Unter Federführung der Heeresfliegerunterstützungsstaffel 1 ließen sich die Männer von erfahrenen Fluglehrern in das Fliegen im Gebirge einweisen. Während dieser Zeit agierte die Staffel als Leitverband von zusätzlichen Teileinheiten aus Celle, Roth, Fritzlar und Faßberg. Insgesamt sicherten 111 Soldaten 2000 Kilometer von den heimatlichen Standorten entfernt den Flugbetrieb ab.
Vor den Besatzungen lagen dreimal täglich zwei Stunden intensivster Ausbildungszeit, die es bei fast optimalen Wetterbedingungen zu nutzen galt. Für einige Piloten eine durchaus neue Erfahrung des Fliegens. Schon das richtige Einschätzen der Flughöhe versetzte manch einen Kameraden mitunter in Schwierigkeiten. Bewegen sich die Maschinen im heimatlichen Flugbetrieb gewöhnlich in Höhen von 150 bis 200 Meter, so sind in Norwegen durchaus Werte im zehnfachen Bereich möglich.
„In den Fjorden bricht hinter manchen Felsvorsprüngen das Gestein schlagartig ab und stürzt ins Meer. Von 2000 auf Null, gigantisch“ , schwärmte Leutnant Eric Möller von seinen ersten Erlebnissen. Für die Schönheiten der einzigartigen Natur Norwegens hatte er in den ersten seiner insgesamt zehn Einweisungsstunden jedoch noch keinen Blick übrig.
Permanent hatte er dem Fluglehrer Oberleutnant Mario Kaspar aktuelle Gegebenheiten anzusagen, Ausweichlandeplätze mitzuteilen, Windturbulenzen zu beachten, die Leistungsdaten der Maschine aufgrund stetig wechselnder Hangauf- und Hangabwinde immer wieder neu zu berechnen. Doch auch das möglichst nahe Heranfliegen an die gewaltigen Gesteinsmassen erforderte die ganze Aufmerksamkeit und letztlich auch den Mut aller Piloten.
Stationiert war die Truppe im Camp Bømoen, unmittelbar vor den Toren der Stadt Voss und etwa 100 Kilometer nördlich Bergen gelegen. Es ist Bestandteil des Allied Training Centre South (ATCS), einem von zwei dieser Art in Norwegen. Beide sind in Gebieten angesiedelt, die von November bis März als schneesicher gelten. Wechselhaftes Wetter und ein schwieriges Gelände erhöhen die Ausbildungsbedingungen in Norwegen um ein Vielfaches.
Während Briten, Amerikaner und Holländer das Terrain bereits seit 1963 für sich zu nutzen wissen, beziehen einzelne Bundeswehreinheiten erst seit vergangenem Jahr hier Quartier. Bislang berühmteste Quartiergäste in Bømoen waren übrigens die Grenadier Guards, ein Regiment der englischen Queen.
Im Vergleich zum deutschen Alpenraum weist die Ausbildungsstätte Norwegen zahlreiche Vorteile auf. Während die Flugausbildung in den Alpen immer mehr durch Einschränkungen beengt wird, gibt es für die übende Truppe in Europas Norden kaum Hindernisse. Zudem beherbergt Norwegens Gebirgslandschaft nur wenig besiedelte Flächen, stören keine Wälder oder andere Hindernisse das Training. Angesichts der neuen Aufgabenfelder der Bundeswehr, die eine Gebirgsflugausbildung für Hubschrauberpiloten immer notwendiger machen, ein ideales Trainingsfeld.
„Unter den Piloten besteht gegenwärtig ein großer Bedarf an der Gebirgsflugeinweisung“ , verdeutlicht Oberstleutnant Norman Strelow, Staffelkapitän der Holzdorfer Einheit.
Seine Staffel stellte mit ihrem Auftritt in Norwegen abermals eindrucksvoll unter Beweis, zu welchen Taten sie fähig ist. Bereits während vorangegangener Übungen in Polen, der Slowakei oder im deutschen Alpenraum, wo sie ebenfalls als Leitverband agierte, wurden Einsatzwille, Ideenreichtum und Führungsfähigkeit aufgezeigt.
Mit der Gebirgsflugausbildung in Norwegen haben die Brandenburger darüber hinaus anderen fliegenden Verbänden einen Weg in die Zukunft geebnet.