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| 18:45 Uhr

Rohmilch geliefert für die Katz
Insolvenz in Berlin hat Folgen für Bauern in Elbe-Elster

Ob die Milch von den Molkereien abgenommen wird oder nicht: Die Kühe müssen jeden Tag gemolken werden.
Ob die Milch von den Molkereien abgenommen wird oder nicht: Die Kühe müssen jeden Tag gemolken werden. FOTO: Manfred Feller / LR
Elbe-Elster. Pleite in Berlin führt zu Millionenverlusten bei Bauern. Auch Elbe-Elster-Landwirte betroffen. Von Manfred Feller

Enorme Einnahmeverluste beklagen die von der Pleite der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft (B.M.G.) betroffenen Milchbauern. Der Landesbauernverband Brandenburg spricht von Ausfallforderungen in Höhe von etwa 20 Millionen Euro. Nach dessen Schätzungen sollen allein in diesem Bundesland bis zu 90 Betriebe mit Milchkuhhaltung betroffen sein. Darunter sind auch einige aus dem Landkreis Elbe-Elster. Viele Landwirte wussten zur Wochenmitte nicht, wer ihre Milch am nächsten Morgen abholt. Es herrschte helle Aufregung.

Uve Gliemann, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Mühlberg, ist nach dem nervenaufreibenden Dauerstress dieser Woche wieder gefasster. Denn am Freitagmittag sei es gelungen, mit dem heimischen Milchverarbeiter ODW in Elsterwerda einen Direktliefervertrag zu unterzeichnen. Vertragspartner sind acht Landwirtschaftsbetriebe und die  Molkereigenossenschaft Elsterwerda, der sie angehören. Vereinbart wurde, dass die Milchproduzenten bis 2020 jährlich 35 Millionen Kilogramm Rohmilch liefern.

Mit der Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft als Zwischenhändler waren zuvor 13 Betriebe der Molkereigenossenschaft als Erzeugergemeinschaft per Vertrag gebunden. Die jährliche Liefermenge betrug 65 Millionen Kilogramm.

Die B.M.G. hatte am Freitag vor einer Woche Insolvenzantrag gestellt und am vorigen Mittwoch wohl auf Drängen von Banken ihre Geschäftstätigkeit ganz eingestellt. Von einem Tag auf den anderen wussten viele Bauern nicht, wer ihre Milch am nächsten Morgen abholt. Eine Katastrophe! „Die Betriebe haben sich allein gekümmert. Wir konnten zu ODW in Elsterwerda und zu Müllermilch in Leppersdorf liefern“, blickt Uve Gliemann auf dramatische Tage zurück.

Doch mit der Vertragsunterzeichnung ist längst nicht alles in Butter. Das dicke Ende kommt erst noch. Denn die Berliner Pleitefirma hat schon seit Monaten schlecht gezahlt. „Für Dezember und Januar fehlt uns die Restzahlung. Im Februar haben wir nur einen Abschlag erhalten, und für den 1. bis 8. März gar nichts“, zählt Uve Gliemann auf. „Nach jetzigem Stand fehlen uns etwa 350 000 Euro.“ Hinzu kommt, dass die Mindereinnahmen aus dem vorherigen Milchpreisverfall noch gar nicht kompensiert sind und sich gegenwärtig die nächste Abwärtsspirale dreht.

Die neuerlichen Verluste, die es in dieser Größenordnung noch nicht gegeben habe, müssen auch die Mühlberger Landwirte irgendwie ausgleichen. „Unsere Konsequenz ist, dass wir alle Investitionen auf den Prüfstand stellen. Die Lohnzahlungen sind gesichert“, kündigt der Geschäftsführer an.

Während der Milchpräsident des Deutschen Bauernverbandes angesichts der B.M.G.-Insolvenz in der „Elite“, dem Magazin für Milcherzeuger, von einem „gewagten Geschäftsmodell gepaart mit unternehmerischen Fehlentscheidungen“ spricht, sieht Uve Gliemann in einem Zwischenhändler auch Vorteile. So konnten die 13 Betriebe der Molkereigenossenschaft Elsterwerda bislang unter dem Dach des vereinbarten Jahresmaximums ihre eigenen Liefermengen variieren. Dies sei gut gelaufen.

„Die Pleite kam überraschend, obwohl schon Mitte Februar beim Verbandstag in Bad Liebenwerda durchgesickert war, dass etwas nicht stimmt“, sagt Michael Lehmann, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster. Er befürchtet, dass die Milchbetriebe bei den teilweise noch laufenden nunmehr direkten Vertragsverhandlungen mit den Abnehmern schlechtere Karten haben, weil sie ihre Milch unbedingt loswerden müssen. Das Land sollte mit den Molkereien generell über einen Notfallfonds für solche und ähnliche Fälle nachdenken. „Es wäre eine Sauerei, wenn die Betriebe ihre Leistungen nicht bezahlt bekämen“, so Michael Lehmann.

Mit einem spürbaren Verlust rechnet auch Waldemar Dietrich, Geschäftsführer der Agrargesellschaft Prösen und Vorsitzender der Molkereigenossenschaft. „Das Milchgeld für mindestens einen Monat wird uns verloren gehen“, befürchtet er. Die Misere müsse global gesehen werden. Es sei zu viel Milch auf dem Weltmarkt.

Nicht betroffen von der Pleite ist die Röderland GmbH Bönitz. Sie liefert ihre Milch, rund 12 000 Kilogramm am Tag, seit 1993 direkt an die Molkerei in Jessen, so Geschäftsführer Manfred Stahr. Die Agrargenossenschaft Mühlberg bringt es bei 1000 Kühen auf täglich 30 000 Kilogramm, bei einer Lagerkapazität von 12 000 Litern. Es musste nichts in den Abfluss gekippt. Das ist den Landwirten wichtig.