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"Blessisch for dich" beim Mühlenfest

Beim 19. Mühlenfest am Pfingstwochenende an der Elstermühle Plessa war die Trachtenmodenschau ein Höhepunkt.
Beim 19. Mühlenfest am Pfingstwochenende an der Elstermühle Plessa war die Trachtenmodenschau ein Höhepunkt. FOTO: Veit Rösler/vrs1
Plessa. Mühlenfest und strömender Regen? Karnevals-Vereinspräsident Peter Werner: "Ist eben keine Karnevalsveranstaltung." Ex-Amtsdirektor Manfred Drews: "Eigentlich sollte es längst aufgehört haben". Veit Rösler

CDU-Bürgermeister Gottfried Heinicke hatte dafür sogar von Petrus persönlich eine genaue Zeitangabe, die allerdings längst überschritten war und aus Kahla und Hohenleipisch gab es kluge Ratschläge, weil dort angeblich die Sonne schien.

Ins Wasser ist das 19. Mühlenfest in Plessa dennoch nicht gefallen! Für Veranstalter und viele Festgäste ein Fingerzeig von ganz oben, die vom Abriss bedrohte alte LPG-Halle auch zukünftig als Schlechtwettervariante zu bewahren. "Wenn ich mir vorstelle, dass wir vor jedem Mühlenfest immer erst ein Festzelt aufbauen müssten. Das ist weder finanzierbar noch praktisch umsetzbar", brachte es Mühlenfest-Mitorganisatorin Claudia Drews auf den Punkt. "Wir haben früh am Morgen noch alles umgebaut, um unseren Gästen trockene Bänke und eine trockene Bühne zu bieten. Ganz zufrieden kann man natürlich nie sein. Es ist schwierig, so eine Veranstaltung als Verein zu finanzieren, daher ein großes Dankeschön an alle Gäste, die trotz des Regens gekommen sind. Am späten Nachmittag waren ja die Sitzreihen bei strahlendem Sonnenschein ohnehin wieder reichlich gefüllt. Wir haben das Beste draus gemacht, wir sind Plessaer", meinte das Plessaer Urgestein und Mühlenfest-Müller Lothar Thieme.

Und das Beste konnte sich sehen lassen. Zum Beispiel das "Blessisch for dich". Nachdem in der Schule nur Sprachen, wie Englisch oder Russisch, aber kein Plessisch gelehrt werden, gaben Lothar Thieme und Christine Alkier einen Einblick in originale Plessaer Mundart. "Mir missen heite erschtma ofs Hei", "Bei dem Rech'n üwerleft Döllng, da gipd's Howasser. Kamenz is mit de Färe ins Iwwerschwemmungsjebiet" und "Den ganzn Tach hats gescheppert", waren nur einige Mundartoriginale. Oder: "Mit Himpfong und Pfefferminze die klenen Buchsdam in tor Zeitung großsaufen. Die schmeckn vorwärts wie rückwärts". Natürlich durften auf die Schippe genommene Probleme nicht fehlen, wie die Plane des verhüllten Kulturhauses, die man nach Christo-Vorbild stückchenweise verkaufen will, um wieder Geld in die Kulturhauskasse zu bekommen. Oder, dass mit der West-Berlin-Schieberei der Hohenleipischer Nachbarn nun Schluss ist, weil die Schmuggelware die Treppen an den neuen Bahnsteigen nicht mehr hochgeschleppt werden kann. Selbst wie Plessaer nageln wurde den Schaulustigen von Lothar und Christine präsentiert.

Woran an alten Hochzeitstrachten zu erkennen war, ob die Braut noch Jungfrau sei, wurde in der Modenschau alter Trachten aus Plessas Vergangenheit gezeigt. Auch wurde erklärt, wie nach der Hochzeit stramme, wohlgeformte Frühgeburten nach nur sechs Monaten als Neunpfundbabys auf die Welt kommen konnten. Reichlich Stimmung gab es dann auch bei den anschließenden Tanzvorführungen alter Volkstänze aus der Lausitz - in Trachten natürlich.

Isabell Ness aus Prestewitz und Lucas Alkier sowie Jenny Bude und Tom Hauwetter aus Plessa, Teilnehmer am Semper-Opernball in Dresden, zeigten Unterschiede zwischen Volkstänzen und dem Wiener Walzer.

Wie schönes Wetter und Sonnenschein produziert werden, gab es dann bei einem Trommelfeuerwerk der vor zwei Jahren gegründeten Trommlergruppe Natsumi Taiko aus Bad Liebenwerda zu erleben. Während des Stückes "Natsumi - Der schöne Sommer" schob die Sonne endlich die Wolken beiseite.