Von Frank Claus

Kurz nach 15 Uhr. Zeitiger Feierabend, könnte man denken. Jedenfalls für die Mitarbeiter der Verwaltung. Auch nicht schlecht. Aber: Genau um 15.17 Uhr heult die Sirene in Bad Liebenwerda. Übungsszenario: Es brennt in der Reiss Büromöbel GmbH. Während die Kameraden der Feuerwehren aus Bad Liebenwerda, Lausitz, Theisa und Neuburxdorf in ihre Depots eilen, in die Uniform springen und die Fahrzeuge starten, soll es beim Büromöbelhersteller laufen, wie es die Brandschutzordnung vorschreibt. Alle Mitarbeiter steuern die ausgewiesenen Stellflächen an, die Teamleiter überprüfen, ob alle, die auf Arbeit sind, auch anwesend sind, geben das Ergebnis weiter an die Abteilungsleiter, sodass die beim Eintreffen der Feuerwehr dem Einsatzleiter sofort ein Lagebild geben können.

Sind wirklich alle Mitarbeiter draußen oder wird jemand vermisst? Die Feuerwehren biegen auf den Hof, der Sammelplatz ist gut gefüllt. Doch gibt es wirklich den ganz exakten Überblick? Die Mitarbeiterin des Personalbüros zweifelt bei der Kurzauswertung. „Mir standen die alle zu durcheinander und nicht teamweise. Ob dann wirklich genau klar war, dass sich keiner mehr in Gefahrenbereichen befindet?“ Das ist eine erste Erkenntnis der Einsatzübung am Mittwochnachmittag.

Eine zweite macht Geschäftsführer Gerd Widule stutzig. Hätte sich ein Verantwortlicher der Feuerwehr nicht den Generalschlüssel holen müssen? Dieter Ludwig, stellvertretender Stadtbrandmeister und an diesem Tag Beobachter aller Abläufe sagt: „Stimmt. Die Einsatzleitung hat das nicht getan, weil das Hauptzufahrttor geöffnet war. Im Ernstfall weiß unsere Einsatzleitung aber, wo sich die Schlüssel befinden.“

Das Szenario sieht einen Brand in der Lager- und Fertigungshalle vor. Das gegenüberliegende Bürogebäude ist nicht betroffen. Und dennoch soll dort aus einer der oberen Etagen mittels Hubretter eine Frau über das Fenster gerettet werden. Theresa Mägel, die sonst im Marketing arbeitet, ist diesmal die „hilflose Person“ und staunt: „Die Kameraden beherrschen die Technik perfekt. Ganz schön geschaukelt hat es, als ich in den Rettungskorb geklettert bin.“ Mario Harnisch, der stellvertretende Kreisbrandmeister, beobachtet die Abläufe. „Sehr gut. Die Kameraden verfallen überhaupt nicht in Hektik, arbeiten alle Schritte nacheinander ab.“ Der Einsatzleiter sieht das genauso und sagt selbstkritisch: „Wir haben in der Vergangenheit gemerkt, dass wir einige Defizite beim Einsatz Gebäudebrand haben und deshalb mehrfach geprobt. So auch erst am Montag an der ungenutzten Schule in Thalberg. Das hat sich heute schon bezahlt gemacht.“

Dann gibt es noch einige Hinweise an die Werkleitung hinsichtlich der Brandschutzwege. Doch hätte das Bürogebäude evakuiert werden müssen, wenn es gegenüber in der Werkhalle brennt? Dieter Ludwig klärt auf: „Bei einem Vollbrand kommt es zu enormer Hitzeentwicklung. Das kann Scheiben zum Bersten bringen. Deshalb gilt: Wirklich erst mal alle raus.“