oder mit Vertrauenspersonen im Ort zur weiteren Verfahrensweise abstimmen oder mindestens Vorschläge unterbreiten müssen. Polizei-Pressesprecher Torsten Wendt verweist auf die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft und erklärt, dass der Persönlichkeitsschutz auch in solchen Fällen oberste Priorität genieße. Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft in Cottbus, zu den Vorwürfen: "Die Staatsanwaltschaft äußert sich grundsätzlich nicht zu an der Polizeiarbeit geäußerter Kritik außerhalb der Ermittlungsarbeit."

Den Täter sollen nach RUNDSCHAU-Informationen seit seiner Kindheit verschiedene familiäre Probleme stark belastet haben. Die Brandstiftungen habe er jedes Mal "wie ein Ventil" empfunden. Ortsbürgermeister Helmut Andrack hat ihm und seiner Familie seine persönliche Hilfe zugesichert und in einem ersten Schritt nach Kontakt mit Zuständigen im Landkreis Betreuung organisiert.

Und er appelliert daran, dem jungen Mann eine zweite Chance zu geben und auch an seine Familie zu denken, die mit den Ereignissen klar zukommen habe.

Gerade jetzt sei die Feuerwehr weiter gefordert. Auch wenn er sicher ausgeschlossen werde, seien gerade Kameraden und Einwohner gefordert, die sich weiter um den Mann kümmern. "Ich habe kürzlich erst eine Jahreshauptversammlung unserer Feuerwehr erlebt, die war Sahne. Wir haben eine ganz starke Truppe mit vielen neuen Ideen. Ich glaube, die wird auch mit diesen traurigen Ereignissen ordentlich umzugehen wissen", sagt der Ortsbürgermeister.